Fiat-Chef Sergio Marchionne rüttelt seine Kollegen in den Führungsetagen wach
Die Kur, die Marchionne Fiat verordnete, war ein strikter Sparkurs. Den konnte der heute 56-Jährige starten, nachdem er eine Bindung mit
General Motors auflöste. Der US-Konzern bezahlte 1,6 Mrd. Euro, um sich von der Verpflichtung zu befreien, Fiats Autosparte zu übernehmen. Das Geld gab Marchionne Zeit, Fiat umzubauen. Er setzte durch, dass Automodelle schneller und billiger produziert werden konnten. Es wurde mehr am Computer gearbeitet, Prozesse wurden gestrafft. Am Ende schaffte Fiat den Wandel. Das Unternehmen, das noch im Jahr 2004 1,5 Mrd. Euro Verlust machte, schloss das vergangene Jahr mit 2,1 Mrd. Euro Gewinn ab.
Nun erinnert viel an damals. Wieder poltert Marchionne. Doch dieses Mal rüttelt er seine Kollegen in den Führungsetagen der großen Autokonzerne wach. Er ruft sie zur Zusammenarbeit auf. Sie gingen noch immer davon aus, dass sie nach der Logik eines luxuriösen Einzelhandels arbeiten können: mit wenigen und teuren Produkten und vollkommen auf sich allein gestellt. Stattdessen müsse ihnen aber klar werden, dass sie sich am US-Handelsriesen
Wal-Mart orientieren müssten: gemeinsam und billig für die Masse produzieren. "Wir müssen zur Vernunft kommen und das richten. Sonst werden es andere für uns tun", sagt Marchionne. Und sieht sich selbst in einer zentralen Rolle.
Macht abzugeben ist derzeit kein Thema mehr. Vor zwei Jahren hatte er erklärt, dass er die Führung der Fiat-Autosparte abtreten möchte, die er Anfang 2005 vom Deutschen Herbert Demel übernommen hatte. Davon will er jetzt nichts mehr wissen. "Die Herausforderung ist doch gerade jetzt noch viel interessanter", sagt er und erklärt: "Ich habe zwei Ziele." Dabei ist besonders die Reihenfolge der Ziele interessant: "Das erste ist, dazu beizutragen, dass wir eine dauerhafte Lösung für den Autoschlamassel finden", sagt Marchionne. Das zweite Ziel sei es, dann eben auch Fiat voranzubringen.