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Merken   Drucken   15.12.2008, 09:12 Schriftgröße: AAA

Thomas Middelhoff: Vorweihnachtliche Abrechnung

Der scheidende Arcandor-Chef Middelhoff verschafft sich in einem Interview Luft: Die Krise des Konzerns? Daran sind andere schuld - vor allem einer. von Katja Wilke
Die besinnlichen Tage der Adventszeit stimmen ja sogar manch Harten milde. Bei Arcandor -Chef Thomas Middelhoff, einem der Härtesten, scheint die Vorweihnachtsstimmung allerdings noch nicht angekommen zu sein. Erstmals seit Bekanntwerden des Wechsels an der Spitze des Touristik- und Handelskonzerns äußert sich Middelhoff in der aktuellen Ausgabe des "Spiegel" ausführlich zu seinem bevorstehenden Abgang. Und macht dabei vor allem einen Verantwortlichen für die Misere von Arcandor aus: Peter Wolf, den früheren Chef der Warenhaustochter Karstadt.
Es ist eine Abrechnung. "Ich glaube, Arcandor würde heute ganz anders dastehen, wenn wir den Rückschlag bei Karstadt nicht gehabt hätten", sagt Middelhoff in dem Interview. Dem Management seien "die Kosten aus dem Ruder gelaufen". Hat er selbst Fehler gemacht? Höchstens den: "falsche Personalentscheidungen" getroffen und Wolf nicht rechtzeitig abgelöst zu haben. Der Manager hatte seinen Posten als Karstadt-Chef im Juli räumen müssen.
Der scheidende Arcandor-Chef Thomas Middelhoff   Der scheidende Arcandor-Chef Thomas Middelhoff
Ansonsten ist sie eine Erfolgsgeschichte, die Ära Middelhoff, laut Middelhoff. Dass die Arcandor-Aktie in den vergangenen Monaten tief eingebrochen ist? Für Middelhoff "völlig irrational". Dies entspreche "in keiner Weise der positiven Entwicklung, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren gemacht hat". Schließlich habe der Konzern "in weiten Bereichen eine planmäßige Kehrtwende" geschafft. Die Kritik an der Undurchsichtigkeit der Arcandor-Bilanz? Das mache auch ihn "nicht glücklich", aber die Banken hätten es so gewollt. Der gewaltige Finanzbedarf von Karstadt, den Insider nach wie vor auf etwa 1 Mrd. Euro beziffern, sollte die Warenhauskette ernsthaft saniert werden? Eben die Schuld von Herrn Wolf.
Thomas Middelhoff hat lange versucht, die Bedeutung der Problemtochter Karstadt im Konzern als nicht besonders groß erscheinen zu lassen. Das Touristikgeschäft von Thomas Cook sollte für Glanz sorgen. Auch dass Arcandor seine Bilanzpressekonferenz heute erstmals in Frankfurt abhalten wird, soll jedem zeigen: Arcandor ist nicht mehr der verstaubte Essener KarstadtQuelle-Konzern von früher.
Kursinformationen und Charts
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Doch inzwischen ist klar: Eine Schieflage der Warenhaustochter kann das ganze Arcandor-Gebilde sprengen. Vor drei Monaten musste der Konzern hart um neue Kredite für Karstadt kämpfen. "Eine schlimme Zeit", so Middelhoff, doch nun stehe das Unternehmen vor einer glänzenden Zukunft: Wenn es nur um sein Ego gehe, würde er noch bis zum Herbst bleiben, um "bei der Aufstiegsfeier dabei zu sein".
Doch es geht nicht mehr ums Ego. Es geht um das Unternehmen - und die Aktionäre. Die Börse feierte die Nachricht von Middelhoffs Abgang mit Kurssprüngen.
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  • Aus der FTD vom 15.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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