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Merken   Drucken   14.05.2009, 12:23 Schriftgröße: AAA

Peter Sodann: Kommissar Chancenlos

In einer Woche wird der Bundespräsident gewählt. Die Linke schickt den Schauspieler Peter Sodann ins Rennen. Eine realistische Chance hatter er sowieso nie. Inzwischen hat selbst Oskar Lafontaine den alten Tatort-Ermittler abgeschrieben. von Maike Rademaker
Irgendwann, es ist Lichtjahre her, also 2008, träumte Oskar Lafontaine  öffentlich von einem Bundespräsidenten "im Format eines Jürgen Habermas". Aus einem Kandidaten im Format eines international bekannten Philosophen wurde im Zuge der Zeit der "Tatort"-Kommissar Peter Sodann . Eine Woche vor der Wahl des Bundespräsidenten steht der Kandidat der Linken vor dem Aus. "Wir wissen, dass Herr Sodann keine Chance hat", sagt Lafontaine.
Nicht, dass Sodann jemals eine Chance gehabt hätte, die notwendige Mehrheit von 613 Stimmen in der Bundesversammlung zu erhalten. Die Linke hat dort 90 Vertreter. SPD und Grüne kommen auf 514 Delegierte, die CDU auf 604 und die Freien Wähler auf zehn Vertreter. Von Beginn an ist klar, dass es nicht um Sodann geht, sondern darum, ob und wann sich die Linken für die SPD-Kandidatin Gesine Schwan entscheiden.
Peter Sodann   Peter Sodann
Sodann sollte der volksnahe Joker im Wahlkampf sein - aber selbst dafür setzen die Linken ihn kaum ein. Seinen letzten Triumph hatte er am 1. Mai: Da wird der prominente Ostdeutsche als einziger Vertreter der Linken von den Gewerkschaften in Bayern eingeladen. Er hält eine launige Rede, gespickt mit Gedichten von Heinrich Heine bis Ludwig Uhland. Die Rede ist nicht nur deshalb bemerkenswert - Sodann meidet auch frühere Fettnäpfchen wie die Forderung nach Verhaftung des Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann  oder einen Angriff auf die deutsche Demokratie. Beides hatte für Debatten gesorgt.
Schon lange ist der Linken klar, dass mit diesem Kandidaten kein Wahlkampf zu machen ist, weder für das Bundespräsidentenamt noch für die Partei. Zwar kämpft Parteichef Lafontaine noch Rückzugsgefechte für seinen Kommissar und schimpft auf die Medien. "Wir hatten früher Bundespräsidenten, die ,Hoch auf dem gelben Wagen‘ sangen", spielt er auf Walter Scheel an. "Wenn Sodann das machen würde, würde man ihn niederschreiben. Da gelten offenbar unterschiedliche Maßstäbe."
Aber politisch hat Lafontaine längst Wichtigeres im Visier. Die SPD, die für den Sieg Gesine Schwans die Stimmen der Linken dringend braucht, "legt keinen Wert darauf, dass sie gewählt wird", buhlt Lafontaine von links um seine Ex-Partei. "Mir ist nicht bekannt, dass sie sich nach Bündnispartnern umschaut." Und lässt offen, was die Linke bei der Wahl tun will. "Ich habe die Entscheidung im Kopf."
Sodann hat seine Entscheidung wohl auch im Kopf, was nach dem 23. Mai passiert, wenn er aus dem Rampenlicht verschwinden kann. "Nun, armes Herz, vergiss die Qual/Nun muss sich alles, alles wenden", verabschiedet sich der 72-Jährige in Bayern mit einem Uhland-Gedicht.
  • Aus der FTD vom 14.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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