Cem Özdemir will Nachfolger von Reinhard Bütikofer werden
Nein, nein: Das könne man ja überhaupt nicht vergleichen, sagt Özdemir spitzfindig. Obama sei ja Kandidat für das Präsidentenamt der USA, er lediglich Kandidat für den Vorsitz der Grünen in Deutschland. Deshalb hinke der Vergleich.
Trotzdem: Es gibt keinen Politiker mit Migrationshintergrund in Deutschland, der eine so vorbildliche politische Karriere gemacht hat wie
Cem Özdemir - fast wie Obama in den USA.
Nicht umsonst nannte der Deutsch-Türke Özdemir den Afro-Amerikaner Barack Obama in einem Interview kürzlich einen "Bruder im Geiste": Schon aufgrund der gemeinsamen Bindestrich-Identität.
Außerdem fasziniere ihn der Mann. Wie der es geschafft habe, vorbei am Establishment Jugendliche und Unpolitische für sich zu begeistern. Wie durch Obama die Basis für Politik in den USA nicht schmaler, sondern breiter geworden ist. Dass er für den alten amerikanischen Traum stehe, durch harte Arbeit von ganz unten nach ganz oben zu klettern: Das sei beispielhaft, auch für Deutschland. Trotzdem bleibe für ihn die Frage: "Ist die Zumutung für die Amerikaner letzten Endes zu groß, weil Obama ein Schwarzer ist?"
"Wäre die Zumutung denn für die Deutschen zu groß, Herr Özdemir, wenn beispielsweise ein Türke Bundeskanzler werden würde?", fragt der Moderator zurück. Früher, antwortet Özdemir, sei es für ihn sehr viel schwieriger gewesen, als er 1994 als erster türkischstämmiger Politiker in den Bundestag einzog.
Damals zweifelten Beamte des Bundesgrenzschutzes noch an der Echtheit seines Diplomatenpasses, wenn er aus dem Ausland zurück nach Deutschland einreiste, erzählt er. Und während der Wahlkampftouren für seine Partei wunderten sich die schwäbischen Hausfrauen, dass er ihnen nicht wie seine Landsleute Staubsauger, sondern politische Rezepte verkaufen wollte. Heute gebe es schon eine Handvoll türkischstämmiger Parlamentarier. Der nächste Schritt liegt für ihn auf der Hand: Es sei wichtig für die Integration in Deutschland, dass auch mal jemand mit Migrationshintergrund in die Exekutive, also in ein Ministeramt, aufsteigt.
Und plötzlich klingt Özdemir doch wie ein "Öbamale".