Bei Daimler steckt er in einer Sackgasse. Nun gelingt Strategievorstand Rüdiger Grube der große Karrieresprung: Der 57-Jährige soll neuer Chef der Bahn werden. Er wäre der Gegenentwurf zu Vorgänger Hartmut Mehdorn. von Heimo Fischer und Gerhard Hegmann
Rüdiger Grube hat es lange ausgehalten bei Daimler. Seit acht Jahren ist er als Vorstand für die Strategie des Autoherstellers verantwortlich. Dabei kommt der 57-Jährige aus dem Flugzeugbau, einem Bereich, der bei Daimler kaum mehr eine Rolle spielt. Noch dazu ist sein Verhältnis zu Konzernchef Dieter Zetsche nicht das beste. Bis vor Kurzem steckte Grube also in einer beruflichen Sackgasse. Doch jetzt ist alles anders.
Grube setzt nun zum größten Sprung seiner Karriere an. Er soll Nachfolger von Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn werden, der das Unternehmen nach einer Affäre um ausspionierte E-Mails verlassen muss. Die Bahn ist ein Koloss mit weltweit 250.000 Mitarbeitern und knapp 34 Mrd. Euro Umsatz.
Der Draht zum Vorgänger ist kurz. Die beiden kennen sich aus den 90er-Jahren. Zu dieser Zeit arbeitet Grube als Bürochef von Mehdorn, seinerzeit Vorstand des Flugzeugbauers Dasa, einer Tochter von Daimler. Und dort findet Grube Kontakt zu seinem größten Förderer: Jürgen Schrempp.
Der spätere Chef des Stuttgarter Autobauers lenkt die Karriere Grubes mehr als einmal in richtige Bahnen. Nach seinem Wechsel in die Konzernzentrale von Daimler nimmt Schrempp seinen Zögling mit. Die beiden ergänzen sich. Grube gilt nicht nur als kompetent, sondern kommt auch freundlich daher und beweist gute Manieren. Schrempp hingegen fällt schon mal durch Raubeinigkeit auf. Unter ihm absolviert Grube mehrere Stationen in Unternehmensplanung und Konzernentwicklung von Daimler. Und schafft es schließlich in den Vorstand.
Der Daimler-Manager,Rüdiger Grube, soll neuer Bahnvorstand werden
Doch im Jahr 2005 beginnt sein Stern zu sinken: Schrempp verlässt Daimler, das Ruder übernimmt dessen erbitterter Rivale Dieter Zetsche. Kaum einer rechnet damit, dass sich Grube lange bei Daimler wird halten können. Weit gefehlt! Bis heute ist Grube im Amt. Nach wie vor ist er Verwaltungsratschef des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, an dem Daimler beteiligt ist.
Wenn Grube einen Rat bei der Bahn braucht, könnte er sich an EADS-Chef Louis Gallois wenden. Der Franzose war selbst Chef der französischen Bahn. "Damals gab es alle sechs Monate Spekulationen, ich würde abgelöst", witzelte Gallois kürzlich.
Selbst Grubes Kritiker räumen ein, dass er ein Händchen für Menschen hat. "Er ist ein ganz Netter", sagt ein Wegbegleiter über ihn. Ob das ausreicht, um in einem von politischen Interessen dominierten Unternehmen wie der Bahn zurechtzukommen, ist fraglich. Immerhin ist es das erste Mal, dass Grube einen Chefposten eines großen Konzerns übernimmt. Und er ist Stratege, kein Macher wie Mehdorn.
Doch Grube hat einen langen Atem. Schon als junger Mann hatte er den. Nach einer Lehre im Flugzeugbau studierte der Hamburger an einer Fachhochschule, um als Diplom-Ingenieur ein Pädagogikstudium abzuschließen. Er promovierte, dann startete er seine Unternehmenskarriere - da war er Ende 30. Er kann eben abwarten.
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