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Merken   Drucken   27.10.2008, 21:07 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Wolfgang Klein - Der Kundenfischer

Lange sah es so aus, als ob Postbank-Chef Wolfgang Klein sein Institut an den ärgsten Turbulenzen der Finanzkrise vorbeilotsen könnte. Jetzt muss er doch noch die Konzernstrategie umwerfen. von Christine Mai
Er wirkt ruhig und gefasst wie immer. Wolfgang Klein  sieht nicht aus wie einer, der eine kleine Revolution lostreten wird. Doch genau das tut der Postbank -Chef an diesem regnerischen Montag. Nachdem die Finanzkrise auch sein Institut hart erwischt hat, will Klein umsteuern - weniger Risiko, weniger Kapitalmarktgeschäft, dafür starke Konzentration auf das stabile Geschäft mit den Privatkunden. Die Postbank, so paradox das ist, soll genau das werden, was sie in der öffentlichen Wahrnehmung schon lange ist.
Der hochgewachsene 44-Jährige wird sich damit auf den Bereich konzentrieren, den er am besten kennt. Vor seiner Berufung zum Chef war Klein jahrelang für das Produktmarketing im Privatkundengeschäft der Postbank zuständig. Er führte auch den mobilen Außendienst, einen wichtigen Vertriebskanal für das Haus. Hier kommt auch der Verkäufer in ihm zum Zug - ihm, der sich laut Kennern auch mal vor seine Vertriebsmitarbeiter stellt, um eine flammende Rede zu halten.
Bei seinen öffentlichen Auftritten kann man sich das kaum vorstellen. Gefühlsregungen deutet er dabei meist nur an, etwa wenn ein schelmisches Lächeln über sein Mäusegesicht huscht. Oder er knochentrockenen Humor hervorblitzen lässt. Angesprochen auf die Debatte um das staatliche Rettungspaket für Banken, die zögerliche Haltung der Branche und ob man die Institute nicht zur Teilnahme zwingen sollte, beginnt Klein seine Antwort mit: "Knecht Ruprecht wurde in Deutschland erfunden."
Postbank-Chef Wolfgang Klein   Postbank-Chef Wolfgang Klein
Zielstrebig verfolgt er bislang seine Karriere. Sie beginnt 1991 bei der Unternehmensberatung McKinsey. Es folgen Stationen bei der Dresdner Bank und beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Im Jahr 2001 wechselt Klein schließlich zur Postbank, profiliert sich unter anderem mit der Integration des 2005 erworbenen Baufinanzierers BHW und den 850 von der Muttergesellschaft Deutsche Post  übernommenen Filialen. Vergangenes Jahr wird er Vorstandschef.
Seine Hauptaufgabe schon als Privatkundenvorstand: den Postbank-Kunden mehr Fonds, Versicherungen und Wertpapiere zu verkaufen. Denn die Postbank ist zwar das Einzelinstitut mit den meisten Privatkunden in Deutschland - mittlerweile rund 15 Millionen - , verdient aber an diesen Klienten vergleichsweise wenig. Daher rührt auch die hohe Abhängigkeit vom Kapitalmarkt, die sich in Zeiten der Finanzkrise so gerächt hat und die Klein jetzt herunterfahren will. Schon als Privatkundenchef hat Klein die Angebotspalette der Bank deutlich ausgebaut, um neue Kunden zu gewinnen und die besten zu halten. In den nächsten Monaten und Jahren muss das Institut noch mehr aus den Kunden herausholen, muss so den geringeren Beitrag abfedern, den das Kapitalmarktgeschäft zum Ergebnis beitragen wird.
Josef Ackermann , Chef der Deutschen Bank , die das Bonner Institut voraussichtlich übernehmen wird, lobt Kleins Arbeit bei der Postbank sehr. Den Druck dürfte das nicht unbedingt mindern.
13:37:06 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Postbank 29,1 EUR   -0,51%  -0.15
  • Aus der FTD vom 28.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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