FTD.de » Management + Karriere » Who's who » Hausverbot für Mr. Siemens

Merken   Drucken   19.09.2008, 11:55 Schriftgröße: AAA

Korruptionsaffäre: Hausverbot für Mr. Siemens

Siemens will von seinem früheren Aufsichtsratschef nichts mehr wissen: Heinrich von Pierer darf nicht einmal mehr die Konzernräume betreten. von Angela Maier (München)
Der Brief soll reinen Tisch machen in der Korruptionsaffäre bei Siemens. Elf ehemalige Zentralvorstände des Konzerns erhalten Ende Juli Post von Siemens -Chef Peter Löscher  und Antikorruptionsvorstand Peter Solmssen . Man wolle, heißt es in dem Schreiben, die Herren wegen Verletzung ihrer Pflichten auf Schadensersatz verklagen. Und für einige ihrer Vorgänger finden Löscher und Solmssen auch noch ein paar persönliche Worte.
Zum Beispiel für den langjährigen Vorstands- und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer . Ihm streicht Löscher nicht nur - wie auch anderen Ex-Führungskräften - das persönliche Büro und die Sekretärin. Von Pierer möge sich bitte generell nicht mehr bei Siemens blicken lassen, teilen Löscher und Solmssen ihm in höflichen Worten mit. Man müsse ihn leider bitten, Räumlichkeiten des Konzerns bis auf Weiteres nicht mehr zu nutzen, heißt es in dem Schreiben an den ehemaligen "Mister Siemens". Persönlich unterzeichnet ist es von Löscher, zu dem Zeitpunkt gut zwölf Monate im Konzern, und Solmssen, etwas über neun Monate Siemensianer.
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Siemens, Heinrich von Pierer   Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Siemens, Heinrich von Pierer
Begründet wird dieses in der deutschen Konzerngeschichte wohl einmalige "Hausverbot" für den Ex-Chef mit "Interessengegensätzen". Nachvollziehbar, schließlich ist Siemens gerade dabei, den Mann zu verklagen. Allerdings fanden von Pierers frühere Kollegen nichts Vergleichbares in ihren Schreiben. Die ehemaligen Topmanager können weiterhin einen Pool von Büroräumen nutzen, etwa für ihre Tätigkeit bei Aufsichtsratsmandaten. Oder - wie der lange für die besonders schmiergeldaffine Kommunikationssparte zuständige Vorstand Volker Jung - auf den Plätzen im firmeneigenen Sportpark an der Münchner Hoffmannstraße Tennis spielen. Gegen Jung ist allerdings auch keine Klage geplant - wegen Verjährung.
Dennoch wird gegen Jung, Thomas Ganswindt, Uriel Sharef und Ex-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger sogar strafrechtlich ermittelt. Gegen von Pierer dagegen hat die Staatsanwaltschaft zumindest bislang "nur" ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren wegen Verletzung der Aufsichtspflicht eingeleitet.
Allerdings sind nur wenige aus der früheren Führungsriege so anhänglich wie von Pierer. Der 67-jährige Franke wurde auch nach seinem Rücktritt im April 2007 regelmäßig in den Kantinen in München und Erlangen gesichtet, wo er das Gespräch mit Mitarbeitern suchte. Außer von Pierer verkehrt nur noch Karl-Hermann Baumann regelmäßig am Wittelsbacher Platz - der frühere Aufsichtsratschef, der ebenfalls von einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren betroffen ist. Und Baumanns Vorgänger Hermann Franz. Der wollte schon Ende der 80er-Jahre damit anfangen, "das Unternehmen absolut sauber zu machen".
  • Aus der FTD vom 19.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote