Henri Guaino
Dabei geht es nicht um schöne Worte. Guaino ist ein Ideologe durch und durch. Er hasst den Liberalismus (und die Liberalen in der Regierung hassen ihn). Er will der Republik de Gaulles eine neue Identität geben, über Europa spricht er mit Verachtung. Den EU-Vertrag von Maastricht hat Guaino bekämpft, er dürfte dessen heutige Aufweichung als Triumph sehen. Es ist seine Idee von der Rolle des Staates als Lenker der Wirtschaft, die Sarkozy gestern vertrat. "20 Jahre habe ich von diesen Dingen geredet", jubelte Guaino, als die Krise nun das Thema aufbrachte. Der Mann aus Arles, der sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet und Wirtschaftspolitik studiert hat, ist Etatist, ein Linksgaullist alter Schule, der auch Benachteiligten geben will. Als Wirtschaftspolitiker ist er ein glasklarer Nationalist. Vor allem aber: ein Überzeugungstäter.
Das ist es wohl, was Sarkozy an den 51-Jährigen bindet. Sarkozy ist ideologisch geschmeidig. Aber er bewundert Menschen, die eine Haltung haben. Die Schriftstellerin Yasmina Reza, die ihm im Wahlkampf folgen durfte, schildert die zwei als ungleiches Paar, Sarkozy als Abhängigen von Guainos Geist. "Ich brauche Leute wie ihn", zitiert sie Sarkozy.
Guainos Status war nicht immer so unbestritten wie jetzt. Bei der Mittelmeerunion, die er für Sarkozy umsetzen sollte, scheiterte Guaino mit seinem anti-europäischen Konzept. In Afrika ließ er den Präsidenten eine Rede halten, die Sarkozy als Erbe des französischen Kolonialismus erscheinen ließ - zu dessen Missvergnügen. Guainos Stern sank.
Das ist nun vergessen. "Ein Wendepunkt der Geschichte", stellte Guaino fest, als die Finanzkrise aufzog. Auch seiner eigenen.