Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU)
Ein alleingelassener übte den schwierigen SpagatGlos wäre nicht Glos, hätte er nicht versucht, eigene Duftmarken zu setzen. Allerdings haperte es oft bei der Durchsetzungsfähigkeit. Eine Genugtuung mag es ihm da gewesen sein, dass er mit seinem für viele Koalitionäre nervigen ständigen Eintreten für schnelle Steuererleichterungen letztlich einen Erfolg erzielen konnte - beim aktuellen Konjunkturpaket II. Bei einem anderen Lieblingsthema des Ministers, dem Werben für längere Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke, vor allem, um den Strompreis nicht noch stärker steigen zu lassen, blieb er oft alleine. Schließlich hatte die Koalition bei ihrer Gründung vereinbart, nicht am Atomausstieg zu rütteln.
Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise brachte Glos erneut in die Kritik. Er zeige zu wenig Präsenz, komme nicht vor bei den fieberhaften Rettungsbemühungen, bemängelten viele, auch innerhalb seiner eigenen Partei. Allerdings - sein Ministerium hat nur wenig Gewicht einzubringen. Die Zuständigkeiten sind eher bescheiden, verglichen mit dem Finanzministerium, das erheblich mehr Macht besitzt. Das wurmte den 64-jährigen Glos, ohne dass er es ändern konnte.
Kanzlerin Angela Merkel konnte sich meist auf Glos verlassen. Sie verstand, dass der CSU-Mann auch etwas für das Profil seiner Partei tun musste - quasi einen Kurs der begrenzten Konfrontation fahren musste. Allerdings - in den letzten Monaten war sich der Minister der uneingeschränkten Rückendeckung der Kanzlerin nicht mehr sicher. Zugleich rückte Merkel in der Krise eng an die Seite von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), was den alten Weggefährten schmerzte.