Die Krise der Investmentbank Lehman Brothers hat die Mitarbeiter deutlich ärmer gemacht. Denn das Wall-Street-Haus mit den deutschen Wurzeln entlohnte seine Belegschaft in großem Stil mit Aktien oder Aktienoptionen. Größter Verlierer ist allerdings der Chef.
Gemeinhin wird behauptet, dass an der Wall Street kein Platz für Gefühle ist. Doch der tiefe Fall der Investmentbank Lehman Brothers lehrt das Gegenteil. Denn: Von dem Kursverfall sind auch die Mitarbeiter betroffen. Nach Schätzungen von Experten haben 24.000 Mitarbeiter mindestens 10 Mrd. $ an privatem Vermögen verloren. Schließlich hält die Belegschaft rund 25 Prozent der Anteile. "Die Menschen sitzen hier und weinen", sagte ein Lehman-Banker der Financial Times.
Der amtierende Vorstandschef Richard Fuld versuchte, das Miteigentum zu stärken. Seit der Abspaltung vom Kreditkartenunternehmen American Express im Jahr 1994 sah er Aktien und Aktienoptionen als Mittel an, um sich die Loyalität der Mitarbeiter zu sichern. Der Vorstand ging mit gutem Beispiel voran: Die fünf Vorstände erhielten 74 Prozent des Gehalts in Aktien oder Aktienoptionen. Fuld selbst sitzt laut dem "Wall Street Journal" auf einem Bestand von 10,9 Millionen Aktien, das entspricht 1,4 Prozent des gesamten Aktienumlaufs. Angesichts des Kursverfalls hat Fuld seit Ende Januar einen Buchverlust von knapp 650 Mio. $ erlitten.
Hat viel Geld verloren: Richard S. Fuld, Chef der Investmentbank Lehman Brothers
Lehman Brothers: Von Würzburg in die Welt
Das Miteigentum an dem Unternehmen zeichnet Lehman Brothers heute noch aus. Das geht auf die bescheidenen Wurzeln von Lehman Brothers zurück: Im Gegensatz zu anderen Wall-Street-Größen wie Morgan Stanley rühmte sich Lehman seiner anderen, weniger formellen Unternehmenskultur, die weniger durch elitäre Investmentbanker als durch den rauen Ton der Händlergemeinde geprägt wird. Fuld ging so weit, auch Verwaltungsmitarbeiter wie beispielsweise Sekretärinnen in Aktien zu entlohnen.
Die Geschichte von Lehman Brothers begann in Deutschland, genauer im 19. Jahrhundert in Rimpar in der Nähe Würzburgs. Dort lebte der deutsch-jüdische Viehändler Abraham Lehman, dessen drei Söhne in die USA emigrierten. Heinrich, Emanuel und Mayer Lehman gründeten 1844 in Alabama einen Gemischtwarenladen. Über den Handel mit Baumwollen und Rohstoffen stiegen die Lehmans schließlich ins Bankgeschäft ein.
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