Er wirkt ruhig und gefasst wie immer.
Wolfgang Klein sieht nicht aus wie einer, der eine kleine Revolution lostreten wird. Doch genau das tut der
Postbank -Chef an diesem regnerischen Montag. Nachdem die Finanzkrise auch sein Institut hart erwischt hat, will Klein umsteuern - weniger Risiko, weniger Kapitalmarktgeschäft, dafür starke Konzentration auf das stabile Geschäft mit den Privatkunden. Die Postbank, so paradox das ist, soll genau das werden, was sie in der öffentlichen Wahrnehmung schon lange ist.
Der hochgewachsene 44-Jährige wird sich damit auf den Bereich konzentrieren, den er am besten kennt. Vor seiner Berufung zum Chef war Klein jahrelang für das Produktmarketing im Privatkundengeschäft der Postbank zuständig. Er führte auch den mobilen Außendienst, einen wichtigen Vertriebskanal für das Haus. Hier kommt auch der Verkäufer in ihm zum Zug - ihm, der sich laut Kennern auch mal vor seine Vertriebsmitarbeiter stellt, um eine flammende Rede zu halten.
Bei seinen öffentlichen Auftritten kann man sich das kaum vorstellen. Gefühlsregungen deutet er dabei meist nur an, etwa wenn ein schelmisches Lächeln über sein Mäusegesicht huscht. Oder er knochentrockenen Humor hervorblitzen lässt. Angesprochen auf die Debatte um das staatliche Rettungspaket für Banken, die zögerliche Haltung der Branche und ob man die Institute nicht zur Teilnahme zwingen sollte, beginnt Klein seine Antwort mit: "Knecht Ruprecht wurde in Deutschland erfunden."