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21.02.2008, 20:32
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Porträt:
Ulrich Lehner - unbekannter Herr Mächtig
Nach seinem Abschied von der Henkel-Spitze wollte Ulrich Lehner kürzertreten. Doch nun folgt er Klaus Zumwinkel als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom. Er festigt damit seinen Ruf als einer der wichtigsten Strippenzieher im Lande.
von Kirsten Bialdiga (Düsseldorf)
Lässig steht er da, eine Hand in der Hosentasche, die andere hält einen roten Edding. Das Jackett hat Ulrich Lehner längst abgelegt, um seinen Zuhörern - fast alle in Jeans und Pulli - optisch möglichst nahe zu sein. Durch die große rote Hornbrille schaut der
Henkel -Chef in 23 junge Gesichter. "Warum ist der Himmel blau?", fragt er die Auszubildenden, die später einmal als chemisch-technische Assistenten arbeiten wollen. Keiner weiß es. Nun, erklärt Lehner, wenn die Sonnenstrahlen auf die Atmosphäre treffen, streuen die blauen Strahlen am weitesten. Dann kommt er zum wahren Kern der Sache: "Fragen Sie bei allem, was Sie sehen, warum es so ist. Seien Sie neugierig." Und so endet die Unterrichtsstunde.
Die Azubis haben die Ohren gespitzt. Wann bekommt man schon mal eine Lehrstunde vom Chef? Dazu von einem der mächtigsten Manager im Lande. Lehner herrscht über 50.000 Henkelaner und ist einer der meistbeschäftigten Aufsichtsräte der Republik. Banken, Pharmakonzerne,
ThyssenKrupp ,
Eon ,
Porsche - schier überall hat Ulrich Lehner die Finger im Spiel, ohne dass es der Öffentlichkeit bisher bewusst war.
Damit ist es nun vorbei: Nach dem Rücktritt von
Klaus Zumwinkel wird Lehner der neue Aufsichtsratschef der
Deutschen Telekom . Für viele eine Überraschung. Doch Lehners erstaunlichen Kontakte und seine Erfahrungen als Henkel-Chef prädestinieren ihn geradezu für den Posten.
Nahezu unbemerkt hat der 61-Jährige die Traditionsfirma umgekrempelt. Er hat die Chemiesparte abgestoßen. Er hat ohne großen Krach fast 10.000 Stellen abgebaut. Er hat das Geschäft mit den Klebstoffen ausgeweitet. Und er hat die Internationalisierung vorangetrieben, vor allem das Geschäft in den USA und in Asien gestärkt.
Ulrich Lehner tritt bei Henkel ab und bei der Telekom an
Immer wieder hat Lehner mit Käufen und Verkäufen Schlagzeilen gemacht. Seit seinem Amtsantritt 2000 hat er Firmenteile mit 4 Mrd. Euro Umsatz verkauft. Etwa genauso viel kam hinzu - die prestigeträchtige Übernahme der Klebesparten von der US-Firma National Starch nicht eingerechnet, mit der Henkel zum unangefochtenen Weltmarktführer bei Klebstoffen avanciert.
Dieser Coup war der goldene Schlusspunkt der Ära als Geschäftsführer. Am 14. April wechselt er in den Gesellschafterausschuss. Doch von einem Rücktritt in ein ruhigeres Leben kann keine Rede mehr sein. Als Chefaufseher der Deutschen Telekom wird Lehner einen der exponiertesten Posten in der deutschen Wirtschaft einnehmen.
Teil 2: Von der Kanzlerin geschätzt
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Aus der FTD vom 22.02.2008
© 2008 Financial Times Deutschland,
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