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Merken   Drucken   05.05.2009, 20:01 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Wolfgang Porsche - Widerspenstiger Vetter

Porsche drücken milliardenschwere Schulden. Jetzt wollen die Eigner endlich eine Lösung finden. Wolfgang Porsche, Chef eines der zwei Familienstämme, muss sich dabei gegen Cousin Ferdinand Piëch behaupten. von Heimo Fischer und Martin Scheele
Wolfgang Porsche  muss sehr sicher sein, dass er die Eigentümerfamilien einen kann. Sonst hätte sich der Porsche -Aufsichtsratschef sein Machtwort verkniffen. Er hätte geschwiegen, anstatt zu erklären, dass die Porsche AG nicht an Volkswagen  verkauft werden darf - was sein Cousin und Antipode Ferdinand Piëch offenbar will.
Die Familien Piëch und Porsche, denen der Stuttgarter Sportwagenbauer gehört, treffen sich am Mittwoch an einem geheimen Ort in Salzburg, um über das Schicksal von Porsche und die Zukunft der Tochter VW zu entscheiden. Die Fronten scheinen klar. Wolfgang Porsche und sein Vorstandschef Wendelin Wiedeking wollen eine Fusion der beiden Unternehmen. Das würde den strapazierten Finanzen der Porsche Holding guttun. Die Führung soll bei Porsche liegen.
Die Gegenseite hat andere Vorstellungen: Sie will, dass Porsche sein Sportwagengeschäft an VW verkauft. Drahtzieher der Idee soll Ferdinand Piëch sein. Er leitet den VW-Aufsichtsrat und war jahrelang Chef des Wolfsburger Konzerns.
Porsche-Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Porsche   Porsche-Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Porsche
Kein leichter Job für Wolfgang Porsche, der vermitteln muss. Die Familie ist ihm wichtig. Sonst hätte er sich vielleicht einen anderen Lebensinhalt gesucht, so wie seine Brüder Alexander, Peter und Gerd, die andere Wege gehen.
Wolfgang Porsche gilt als Mann des Ausgleichs. Der 65-jährige Kaufmann kennt die Branche zudem gut. In den 70er-Jahren importierte er Motorräder nach Österreich, später arbeitete er bei Daimler im Vertrieb. Obwohl er ein Schloss in Zell am See besitzt und einst Galopprennpferde züchtete, mögen Freunde seine Bodenständigkeit. Tatar und Bier seien ihm lieber als Champagner und Kaviar.
Sein Humor soll entwaffnend sein. Mit seiner zweiten Ehefrau Susanne, einer Fernsehproduzentin, war er häufig Gast in der Münchner High Society. Der Bruch mit ihr habe ihm schwer zugesetzt. "Er kann sehr emotional sein", heißt es in seinem privaten Umfeld.
Dass er deutlich werden kann, wenn es nötig ist, hat Wolfgang Porsche sogar öffentlich schon bewiesen. So wie im September, als sich Piëch den Interessen des Familienclans im VW-Aufsichtsrat widersetzte. Die Reaktion kam prompt: "Ich bin entsetzt über das Abstimmungsverhalten des Aufsichtsratsvorsitzenden", echauffierte sich Porsche öffentlich über seinen zwölf Jahre älteren Cousin. Piëch ruderte zurück.
Zu Hilfe kommen Wolfgang Porsche die Machtverhältnisse des Clans. Seit einer der Piëchs Anfang der 80er-Jahre in Geldnot kam und Anteile verkaufen musste, halten die Porsches die Mehrheit. Aus diesem Grund dürfen sie den Aufsichtsratschef des Unternehmens stellen.
Dass die Dynastie am Mittwoch einen Beschluss fällen wird, ist wahrscheinlich, aber nicht sicher. Fest steht: Die Außenwelt wird von den emotionalen Diskussionen wenig mitbekommen. Denn am Ende muss jeder Beschluss einstimmig fallen. Bislang ist das stets gelungen. Auch wenn Wolfgang Porsche hin und wieder ein Machtwort sprechen muss.
11:54:01 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Porsche 40,005 EUR   +1,01%  0.4
  • Aus der FTD vom 06.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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