Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Siemens, Heinrich von Pierer
Begründet wird dieses in der deutschen Konzerngeschichte wohl einmalige "Hausverbot" für den Ex-Chef mit "Interessengegensätzen". Nachvollziehbar, schließlich ist Siemens gerade dabei, den Mann zu verklagen. Allerdings fanden von Pierers frühere Kollegen nichts Vergleichbares in ihren Schreiben. Die ehemaligen Topmanager können weiterhin einen Pool von Büroräumen nutzen, etwa für ihre Tätigkeit bei Aufsichtsratsmandaten. Oder - wie der lange für die besonders schmiergeldaffine Kommunikationssparte zuständige Vorstand Volker Jung - auf den Plätzen im firmeneigenen Sportpark an der Münchner Hoffmannstraße Tennis spielen. Gegen Jung ist allerdings auch keine Klage geplant - wegen Verjährung.
Dennoch wird gegen Jung, Thomas Ganswindt, Uriel Sharef und Ex-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger sogar strafrechtlich ermittelt. Gegen von Pierer dagegen hat die Staatsanwaltschaft zumindest bislang "nur" ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren wegen Verletzung der Aufsichtspflicht eingeleitet.
Allerdings sind nur wenige aus der früheren Führungsriege so anhänglich wie von Pierer. Der 67-jährige Franke wurde auch nach seinem Rücktritt im April 2007 regelmäßig in den Kantinen in München und Erlangen gesichtet, wo er das Gespräch mit Mitarbeitern suchte. Außer von Pierer verkehrt nur noch Karl-Hermann Baumann regelmäßig am Wittelsbacher Platz - der frühere Aufsichtsratschef, der ebenfalls von einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren betroffen ist. Und Baumanns Vorgänger Hermann Franz. Der wollte schon Ende der 80er-Jahre damit anfangen, "das Unternehmen absolut sauber zu machen".