Kopf des Tages:Tom Cruise - Werber in eigener Sache
Tom Cruise fällt neben seinen schauspielerischen Leistungen vor allem mit Extravaganzen auf - eben wie es sich für einen Hollywood-Star gehört. Jetzt beweisst Cruise neuen Mut als Hollywood-Rebell. von Claas Tatje
Allein im vergangenen Jahr soll er mit seinen Privatjets 1 Mio. $ an Treibstoff verflogen haben. Auch kehrt er sein Privatleben nur zu gern nach außen. 2006 etwa steigt der zuvor schon zweimal verheiratete Tom Cruise bei Talklegende Oprah Winfrey auf die Couch, um seine Liebe zu Katie Holmes zu gestehen. Und speziell sein Scientology-Glaube bietet immer wieder Stoff für aufgeheizte Diskussionen. Bei den Dreharbeiten zur Verfilmung des Stauffenberg-Attentats in Berlin kam es sogar zu heftigen Protesten. Darf ein Scientologe den Widerstandskämpfer Stauffenberg spielen, fragten sich viele Menschen.
Der Schauspieler Tom Cruise gibt den Rebellen und legt sich mit dem mächtigen MGM-Studio an
Nun hat Cruise wieder für Aufsehen gesorgt: Sein Filmstudio United Artists einigte sich mit Hollywoods Drehbuchautoren auf ein Streikende - gegen den Willen des Mehrheitseigners von United Artists, Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Die Verve, mit der sich Cruise gegen den eigenen Eigentümer stellt, ist der letzte Beweis dafür, dass er Hollywoods größter Rebell ist - so lange der eigene Marktwert steigt.
Cruise, dessen Vermögen mittlerweile auf 250 Mio. $ geschätzt wird, ist längst nicht mehr nur Schauspieler. 2006 kürte ihn das Wirtschaftsmagazin "Forbes" zur mächtigsten Entertainmentgröße der Welt. Da war der heute 45-Jährige längst aus seinem milchgesichtigen "Top Gun"-Schatten herausgetreten. Cruise verdiente seit den 90er-Jahren 20 Mio. $ pro Film. Kassenschlager wie "Eine Frage der Ehre" oder "Mission Impossible" machten ihn, der noch 20 Jahre zuvor lieber Wrestler oder Priester geworden wäre, zu einem der begehrtesten Schauspieler.
Nur einem war das zu viel Show. Sumner Redstone, dessen Familie die Produktionsfirma Paramount Pictures kontrolliert, kündigte die langjährige Partnerschaft mit Cruise auf, auch weil die Werbetour für den Film "Mission Impossible 3" zu sehr zur Cruise-Holmes-Scientology-Veranstaltung geriet. "Nicht akzeptabel" sei dieses Verhalten, kritisierte Redstone. Plötzlich stand der Mime ohne Produktionsfirma da, wusste aber eine mächtige Frau Hollywoods an seiner Seite. Mit Paula Wagner stieg Cruise Ende 2006 bei United Artists ein. Während Wagner seitdem Vorstandschefin ist, gibt Cruise den Kreativdirektor.
Mindestens vier Filme im Jahr soll das Duo MGM liefern. Der erste angekündigte Knaller ist zum Blindgänger verkommen. "Von Löwen und Lämmern" mit Meryl Streep, Robert Redford und eben Cruise kostete 35 Mio. $, spielte aber im umsatzstärksten ersten Monat nur gerade 14,5 Mio. $ ein. Mit Valkyrie, der Verfilmung des Stauffenberg-Attentats auf Hitler wird sich nun zeigen, ob Cruise' Erfolgsgeschichte sich dem Ende zuneigt oder ob auch seine Unterschrift doch noch bei MGM verewigt wird. Dort ist bisher nur jene der Gründer eingerahmt, darunter Charlie Chaplin.
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