Zu seinem Verständnis für die schwierige Lage des Konzerns passt, dass er auf Drohgebärden und markige Sprüche verzichtet. Er setzt sich damit deutlich von seinem Vorgänger Dieter Kroll ab. Dessen Definition eines Analysten macht im Konzern bis heute die Runde: ein Mann, der 99 Stellungen kenne, aber keine einzige Frau. Schlenz hingegen trägt die Forderungen der Arbeitnehmerseite sachlich vor, den Vorstand greift er selten direkt an. Sein Standardsatz der letzten Wochen lautet: "Es darf keine Entlassungen bei ThyssenKrupp geben." Gegen den drohenden Jobabbau bringt er sozial verträgliche Lösungen ins Spiel, zum Beispiel Vorruhestandsregelungen oder die Streichung ohnehin frei werdender Stellen.
Sein diplomatischer Stil hat ihm auch in der SPD weitergeholfen. Schlenz, seit 26 Jahren Sozialdemokrat, seit 38 Jahren in der IG Metall, kandidierte im Herbst 2007 für den SPD-Bundesvorstand - auf ausdrücklichen Wunsch von Ex-SPD-Chef
Kurt Beck . Harmlos und in bestem Politikersprech warb er damals für sich: "Aus dem täglichen Erleben der Sorgen und Bedürfnisse der Beschäftigten, aber auch der Unternehmen kann ich praktische Erfahrungen in politische Gestaltungsprozesse einbringen."
Auch als Gewerkschafter setzt er auf Ausgleich. Als vor sechs Jahren in der IG Metall ein erbitterter Kampf um die Führungsspitze tobte, verlangte Schlenz von der Gewerkschaft mehr Kompromissbereitschaft und Anpassung an die Bedingungen der Globalisierung.
So viel Zeit für Politik wie in den zurückliegenden Boomjahren wird Schlenz nun nicht mehr bleiben. Mehr als 3000 Arbeitsplätze sind bei ThyssenKrupp in Gefahr, allein 2000 in der Stahlsparte. Das bewegt jeden Gewerkschafter. Und Schlenz umso mehr, der in unmittelbarer Nachbarschaft eines Stahlwerks aufwuchs.