Vor zehn Uhr kann er nicht denkenSo ungewöhnlich wie der Plan ist allerdings auch der Unternehmer. Asbeck war Gründungsmitglied der Grünen in Nordrhein-Westfalen, hat aber einen Maserati mit 400 PS in seiner Garage stehen. Er gilt als Genussmensch, der die italienische Küche liebt und Trachtenjacken mit Jeans kombiniert.
Von den bei vielen Managern als selbstverständlich geltenden überlangen Arbeitstagen hält er nichts. "Ich habe die feste Auffassung, dass Leute falsch organisiert sind, wenn sie sagen, sie müssten 12 oder 14 Stunden am Tag arbeiten", sagte er jüngst dem "Handelsblatt". Und fügte freimütig hinzu, dass er selbst erst ab 10 Uhr erreichbar sei. "Denn vorher kann ich nicht denken. Da frühstücke ich meistens noch." - Die Mitteilung zur Opel-Übernahme veröffentlichte Solarworld am Mittwochmittag um 11:37 Uhr.
Der Börse schien der Plan am Mittwoch allzu wagemutig. Nach der Ankündigung des Übernahmeplans brach der Kurs der
Solarworld-Aktie um zeitweise mehr als 18 Prozent ein. Schließlich versuchen derzeit praktisch alle großen Autokonzerne, mit Milliardenaufwand einen Durchbruch zu umweltfreundlicheren Autos zu schaffen. Und ob es der Bonner Umweltfirma wirklich gelingen kann, sich dank ihres Solarenergie-Know-hows mit ihren vergleichweise geringen Ressourcen gegen die Konkurrenz durchzusetzen, erscheint zumindest ungewiss.
Doch ist der Plan für Asbeck nicht untypisch. "Man muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein - mit dem richtigen Projekt", sagte er einst. Sein Auge für Gelegenheiten hat der Selfmademan schon mehrfach bewiesen. Etwa als er im Bosnienkrieg gepanzerte Fahrzeuge an Journalisten vermietete. Vor allem aber als er 1998 rechzeitig zum Boom alternativer Energien Solarworld gründete.
Und als er 2006 dem Ölkonzern
Shell dessen Solarsparte abkaufte und damit sein Unternehmen zum drittgrößten der Branche weltweit machte. Als "lucky deal" (Glücksgriff) bezeichnete Asbeck damals diesen Coup und hofft wohl auf etwas ähnliches bei Opel. Schließlich ist er überzeugt: "Man muss dem Glück, das man für Erfolge braucht, die entsprechende Landebahn geben."
AP, FTD