Spaß am Neuanfang:Ex-Escada-Chef gründet Modeunternehmen
Wolfgang Ley, Gründer des Münchner Damenmodekonzerns Escada, kommt mit einer eigenen Modemarke in den Handel. "Es macht Spaß, noch einmal von vorne anzufangen", sagte der 70-Jährige der FTD. von Gerhard Hegmann (München)
Etwa ab November soll die Damenkollektion unter dem Markennamen Collection Wolfgang Ley für Kunden erhältlich sein. Anfang Juli wurde die neue Ley International Fashion Company AG in München in das Handelsregister eingetragen. Die Gesellschaft ist mit 1 Mio. Euro Grundkapital ausgestattet. "Alles mein Geld", beteuerte Ley. Er räumte ein, dass er "wahrscheinlich noch ein paar Millionen in den Aufbau investieren muss. In drei Jahren sollten wir die Gewinnschwelle erreichen." Börsenpläne gebe es nicht. Bis Jahresende will er etwa 35 Mitarbeiter einstellen. Ley nutzt dabei in einem Geschäftsbesorgungsvertrag Strukturen der Modefirma Stiff Windisch.
Der Ex-Chef von Escada, der im Januar 2006 als Vorstandsvorsitzender bei dem Konzern ausschied, wurde nach eigenen Angaben von Einzelhändlern und Kundinnen motiviert, noch mal neu zu starten. Im Herbst 2007 wurde auch sein letzter Beratervertrag für Escada als Creative Chairman aufgelöst. Ley sieht seine Aktivitäten nicht als Konkurrenz für Escada, das er ab 1976 zusammen mit seiner Frau aufbaute.
Ex-Escada-Chef Wolfgang Ley
Die Kollektion von Ley soll vor allem Frauen zwischen 35 und 55 Jahren ansprechen. "Hochwertige Stoffe, feminine und nicht androgyne Mode, und alles soll miteinander kombinierbar sein", sagte der Modeunternehmer. In die Beschreibung seiner Kollektion mischt Ley deutliche Kritik an der aktuellen Designermode. Drei von fünf Frauen gingen aus den Modegeschäften wieder heraus, weil sie nicht die passende Kleidung fänden. Viele Designerkollektionen seien auf schlanke Models zugeschnitten. "Eine Frau mit Kleidergröße 42 will sich da nicht hineinzwängen." Produzieren lässt Ley in Deutschland, Italien und der Slowakei. Er habe sich Zugang zu einer Edelstrickerei in Italien gesichert. Vor diesem Hintergrund sieht Ley großes Wachstumspotenzial für seine neue Firma. Er selbst ist Aufsichtsratsvorsitzender. Vorstand ist Klaus Windisch, Gründer und Geschäftsführer von Stiff.
Nach wie vor ist Ley einer der größeren Escada-Aktionäre. Vor dem jüngsten Einstieg der Tchibo-Miteigentümer Michael und Wolfgang Herz bei Escada hielt Ley knapp zehn Prozent am Modekonzern. Wie Ley sagte, wird er sich nicht an den Kapitalerhöhungen beteiligen - daher sinkt sein Anteil. Den Einstieg von Herz und von Ex-Boss-Chef Bruno Sälzer bei Escada lobt Ley. "Ich weiß, dass mein Baby jetzt in guten Händen ist."
Andere Experten sehen die Zukunft von Escada trotz der neuen Eigentümer und des neuen Managements nicht so rosig. Analysten von Unicredit befürchten weitere Restrukturierungskosten und empfahlen am Freitag die Aktie zum Verkauf.
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