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Merken   Drucken   19.01.2009, 20:23 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Stephen Hester - Einmal umgraben, bitte

Im Auftrag der britischen Regierung soll Stephen Hester die Royal Bank of Scotland sanieren. Doch zunächst muss der Hobbygärtner Rekordverluste verkünden und mit dem Erbe seines Vorgängers aufräumen. von Titus Kroder
Stephen Hester  ist Chef und hat doch inoffiziell noch einen über sich. Der heißt Gordon Brown , ist britischer Premierminister und bekam am Montag einen veritablen Wutausbruch angesichts des atemberaubenden Verlustes von 28 Mrd. Pfund, den Hester, Vorstandschef der Royal Bank of Scotland  für das abgelaufene Geschäftsjahr in Aussicht stellte. "Fast all diese Verluste fallen wegen US-Subprime-Krediten und wegen des Kaufs von ABN Amro  an. Da wurden unverantwortliche Risiken eingegangen mit dem ehrlichen Geld von Briten", polterte Brown.
Trotzdem hat der als "no nonsense"-Typ bekannte Hester ein gutes Verhältnis zur Regierung. Sie rettete Royal Bank im Oktober nur Stunden vor dem sicheren Kollaps und ist heute mit knapp 70 Prozent ihr größter Aktionär. Die Malaise hatte bei dem notverstaatlichten Finanzkonzern der Vorgänger des 47-jährigen Investmentbankers Hester verursacht: Fred Goodwin, der wohl diskreditierteste Topbanker nach Dick Fuld von Lehman Brothers.
Stephen Hesters soll als neuer Chef der Royal Bank of Scotland das ...   Stephen Hesters soll als neuer Chef der Royal Bank of Scotland das Institut sanieren
Stephen Hester, der zu seinen wenigen Hobbys das Züchten seltener Pflanzen zählt und aufgrund dieser Leidenschaft auch im Vorstand der Königlichen Botanischen Gärten sitzt, wurde kurz nach der Rettung der Royal Bank von der Regierung berufen. Finanzminister Alistair Darling  kennt den kahlköpfigen, stämmigen Mann schon lange. Er schätzt den Rat des Sanierungsexperten, der sich seine ersten Sporen mit der Rettung der in Schieflage geratenen Bank Abbey National verdiente. Zwei Jahre lang schrieb Hester damals wertlos gewordene Ramschanleihen und andere "Giftmüll"-Produkte ab, bevor die Bank erfolgreich verkauft werden konnte. Bei der Royal Bank of Scotland muss Hester noch schneller arbeiten, der Staat will die kranke Bank nicht ewig alimentieren.
Der durch seine Zeit bei Credit Suisse  mit umfangreicher Kapitalmarktexpertise ausgestattete Hester versteht es, geschickt diplomatisch zu agieren, und ist aber auch zugleich ein Mann der eisernen Prinzipien. Er ist damit "der beste Mann in Großbritannien" für den schwierigen Job, wie ein Insider meint.
Längst hat Hester begonnen, die Expansion aus Zeiten Goodwins zurückzufahren. Eine Milliardenbeteiligung an der Bank of China  wird verkauft. Es gebe "keine heiligen Kühe", sagte der Sanierer bei Amtsantritt. Auch die Trennung vom Versicherungsgeschäft und der Ausstieg aus dem umfangreichen US-Geschäft werden erwogen.
Dass Hester dies alles mit der Regierung abspricht, liegt auf der Hand. Gordon Brown und Alistair Darling vertrauen ihm. Sie haben ihn bereits für Northern Rock als Chairman angeheuert, nachdem die Bank im Herbst 2007 als erstes britisches Opfer der Kreditkrise gerettet werden musste. Am Montag lies der nüchterne Banker wenig Raum für Optimismus. "Klar ist: Es wird weitere Kreditausfälle geben. Wie viel und wann, ist derzeit völlig unklar", sagte er.
13:36:16 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Royal Bank of Scotland 20,87 GBp   -2,66%  -0.57
  • Aus der FTD vom 20.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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