FTD.de » Management + Karriere » Who's who » Yes, mir könnet's

Merken   Drucken   10.09.2008, 11:31 Schriftgröße: AAA

Vorbildlich: Yes, mir könnet's

Der designierte Grünen-Chef Cem Özdemir philosophiert mit dem US-Gesandten über Barack Obama - und auch ein bisschen über seine eigenen Ambitionen. von Henning Jess (Berlin)
Cem Özdemir taucht an diesem Abend nicht nur als voraussichtlich neuer Parteivorsitzenden der Grünen in der noblen Repräsentanz der KfW-Bank am Berliner Gendarmenmarkt auf. Er ist auch das frisch getaufte "Öbamale", wie ihn die "taz" nach dem Rücktritt seines parteiinternen Konkurrenten betitelte.
Vor einer Berlin-typischen Versammlung aus Lobbyisten, Verbandsvertretern und Journalisten soll er mit keinem Geringeren als dem US-amerikanischen Gesandten John Koenig über das Phänomen Barack Obama  diskutieren. Und alle fragen sich: Ist der "Schwaben-Anatole" denn nun tatsächlich der deutsche Barack Obama?
Zu Beginn ziert sich der Europaabgeordnete noch, der im November die Nachfolge von Reinhard Bütikofer antreten soll.
Cem Özdemir will Nachfolger von Reinhard Bütikofer werden   Cem Özdemir will Nachfolger von Reinhard Bütikofer werden
Nein, nein: Das könne man ja überhaupt nicht vergleichen, sagt Özdemir spitzfindig. Obama sei ja Kandidat für das Präsidentenamt der USA, er lediglich Kandidat für den Vorsitz der Grünen in Deutschland. Deshalb hinke der Vergleich.
Trotzdem: Es gibt keinen Politiker mit Migrationshintergrund in Deutschland, der eine so vorbildliche politische Karriere gemacht hat wie Cem Özdemir  - fast wie Obama in den USA.
Nicht umsonst nannte der Deutsch-Türke Özdemir den Afro-Amerikaner Barack Obama in einem Interview kürzlich einen "Bruder im Geiste": Schon aufgrund der gemeinsamen Bindestrich-Identität.
Außerdem fasziniere ihn der Mann. Wie der es geschafft habe, vorbei am Establishment Jugendliche und Unpolitische für sich zu begeistern. Wie durch Obama die Basis für Politik in den USA nicht schmaler, sondern breiter geworden ist. Dass er für den alten amerikanischen Traum stehe, durch harte Arbeit von ganz unten nach ganz oben zu klettern: Das sei beispielhaft, auch für Deutschland. Trotzdem bleibe für ihn die Frage: "Ist die Zumutung für die Amerikaner letzten Endes zu groß, weil Obama ein Schwarzer ist?"
"Wäre die Zumutung denn für die Deutschen zu groß, Herr Özdemir, wenn beispielsweise ein Türke Bundeskanzler werden würde?", fragt der Moderator zurück. Früher, antwortet Özdemir, sei es für ihn sehr viel schwieriger gewesen, als er 1994 als erster türkischstämmiger Politiker in den Bundestag einzog.
Damals zweifelten Beamte des Bundesgrenzschutzes noch an der Echtheit seines Diplomatenpasses, wenn er aus dem Ausland zurück nach Deutschland einreiste, erzählt er. Und während der Wahlkampftouren für seine Partei wunderten sich die schwäbischen Hausfrauen, dass er ihnen nicht wie seine Landsleute Staubsauger, sondern politische Rezepte verkaufen wollte. Heute gebe es schon eine Handvoll türkischstämmiger Parlamentarier. Der nächste Schritt liegt für ihn auf der Hand: Es sei wichtig für die Integration in Deutschland, dass auch mal jemand mit Migrationshintergrund in die Exekutive, also in ein Ministeramt, aufsteigt.
Und plötzlich klingt Özdemir doch wie ein "Öbamale".
  • Aus der FTD vom 10.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote