Apples operativer Chef soll für ein halbes Jahr die Geschäfte des kranken Steve Jobs an der Konzernspitze übernehmen. Schon zum zweiten Mal wagt sich der unauffällige Manager an die Mammutaufgabe. von Helene Laube
Er sei eh nur der "Chef-Hausmeister", frotzelte Steve Jobs 2004, als "Business Week" ihn nach seiner Bedeutung für Apple fragte. Der Vorstandschef des kalifornischen Technologiepioniers war kurz zuvor wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs operiert worden. Doch dann wurde er ernst: "Letztendlich ist eine bestimmte Gravitationskraft nötig, die alles zusammenbringt. Sonst hat man vielleicht tolle Einzelteile an Technologie, die alle durchs All schweben, aber in der Summe stellen sie wenig dar."
Für Apple - aber vor allem für die loyale Fangemeinde des Konzerns, für die Wall Street und die Anleger - ist Steve Jobs das Gravitationszentrum, ohne das eine Zukunft nur schwer vorstellbar ist. Das wird der charismatische Apple-Mitgründer auch bleiben, während er seinem operativen Chef Timothy (Tim) Cook für die nächsten sechs Monate die Führung überlässt, um sich um seine Gesundheit zu kümmern. Cook ist in den vergangenen Jahren ein unverzichtbares Mitglied des Apple-Managements geworden, der Mann, der das tägliche Geschäft schmeißt. Als Interimschef und Chef-Hausmeister konnte sich der 48-Jährige bereits vor fünf Jahren beweisen, als er zwei Monate lang für den damals krebskranken Jobs einsprang.
Tim Cook
Cook genießt großen Respekt als Betriebsgenie. Er ist kein egozentrischer Visionär wie Jobs, aber einer, der Apple laufend effizienter, schlagkräftiger und vor allem finanziell erfolgreicher macht. Jobs warb Cook 1998 beim Computerhersteller Compaq ab. Seine Aufgabe: die desolaten Zustände in Produktion, Vertrieb und Zulieferung zu sanieren. Cook schloss alle Apple-Fabriken und lagerte die Herstellung an Auftragsfertiger aus. Die Schrumpfkur hatte Erfolg: Im Jahr vor seiner Ankunft hatte der Konzern noch 1 Mrd. $ Verlust bei einem Umsatz von 7 Mrd. $ vermeldet. Im Geschäftsjahr 1999 hatte sich die Bruttomarge um 9 auf 28 Prozent vergrößert, und Apple wies einen Gewinn von 600 Mio. $ aus.
Der Informatiker - tough, aber beliebt - ist wie Jobs ein Workaholic, der neben Apple nur drei Lieben zu haben scheint: Fahrradfahren, die freie Natur und das Football-Team seiner Alma Mater, der Auburn University. 2005 wurde der frühere IBM-Mitarbeiter zum operativen Chef ernannt. Cook ist zudem für die Mac-Sparte verantwortlich.
Obwohl der Effizienzmeister im Gegensatz zum fast cholerischen Jobs als Mann der leisen Töne gilt und nicht als Marketing- und Produktgenie, sollte man ihn auch in dieser Hinsicht nicht unterschätzen. "Cook hat nunmehr über ein Jahrzehnt im sehr exklusiven Zirkel von Jobs zugebracht, dabei hat er zweifelsohne einiges über die Entwicklung und Einführung erfolgreicher Produkte gelernt", sagt Branchenanalyst und Apple-Kenner Tim Bajarin.
Wäre Cook nur ein trockener und harter Betriebswirtschafter ohne kreative Ader - Jobs hätte ihn kaum in den Kreis seiner Vertrauten vorgelassen.
Aber egal ob Jobs nun wie versprochen im Juni wiederkehrt oder nicht, die Frage bleibt: Wären seine Schuhe nicht viel zu groß für Cook - oder jeden anderen? Bajarin ist sich sicher: "Steve Jobs ist eigentlich unersetzlich."
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