Kreditmediator René Ricol vermittelt im Auftrag des französischen Staates zwischen Firmen und Banken, wenn es Schwierigkeiten bei der Kreditvergabe gibt
"An Ihrem Fall kann man sehr gut sehen, wie sich die Banken derzeit verhalten," sagt Ricol zu Brigitte Macherez. "Man kann sehen, dass die Wut des Präsidenten einen Grund hatte, die dazu geführt hat, dass er einen Kreditmediator ernannt hat." Längst hat Ricol den Banken gedroht: "Ich werde nicht zögern, Sarkozy Banker zu melden, wenn sie sich weigern, die französische Wirtschaft mit frischem Geld zu versorgen". Schließlich hat der Staat den Banken im Zuge der Kreditkrise 360 Mrd. Euro zugesagt, damit der Geldfluss nicht versiegt. Und die Banken haben versprochen, das Kreditvolumen nicht zu reduzieren.
Staat legt eigene Kreditversicherung auf
So konfrontativ, wie das klingt, läuft Ricols Arbeit aber meistens nicht ab. Rund 1540 Dossiers von Unternehmern hätten er und seine Mitarbeiter schon geprüft, sagt er. Was die genaue Zahl betrifft, hätte man ein wenig den Überblick verloren. Das Gros der Fälle könnte rasch gelöst werden. Oft sei vor Ort einfach Willkür der jeweiligen Bankchefs im Spiel.
Vor Ort gibt es regionale Mediatoren in den Departements. Wenn es knirscht, setzen die sich schon mal mit Firmenvertretern und Bankchefs zusammen und nehmen Letztere in die Zange. Das größte Problem ist aber, dass Kreditversicherer Lieferantenkredite nicht mehr abdecken wollen. Deshalb hat der Staat kurzerhand eine eigene Kreditversicherung aufgelegt. Auch an diesem Projekt war Ricol beteiligt.
Politisch mit allen Wassern gewaschen
Der gebürtige Lyoneser scheint schon durch seine Biografie für die Aufgabe bestens geeignet. Politisch war er stets mit allen Wassern gewaschen, hat mal für die linke Premierministerin Edith Cresson gearbeitet, mal für den Liberalen Raymond Barre. Bevor er Unterstützer Sarkozys wurde, hat er dessen Intimfeind Jacques Chirac beraten. Aber ein Wirtschaftsprüfer wie Ricol ist ja schon qua Beruf zur Neutralität verpflichtet. Als Wirtschaftsprüfer ist er einer der erfolgreichsten in Frankreich. Seine Kanzlei war an der Gründung von fusionierten Konzernen wie BNP Paribas, EADS, GDF Suez hinter den Kulissen maßgeblich beteiligt. Und kurz nach dem Enron-Skandal übernahm Ricol sogar die Führung des Weltverbands der Wirtschaftsprüfer.
Nun hat er die Kanzlei ruhen lassen und arbeitet für Sarkozy - unentgeltlich, heißt es. "Ein Mediator der Herzen", sagt selig Jean-François Roubaud, Chef des Verbands der Mittelstandsunternehmen. Ricol guckt wieder nur neutral drein.