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06.01.2009, 20:33
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Nachruf:
Ende eines Patriarchen
Dossier
Adolf Merckle liebte es, sein Firmenkonglomerat so intransparent wie möglich zu halten. Mit Ratiopharm, Phoenix und Heidelberg Cement stieg der schwäbische Patriarch in die deutsche Milliardärsriege auf.
von Klaus Max Smolka
Als Anfang November die ersten Gerüchte aufkamen,
Adolf Merckle sei in Finanznöten, habe sich gar mit VW-Aktien verspekuliert, war das nicht so recht zu glauben. Ausgerechnet der schwäbische Unternehmer - ein Finanzzocker? Kann nicht sein, das geht gegen seine Natur.
Aber es stellte sich als wahr heraus. Er, der Inbegriff eines Patriarchen mit dem weitverzweigten Firmenimperium, hatte Hunderte Millionen verloren - und damit sein Konglomerat aufs Spiel gesetzt, hat es zum teilweisen Ausverkauf preisgegeben. "Mir ist fremd, etwas aufzugeben", lautete ein viel zitierter Spruch von ihm. Aber genau das musste er als Folge seiner Verluste nun tun: Seinen Arzneimittelhersteller Ratiopharm wird Merckles Holding VEM mit höchster Wahrscheinlichkeit veräußern müssen.
Adolf Merckle
Das Geheimnis der Fehlspekulation - mit manchen Eigenheiten Merckles deckte es sich doch: Der Unternehmer liebte es, Dinge im Dunkeln zu halten: In den 90er-Jahren etwa erwarb der in Dresden Geborene von der Treuhand das Schloss Hohen Luckow in Mecklenburg-Vorpommern. Er renovierte das Anwesen, 2007 trafen sich hier die Staats- und Regierungschefs der G8 zum Abendessen. Und obwohl jeder wusste, wer der Eigentümer war, schwieg sich die Schlossverwaltung aus, sprach im Internet nur von "neuen Besitzern".
Ins Bild passt dazu, dass die Banken in den Kreditverhandlungen der vergangenen Wochen darüber klagten, wie intransparent die Geschäfte der Merckle-Unternehmen zu bewerten seien. Das erschwerte die Gespräche zur Refinanzierung - und dass Merckle offenbar mehrmals mit Insolvenz drohte, half dem Vertrauen auch nicht weiter.
Bilderserie
Bilderserie: Das Familienimperium Merckle
Bei der Gewerkschaft war der Unternehmer ebenfalls nicht übermäßig populär, weil er ihnen zu unkooperativ war, ein Unternehmenspatriarch, der von Mitbestimmung der Arbeitnehmer nicht viel hielt. Der Organisationsgrad bei Ratiopharm ist gering. "Ratiopharm ist nicht gerade unser Lieblingsunternehmen. Herr Merckle gehört nicht zu denen, die besonders mitbestimmungfsreundlich sind", sagte Hubertus Schmoldt, Chef der Chemiegewerkschaft IG BCE. Merckles Anhänger unter den Arbeitnehmern lobten ihren Chef hingegen für seinen bescheidenen Außenauftritt, für seine Sparsamkeit.
Außer Ratiopharm besaß Merckle noch den Pharmagroßhändler
Phoenix sowie Beteiligungen an
Heidelberg Cement und dem Pistenfahrzeughersteller
Kässbohrer . Er war laut "Forbes" fünftreichster Deutsche - auch wenn er am Schluss mit 30 Banken über einen Überbrückungskredit verhandeln musste.
Teil 2: Was Adolf Merckle hinterlässt
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Aus der FTD vom 07.01.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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