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Merken   Drucken   29.09.2008, 17:14 Schriftgröße: AAA

Porträt: Christopher Flowers - Geprügelter Milliardär

Millionen Kleinanleger haben bei Hypo Real Estate viel Geld verloren. Besonders viel Geld verloren hat aber Großaktionär Christopher Flowers. Dabei will der eigentlich nur drei Dinge: Geld verdienen, Geld verdienen, Geld verdienen. von Nina Luttmer (Frankfurt)
Eine Eigenschaft, die Christopher Flowers  von seinen Weggefährten immer wieder nachgesagt wird, ist Geduld mit seinen Engagements. "Er engagiert sich langfristig. Er hat einen langen Atem", sagte unlängst ein Banker. Angesichts der jüngsten Ereignisse dürfte aber auch Flowers inzwischen unter aufgeregter Kurzatmigkeit leiden. Denn, so sagte ein Investmentbanker über den US-Finanzinvestor: "Der Mann will drei Dinge: Geld verdienen, Geld verdienen, Geld verdienen."
Mit seinen zwei Deutschland-Beteiligungen gelingt ihm das derzeit nicht. Erst im Juni kaufte sich der 50-Jährige mit 24,9 Prozent bei der Hypo Real Estate  ein. Nun musste der Immobilienfinanzierer vor allem mit Staatsgarantien vor dem Kollaps gerettet werden und soll jetzt zerschlagen werden. Auch die knapp 26 Prozent, die Flowers 2006 an der HSH Nordbank erwarb, dürften ihm kaum Freude bereiten. Belastungen über 2,4 Mrd. Euro musste die Landesbank wegen der Finanzkrise inzwischen verkraften, der eigentlich für dieses Jahr geplante Börsengang wurde bis mindestens 2010 verschoben. Im Frühsommer musste Flowers sich mit über 500 Mio. Euro an einer Kapitalerhöhung für die HSH beteiligen.
Der HRE-Großaktionär Christopher Flowers   Der HRE-Großaktionär Christopher Flowers
Seine Kapitalgeber dürfte das wenig glücklich stimmen. In der Vergangenheit gehörten dazu dem Vernehmen nach regelmäßig Santander  und die Swiss Re , in den USA die Bank of America , JP Morgan  und Goldman Sachs .
Dabei hatte Flowers große Hoffnungen in den deutschen Markt gesetzt. Jahrelang versuchte er, einen Fuß in die hiesige Finanzbranche hineinzubekommen. Im vergangenen Jahr bot er für die zum Verkauf stehende Landesbank Berlin mit, in diesem Jahr schaute er sich die marode IKB  an. Auch an dem Versicherer Gerling, der Hypothekenbank AHBR und der Deutschen Hypothekenbank bekundete er Interesse. Derzeit prüft Flowers auch die Bücher der BayernLB. Die Eigner überlegen, 24,9 Prozent an der Bank an einen Privatinvestor zu verkaufen. Flowers Interesse soll aber nur "lauwarm" sein. Kein Wunder: "Flowers leckt jetzt erstmal seine Wunden. Er wird es sich dreimal überlegen, sich jetzt noch eine Krisenbank ans Bein zu binden", sagt ein Investmentbanker.
Zumal er auch noch in den Niederlanden einen weiteren Problemkandidaten hat: die niederländische Bank NIBC sollte eigentlich im vergangenen Jahr an die isländische Bank Kaupthing verkauft werden. Doch wegen der Finanzkrise sagte Kaupthing die Transaktion ab. Statt einen satten Gewinn einzufahren, musste Flowers die durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten angeschlagene Bank mit eigenem Kapital retten. Dennoch gibt es Gerüchte, dass die Bank weiter in Schieflage ist.
Den erfolgsverwöhnten Flowers dürften seine kriselnden Engagements arg wurmen. In den USA legte der Sohn eines US-Marineoffiziers eine Blitzkarriere hin. Nach dem Abschluss seines Studiums in angewandter Mathematik in Harvard heuerte er mit 21 bei der Investmentbank Goldman Sachs an. Mit 28 stieg er zum Chef der M&A-Abteilung auf - und wurde mit 31 der jüngste Partner in der Geschichte der Investmentbank. 1998 verließ er Goldman Sachs und arbeitet seitdem als Private-Equity-Unternehmer. Mit einem Vermögen von 2 Mrd. $ steht er auf Platz 239 in der Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner.
13:42:28 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Banco Santander 4,555 EUR   -0,33%  -0.015
IKB Deutsche Industriebank 0,525 EUR   +7,14%  0.035
Goldman Sachs 96,7 USD   -0,17%  -0.16
JP Morgan Chase 33,5 USD   -1,38%  -0.47
Bank of America 7,15 USD   +0,14%  0.01
    % 
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  • Aus der FTD vom 30.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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