Stephen Hesters soll als neuer Chef der Royal Bank of Scotland das Institut sanieren
Stephen Hester, der zu seinen wenigen Hobbys das Züchten seltener Pflanzen zählt und aufgrund dieser Leidenschaft auch im Vorstand der Königlichen Botanischen Gärten sitzt, wurde kurz nach der Rettung der Royal Bank von der Regierung berufen. Finanzminister
Alistair Darling kennt den kahlköpfigen, stämmigen Mann schon lange. Er schätzt den Rat des Sanierungsexperten, der sich seine ersten Sporen mit der Rettung der in Schieflage geratenen Bank Abbey National verdiente. Zwei Jahre lang schrieb Hester damals wertlos gewordene Ramschanleihen und andere "Giftmüll"-Produkte ab, bevor die Bank erfolgreich verkauft werden konnte. Bei der Royal Bank of Scotland muss Hester noch schneller arbeiten, der Staat will die kranke Bank nicht ewig alimentieren.
Der durch seine Zeit bei
Credit Suisse mit umfangreicher Kapitalmarktexpertise ausgestattete Hester versteht es, geschickt diplomatisch zu agieren, und ist aber auch zugleich ein Mann der eisernen Prinzipien. Er ist damit "der beste Mann in Großbritannien" für den schwierigen Job, wie ein Insider meint.
Längst hat Hester begonnen, die Expansion aus Zeiten Goodwins zurückzufahren. Eine Milliardenbeteiligung an der
Bank of China wird verkauft. Es gebe "keine heiligen Kühe", sagte der Sanierer bei Amtsantritt. Auch die Trennung vom Versicherungsgeschäft und der Ausstieg aus dem umfangreichen US-Geschäft werden erwogen.
Dass Hester dies alles mit der Regierung abspricht, liegt auf der Hand. Gordon Brown und Alistair Darling vertrauen ihm. Sie haben ihn bereits für Northern Rock als Chairman angeheuert, nachdem die Bank im Herbst 2007 als erstes britisches Opfer der Kreditkrise gerettet werden musste. Am Montag lies der nüchterne Banker wenig Raum für Optimismus. "Klar ist: Es wird weitere Kreditausfälle geben. Wie viel und wann, ist derzeit völlig unklar", sagte er.