Jérôme Kerviel (r.) mit seinem Anwalt nach einer Anhörung bei den für Finanzstrafsachen zuständigen Untersuchungsrichtern
Zwar hat die Société Générale durch die unautorisierten Wertpapiergeschäfte ihres Händlers Kerviel fast 5 Mrd. Euro verloren, was die Bank geschwächt hat. Aber rasch erwischte es auch die Konkurrenten. Nur kurze Zeit wurde die Société Générale nach der Affäre als Übernahmekandidat gehandelt. Jetzt nicht mehr. Die Abschreibungen der Société Générale infolge der Finanzkrise sind höher als die Kerviel-Milliarden. Die Bank gehört zusammen mit Crédit Agricole zu den am meisten betroffenen Banken im Land.
Dennoch scheint sie durch die Finanzkrise vorerst immunisiert. Die Übernahmegerüchte hat sie überwunden, die Rücktrittsforderungen des Staatspräsidenten gegen Bankchef Daniel Bouton ausgesessen. Zwar zog sich Bouton einige Monate nach der Affäre auf den Posten des Verwaltungsratschefs zurück, dort redet er aber bis heute kräftig mit. Frédéric Oudéa, der neue Société-Générale-Chef, predigt gleichzeitig bei jedem Auftritt den Neuanfang.
Hinzu kommt, dass die Kerviel-Affäre die Société Générale zwang, frühzeitig neues Kapital aufzunehmen. Daher konnte die Bank ihre neuen Aktien im Februar noch zu einem Preis am Kapitalmarkt verkaufen, der rückblickend recht hoch erscheint. Anders zum Beispiel als die Investmentbank Natixis, die nach Verlusten neue Aktien geradezu verschleudern musste. Anders womöglich auch als der Erzkonkurrent BNP Paribas, der nach der Kerviel-Affäre Gefallen an einer Übernahme der Société Générale signalisierte.