Umwälzung der Sendergruppe:Pro Sieben Sat 1 krempelt Führung um
Der zweitgrößte deutsche TV-Konzern hat seine Konzernstruktur komplett durchgewirbelt: Die Sender werden enger zusammengeführt und einige Manager bekommen mehr Macht. Dafür müssen andere Mitarbeiter Abstriche hinnehmen - viele müssen nach München umziehen, einige Stellen werden gestrichen.
Die Sender Pro Sieben, Sat 1 und Kabel Eins werden bis Juni 2009 unter einem Dach in München zusammengeführt. Dafür muss ein ganzer Tross von Berlin an den Senderstandort ins bayrische Unterföhringen umziehen. Das teilte der Konzern am Donnerstag mit.
Aufsteiger: Matthias Alberti steigt bei Pro Sieben Sat 1 zum Geschäftsführer des deutschen Free-TV-Geschäfts auf
Gleichzeitig werden zahlreiche Führungsposten intern neu besetzt. Als Gewinner dieser Peronalrochade geht vor allem Matthias Alberti hervor. Der bisherige Sat-1-Geschäftsführer rückt zum Geschäftsführer des deutschen Free-TV-Geschäfts auf, das die Mehrheit des Konzernumsatzes erwirtschaftet. Der 45-Jährige rückt damit an die Seite von Deutschland-Chef Andreas Bartl.
Die wichtigste Neubesetzung ist damit allerdings noch nicht entschieden. Denn Vorstandschef Guillaume de Posch hatte im Juni seinen Rücktritt verkündet. Der 50-Jährige gibt sein Amt zum Jahresende auf - einen Nachfolger haben die Finanzinvestoren Permira und KKR, die gemeinsam die Mehrheit an dem Sender halten, noch nicht gefunden.
Pro Sieben Sat 1 kämpft mit Verlusten und einer hohen Verschuldung. Bei der Vorlage der Quartalszahlen hatte Konzern-Chef Guillaume de Posch bereits neue Einsparungen angekündigt. Die Sendergruppe müsse schnell auf die erschwerten konjunkturellen Bedingungen reagieren, sagte er. Für das vierte Quartal erwartet die Sendergruppe eine Abschwächung. Deshalb werde sich das Unternehmen auf die wesentlichen Aktivitäten konzentrieren.
Der größte Teil der Sat-1-Redaktion wird nun nach Süddeutschland verlagert. "Zudem werden alle Verwaltungsfunktionen der Gruppe in München zentralisiert", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Von dem Umzug sind den Angaben zufolge 350 Mitarbeiter betroffen. Im Zuge der Neuausrichtung streicht der Konzern insgesamt 225 Stellen. "Jeder betroffene Berliner Mitarbeiter erhält ein Jobangebot in München oder eine angemessene Abfindung", teilte Pro Sieben Sat 1 mit.
Der Nachrichtensender N24 sowie die Sat-1-Zentralredaktion bleiben in Berlin. N24-Boss Torsten Rossmann wird künftig beide Bereiche leiten. Mit 450 Mitarbeitern bleibe die Hauptstadt nach Unternehmensangaben der wichtigste Produktionsstandort der Gruppe.
Kein Nachfolger berufen: Pro-Sieben-Sat-1-Chef Guillaume de Posch gibt seinen Posten Ende 2009 auf
Der Sat-1-Betriebsrat protestiert heftig gegen den Umzug. Damit werde "Raubbau an der Marke Sat.1" betrieben, der Sender werde in der Münchner Konzernzentrale sein eigenständiges Profil einbüßen, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Uwe Theuerkauff am Donnerstag in Berlin. "Die Stimmung in der Belegschaft ist auf Krawall gebürstet."
Die künftige Zentralisierung betrifft auch die beiden Werbevermarkte: Seven One Media und Seven One Interactive werden ebenfalls zusammengelegt. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach integrierten Kampagnenkonzepten würden beide Firmen von einer engeren Verzahnung profitieren, begründete das Unternehmen den Schritt.
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