Mit seinen Wetten gegen den US-Häusermarkt hat Hedge-Fonds-Manager John Paulson ein Vermögen verdient. Nun schwenkt der Branchenstar um - und investiert im großen Stil in amerikanische Hypothekenkredite. von Henny Sender (New York)
Vergangene Woche musste John Paulson zum Rapport. Der US-Kongress hatte die fünf berühmtesten Hedge-Fonds-Manager vorgeladen, um sie nach einer möglichen Mitschuld an der Finanzkrise zu befragen. Wie Kommunionskinder in der Kirchbank saßen die da in ihren dunklen Anzügen, die Herren Soros, Falcone, Griffin, Simons und eben Paulson. Klein und kleinlaut wirkte das Quintett, als es den Abgeordneten - unter Schwur - Rede und Antwort stand.
Während Paulson den Parlamentariern vor laufenden Kameras brav darlegte, dass er 14 der vergangenen 15 Jahre im Plus abgeschlossen habe, tüftelte er hinter verschlossenen Türen schon an einem spektakulären Strategieschwenk: Nachdem der 53-Jährige 2007 vor allem danke seiner Wetten auf einen Crash am Subprime-Markt auf einen Rekordgewinn von 3,7 Mrd. $ gekommen war, setzt er nun auf eine Erholung der US-Eigenheimpreise.
Nach Informationen der "Financial Times" (FT) kauft Paulson seit einigen Tagen sogenannte Residential Mortgage Backed Securities (RMBS) - das sind hypothekenbasierte Anleihen, denen Privatimmobilien als Sicherheit dienen. Diese Papiere hatten erst vergangene Woche deutlich an Wert verloren, nachdem US-Finanzminister Henry Paulson mitgeteilt hatte, dass die Regierung solche Anleihen im Rahmen ihres 700-Mrd.-$-Rettungsprogramms nicht weiter aufkaufen werde. John und Henry Paulson sind weder verwandt noch verschwägert.
Der Star der Hedge-Fonds-Szene: John Paulson
Fondsmanager Paulson will den neuerlichen Preisverfall nun offensichtlich ausnutzen. Seine Anleger hat er nach FT-Informationen darüber unterrichtet, dass er seit Ende vergangener Woche RMBS-Anleihen kauft. Seit Monaten schon hatte der Starmanager erwogen, in notleidende Hypothekenanleihen, darbende Finanzfirmen oder die ebenfalls strauchelnden "Leveraged Loans" zu investieren - also Kredite, mit denen Private-Equity-Firmen ihre Deals in den Boomjahren finanzierten. Anfang Oktober hatte Paulson einen möglichen Richtungswechsel erstmals offen signalisiert, als er den Paulson Recovery Fund auflegte - einen Fonds, der sich auf Beteiligungen an Finanzinstituten spezialisiert. Außerdem bereitet er die Gründung eines speziellen Immobilienfonds vor.
Gleichwohl hatte Paulson lange Zeit vermieden, zu früh in die strauchelnden Kreditmärkte zu investieren. So hatte er im April den Plan verworfen, gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group bei der US-Bausparkasse Washington Mutual einzusteigen. Die Vorsicht zahlte sich offensichtlich aus: Zum Ende des dritten Quartals wiesen Paulsons Fonds 15 bis 25 Prozent Plus auf.
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