Rettung der Branche:Rattner wird Obamas Auto-Teamchef
Autozar ist er nicht geworden, trotzdem wird der New Yorker Finanzier Steven Rattner eine zentrale Rolle bei der Rettung der US-Autobauer General Motors und Chrysler spielen. Der Mitbegründer der Investmentfirma Quadrangle wird Sonderberater von Finanzminister Tim Geithner. von Astrid Dörner (New York)
Rattner wird gemeinsam mit der "Auto-Task-Force" um Geithner, dem Vorsitzenden des Nationalen Wirtschaftsrats, Lawrence Summers, und Berater Ron Bloom darüber entscheiden, ob und wie den kurz vor der Pleite stehenden Konzernen geholfen wird. Mögliche Optionen sind günstige Kredite der Regierung oder eine Sanierung unter Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts. Im Gespräch ist auch eine Fusion von GM, dem größten US-Autokonzern, und dem kleineren Konkurrenten Chrysler. Rattner gilt als Experte für Fusionen und wird den Minister Geithner auch in anderen Finanzfragen beraten.
Steven Rattner
Ursprünglich wollte Präsident Barack Obama einen Ansprechpartner für die Autobranche haben, der mit den Konzernen, den Zulieferern und der Gewerkschaft über Zugeständnisse verhandelt. Mitte Februar teilte die Regierung jedoch mit, dass sie statt auf einen sogenannten Autozaren lieber auf ein ganzes Team setzt.
Experten gehen davon aus, dass der 56-jährige ehemalige Journalist der "New York Times" diese Rolle abgelehnt hat, aus Angst, nachher politisch verbrannt zu sein. Rattner werden schon länger politische Ambitionen nachgesagt. Er unterstützte die Präsidentschaftswahlkampagne von Hillary Clinton und soll im Fall eines Siegs mit dem Posten des Finanzministers geliebäugelt haben. An der Wall Street ist Rattner damit einer der profiliertesten Unterstützer der Demokratischen Partei. Er hat sich unter anderem für eine gerechtere Einkommensverteilung ausgesprochen.
Für seine neue Aufgabe in Washington verlässt er die Private-Equity-Firma Quadrangle, die ebenfalls mit der Finanzkrise zu kämpfen hat: Rattners Firma hat sich auf die Medienbranche spezialisiert, die vor allem unter eingebrochenen Anzeigenerlösen leidet.
"Steve hat ein einzigartiges Verständnis für die unglaublich komplizierten Verhältnisse zwischen der Regierung und den Märkten", lobt der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg. Der Bürgermeister lässt sein milliardenschweres Vermögen von Quadrangle verwalten. Doch nicht jeder ist auf den Finanzier gut zu sprechen. Ron Gettelfinger, Chef der Autogewerkschaft UAW, kritisiert die fehlende Expertise in der Autobranche und hält ihn deshalb für ungeeignet. Präsident Obama setzt jedoch darauf, seine Schwäche durch Ron Blooms Kompetenzen auszugleichen. Der ehemalige Investmentbanker Bloom hat in der Vergangenheit unter anderem die US-Stahlgewerkschaft beraten.
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