Mehr Frauen, mehr Ausländer:Gerhard Cromme macht den Löscher
Zu deutsch und zu männlich - mit dieser Kritik an seinem Management sorgte Siemens-Chef Löscher diese Woche für Aufsehen. Nun bläst der scheidende Chef der Governance-Kommission ins gleiche Horn: In den Aufsichtsräten säßen zu wenige Frauen - und zu viele Deutsche.
"Wo wir noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind, das ist eine angemessene Vertretung von qualifizierten Frauen in den deutschen Aufsichtsräten", sagte Gerhard Cromme am Freitag laut Redetext bei der Jahreskonferenz "Deutscher Corporate Governance Kodex" in Berlin. Der frühere ThyssenKrupp-Chef führt seit 2001 die Regierungskommission für gute Unternehmensführung. In Kürze räumt er diesen Stuhl allerdings für Ex-Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller.
Neben einer stärkeren Präsenz von Frauen bedürfe es größerer Internationalität in der Zusammensetzung der Kontrollgremien, sagte Cromme. Zu den jüngsten Fällen von Korruption, Schmiergeld, Abfindungsexzessen und Steuerhinterziehungen, sagte der 65-Jährige, diese Vergehen könne der Kodex nicht heilen. "Moral kann man nicht per Gesetz verordnen und auch nicht per Kodex." In Sachen Managergehälter bemängelte Cromme, deren Höhe werde zu stark ins Zentrum der Diskussion gestellt. "Das ist einseitig."
Zwei Männer, eine Meinung: Peter Löscher (r.) und Gerhard Cromme
Er plädierte stattdessen dafür, die Leistung zu wichtigsten Leitschnur zu machen. "Hohe Gehälter sind schließlich kein Problem an sich, solange das Management erfolgreich arbeitet und das Unternehmen profitabel führt." Wenn dieser Zusammenhang aber nicht gegeben sei, gebe es ein Problem. Cromme empfahl den Aufsichtsräten zu prüfen, Teile der variablen, am langfristigen Erfolg orientierte Vergütung erst nach einigen Jahren auszubezahlen. Kürzlich hatte die Kommission empfohlen, Abfindungen für Topmanager auf zwei Monatsgehälter zu begrenzen. Unternehmen müssen im Geschäftsbericht künftig aufführen, ob sie diesem Vorschlag folgen.
Cromme führt nicht nur den Aufsichtsrat von ThyssenKrupp, sondern auch den von Siemens. Der Vorstandschef des Industriekonzerns, Peter Löscher, hatte diese Woche in einem Interview mit der Financial Times geklagt, in der Führungsetage seines Konzerns säßen "vorwiegend weiße, deutsche Männer". Aus Sicht des Österreichers wird der Münchner Konzern in dieser Zusammensetzung den Anforderungen des internationalen Geschäfts nicht gerecht: " Wir sind zu eindimensional."
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