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Merken   Drucken   22.03.2009, 20:06 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Thomas Schlenz - Diplomat aus Duisburg

ThyssenKrupp-Betriebsratschef Thomas Schlenz steht vor seiner größten Bewährungsprobe: Beim geplanten Radikalumbau des Konzerns muss er für Tausende Arbeiter kämpfen. Dabei ist er eher ein Mann des Ausgleichs.
Am Montag beginnt für Thomas Schlenz  die wohl heikelste Woche seiner Karriere. Am Mittwoch geht es auf der alljährlichen Betriebsrätekonferenz von ThyssenKrupp  in Duisburg zur Sache. Unter den Augen von Konzernchef Ekkehard Schulz  und dem wahlkämpfenden Frank-Walter Steinmeier  (SPD) muss der Betriebsratschef seine 500 aufgebrachten Kollegen auf eine gemeinsame Strategie einschwören. Zwei Tage später soll er dann im Aufsichtsrat den radikalen Umbau mitabsegnen, den der Vorstand der Öffentlichkeit vergangene Woche bereits vorab ausführlich präsentierte.
Der Ärger der Arbeitnehmer darüber ist groß: "Wir wollen nichts mitgeteilt bekommen, wir wollen mitreden", schimpft etwa NRW-IG-Metall-Chef Oliver Burkhard. Ohne klare Antworten in der Aufsichtsratssitzung werden die Arbeitnehmer auf keinen Fall zustimmen, droht Burkhard.
Thomas Schlenz weiß, wie viel für ThyssenKrupp zurzeit auf dem Spiel steht. Als Mitglied des mächtigen Aufsichtsratspräsidiums ist der 52-Jährige in die Pläne der Konzernspitze frühzeitig eingebunden.
Zu seinem Verständnis für die schwierige Lage des Konzerns passt, dass er auf Drohgebärden und markige Sprüche verzichtet. Er setzt sich damit deutlich von seinem Vorgänger Dieter Kroll ab. Dessen Definition eines Analysten macht im Konzern bis heute die Runde: ein Mann, der 99 Stellungen kenne, aber keine einzige Frau. Schlenz hingegen trägt die Forderungen der Arbeitnehmerseite sachlich vor, den Vorstand greift er selten direkt an. Sein Standardsatz der letzten Wochen lautet: "Es darf keine Entlassungen bei ThyssenKrupp geben." Gegen den drohenden Jobabbau bringt er sozial verträgliche Lösungen ins Spiel, zum Beispiel Vorruhestandsregelungen oder die Streichung ohnehin frei werdender Stellen.
Sein diplomatischer Stil hat ihm auch in der SPD weitergeholfen. Schlenz, seit 26 Jahren Sozialdemokrat, seit 38 Jahren in der IG Metall, kandidierte im Herbst 2007 für den SPD-Bundesvorstand - auf ausdrücklichen Wunsch von Ex-SPD-Chef Kurt Beck . Harmlos und in bestem Politikersprech warb er damals für sich: "Aus dem täglichen Erleben der Sorgen und Bedürfnisse der Beschäftigten, aber auch der Unternehmen kann ich praktische Erfahrungen in politische Gestaltungsprozesse einbringen."
Auch als Gewerkschafter setzt er auf Ausgleich. Als vor sechs Jahren in der IG Metall ein erbitterter Kampf um die Führungsspitze tobte, verlangte Schlenz von der Gewerkschaft mehr Kompromissbereitschaft und Anpassung an die Bedingungen der Globalisierung.
So viel Zeit für Politik wie in den zurückliegenden Boomjahren wird Schlenz nun nicht mehr bleiben. Mehr als 3000 Arbeitsplätze sind bei ThyssenKrupp in Gefahr, allein 2000 in der Stahlsparte. Das bewegt jeden Gewerkschafter. Und Schlenz umso mehr, der in unmittelbarer Nachbarschaft eines Stahlwerks aufwuchs.
02:21:14 Kursinformationen und Charts
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ThyssenKrupp 21,97 EUR   -3,89%  -0.89
  • Aus der FTD vom 23.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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