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Merken   Drucken   19.11.2008, 17:23 Schriftgröße: AAA

Porträt Solarworld-Chef Asbeck: "Vor zehn Uhr kann ich nicht denken"

Ein hemdsärmeliger Selfmade-Unternehmer will Opel übernehmen. Es ist ein verwegener Plan - wäre aber nicht sein erster Coup. An Selbstbewusstsein fehlt es dem Solarworld-Chef zumindest nicht: "Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Meist bin ich anderen zehn Jahre voraus."
So stolz präsentierte sich der 49-jährige Unternehmer erst vor wenigen Wochen in einem Interview. Praktisch aus dem Nichts baute Asbeck mit Solarworld einen der größten Solartechnik-Konzerne der Welt auf. Nun plant der gebürtige Hagener offenbar den Coup seines Lebens. Am Donnerstag kündigte Solarworld ein Übernahmeangebot für den angeschlagenen Autobauer Opel an. Es bleiben viele Fragen und große Zweifel an dieser Idee.
Trachtenjacke und Jeans: Solarworld-Chef Frank Asbeck plant einen ...   Trachtenjacke und Jeans: Solarworld-Chef Frank Asbeck plant einen ganz großen Coup
Der bisher ausschließlich in der Solartechnologie aktive Konzern will - so der am Mittwoch vorgestellte Plan - Opel zum ersten "grünen" europäischen Autokonzern weiterentwickeln. Neben der Fortführung der vorhandenen Baureihen soll eine neue Fahrzeuggeneration mit energieeffizienten und emissionsarmen Antrieben produziert werden. Künftig soll das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen insbesondere Elektro- und Hybridfahrzeuge anbieten. Der Clou dabei: Solarworld will Opel nicht nur umsonst bekommen, sondern sogar noch von General Motors  für die Übernahme der Tochter eine "Kompensationszahlung" von 1 Mrd. Euro erhalten.
Es ist eine verwegene Idee. Das machen einige wenige Zahlen und Fakten deutlich: Solarworld machte 2007 gerade einmal 700 Mio. Euro Umsatz, die Adam Opel GmbH allein rund 16 Mrd. Euro. Solarworld beschäftigt heute rund 2500 Mitarbeiter, Opel allein in Deutschland 26.000.
Und auch die Firmenkulturen könnten wohl verschiedener kaum sein - nicht nur weil die einen Solarzellen bauen und die anderen Autos. Denn Asbeck ist heute noch stolz darauf, dass jeder seiner Mitarbeiter seine Handy-Nummer hat. Bei Opel dürfte nur ein ausgewählter Kreis die Nummer von Firmenchef Hans Demant kennen.
Vor zehn Uhr kann er nicht denken
So ungewöhnlich wie der Plan ist allerdings auch der Unternehmer. Asbeck war Gründungsmitglied der Grünen in Nordrhein-Westfalen, hat aber einen Maserati mit 400 PS in seiner Garage stehen. Er gilt als Genussmensch, der die italienische Küche liebt und Trachtenjacken mit Jeans kombiniert.
Von den bei vielen Managern als selbstverständlich geltenden überlangen Arbeitstagen hält er nichts. "Ich habe die feste Auffassung, dass Leute falsch organisiert sind, wenn sie sagen, sie müssten 12 oder 14 Stunden am Tag arbeiten", sagte er jüngst dem "Handelsblatt". Und fügte freimütig hinzu, dass er selbst erst ab 10 Uhr erreichbar sei. "Denn vorher kann ich nicht denken. Da frühstücke ich meistens noch." - Die Mitteilung zur Opel-Übernahme veröffentlichte Solarworld am Mittwochmittag um 11:37 Uhr.
Der Börse schien der Plan am Mittwoch allzu wagemutig. Nach der Ankündigung des Übernahmeplans brach der Kurs der Solarworld-Aktie  um zeitweise mehr als 18 Prozent ein. Schließlich versuchen derzeit praktisch alle großen Autokonzerne, mit Milliardenaufwand einen Durchbruch zu umweltfreundlicheren Autos zu schaffen. Und ob es der Bonner Umweltfirma wirklich gelingen kann, sich dank ihres Solarenergie-Know-hows mit ihren vergleichweise geringen Ressourcen gegen die Konkurrenz durchzusetzen, erscheint zumindest ungewiss.
Doch ist der Plan für Asbeck nicht untypisch. "Man muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein - mit dem richtigen Projekt", sagte er einst. Sein Auge für Gelegenheiten hat der Selfmademan schon mehrfach bewiesen. Etwa als er im Bosnienkrieg gepanzerte Fahrzeuge an Journalisten vermietete. Vor allem aber als er 1998 rechzeitig zum Boom alternativer Energien Solarworld gründete.
Und als er 2006 dem Ölkonzern Shell  dessen Solarsparte abkaufte und damit sein Unternehmen zum drittgrößten der Branche weltweit machte. Als "lucky deal" (Glücksgriff) bezeichnete Asbeck damals diesen Coup und hofft wohl auf etwas ähnliches bei Opel. Schließlich ist er überzeugt: "Man muss dem Glück, das man für Erfolge braucht, die entsprechende Landebahn geben."
AP, FTD
16:58:21 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
Shell 2016 GBp   +0,15%  3
Solarworld 1,45 EUR   -2,62%  -0.039
  • FTD.de, 19.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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