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  FTD-Serie: Richtig gründen

Die Geschäftsidee ist genial – aber das reicht noch lange nicht, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. In unserer Serie zeigen wir, was Existenzgründer beachten müssen, wo die größten Aufgaben und die bösesten Fallen liegen.

Merken   Drucken   18.09.2012, 11:54 Schriftgröße: AAA

Business-Angels: Euch schickt der Himmel

Meist hoffen Jungunternehmer auf Kapital von Business-Angels. Dabei gibt es gute Alternativen.
© Bild: 2012 Getty Images/Hiroshi Watanabe
Meist hoffen Jungunternehmer auf Kapital von Business-Angels. Dabei gibt es gute Alternativen.
von Eva-Maria Hommel

Abends 20 Uhr, und keine Lust zu kochen? Dann eben was vom Lieferservice. Man wühlt im Papiermüll nach einem der zig Flyer, die Pizzadienste immer in den Briefkasten stopfen. Vergeblich. Man nimmt sich vor, beim nächsten Mal die Zettel aufzuheben. Und schmiert sich ein Brot.

So lief es bis vor wenigen Jahren. Dann kam Lieferando. Drei junge Männer aus Berlin hatten die Idee, die Flyer in elektronischer Form zu bündeln. Sie entwarfen ein Bestellportal: Der hungrige Nutzer gibt seine Postleitzahl ein und kann per Klick bei Lokalen in seiner Nähe bestellen. Die drei baten potenzielle Geldgeber um Kapital. "Das war schwierig", sagt Jörg Gerbig, einer der Gründer. "Ende 2009 hat man gemerkt, dass die Investoren wegen der Wirtschaftskrise sehr vorsichtig waren."

Die Situation der Lieferando-Gründer ist kein Einzelfall. Etwa ein Viertel der neu gegründeten Unternehmen klagt über Finanzierungsschwierigkeiten. Das verrät das Gründungspanel 2011 der Förderbank KfW und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Am häufigsten haben demnach Unternehmen aus der Hochtechnologie-Sparte Probleme. Experten sagen aber: Wer sich vorbereitet und willensstark verhandelt, hat Chancen.

"Ich muss wissen: Wofür brauche ich Geld?", sagt Lydia Benkö, Projektleiterin bei Corporate Finance Partners, einer Finanzberatungsgesellschaft mit Schwerpunkt Wagniskapital. Wer erst anfängt, kann noch kein Produkt vorzeigen. Umso wichtiger sei eine gute Präsentation. Und noch etwas sei für Geldgeber entscheidend: das Team. "Die Beteiligten sollten unterschiedliche Fähigkeiten haben, aber gleichzeitig harmonieren", sagt Benkö. Bei aller Vorbereitung dürften die Gründer aber das operative Geschäft nicht aus den Augen verlieren.

Die Chancen auf einen klassischen Bankkredit stünden für Technologiegründungen schlecht, denn: "Die Bank braucht eine Sicherheit", sagt Benkö. Daher suchen die meisten nach Beteiligungskapital: Investoren geben Geld und bekommen Unternehmensanteile - das funktioniert in unzähligen Varianten. Zu den häufigsten zählen Business-Angels, Wagniskapital und Crowdfunding.

Gerade in der ersten Phase brauchen viele Unternehmen einen Unterstützer, einen Business-Angel. Er riskiert ein Investment, weil er von der Idee überzeugt ist. Die Engel haben meist selbst Unternehmen gegründet und bringen daher nicht nur Geld, sondern auch Erfahrung mit. Hierzulande sind rund 5000 Business-Angels aktiv, so eine Schätzung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung.

Solche Geldgeber haben auch dem Portal Lieferando mit einem sechsstelligen Betrag geholfen. So konnten die Gründer Vertrieb und Marketing auf- und ausbauen. Doch es ging nicht nur ums Geld: "Wir haben von den Business-Angels gelernt, dass man Dinge schnell umsetzen muss, zum Beispiel das Werbekonzept", sagt Gerbig. Außerdem: Mit einem einzelnen Engel könne man besser reden als mit einem großen Investmentfonds mit wechselndem Personal.

Andererseits: "Wenn man sein eigenes Geld investiert und nicht das von Anlegern, geht man vielleicht emotionaler an die Sache ran. Wir haben beispielsweise Überraschungen erlebt, weil Zusagen plötzlich zurückgezogen wurden", sagt Gerbig.

Nicht zu viele Anteile abgeben

Wie können sich Gründer vor solchen unsteten Engeln schützen? "Wenn jemand relativ viele Informationen anfordert und sich dann nicht zurückmeldet, ist Skepsis angesagt", rät Benkö. Außerdem sollten sich Gründer untereinander vernetzen. Bei einschlägigen Stammtischen könnten sie erfahren, was andere Startups von dem Investor halten.

Andererseits kann ein guter Engel einer Gründung Flügel verleihen, auch das hat Lieferando gemerkt. Dank der Kontakte von Business-Angels öffneten sich neue Türen, unter anderem zu einem großen Wagniskapitalgeber. Solche Venture-Capital-Fonds investieren bewusst in hochriskante Projekte. Im Unterschied zu Angels sind sie oft nicht so nah dran an Produkt und Unternehmer.

Beim Verhandeln gehört entschlossenes Auftreten dazu   Beim Verhandeln gehört entschlossenes Auftreten dazu

In den Gesprächen mit ihnen geht es um die Teilhabe am Unternehmen: Wie viel Geld gibt der Fonds, und wie viele Firmenanteile bekommt er dafür? "Die Verhandlungen waren schon anstrengend", sagt Lieferando-Geschäftsführer Gerbig. Den Gründern gehört nach mehreren Finanzierungsrunden nur noch etwas mehr als ein Viertel ihres Unternehmens. Klaus Nathusius, Professor für Entrepreneurship und Geschäftsführer der Kapitalbeteiligungs-Management-Ge-sellschaft Genes, rät, nicht zu viele Anteile abzugeben. Er hat selbst schon viele Unternehmen gegründet, und kennt solche Verhandlungen von beiden Seiten: "Da geht es zu wie auf einem Basar."

Beim Verhandeln selbst gehöre entschlossenes Auftreten dazu: "Gründer denken oft, man müsste die andere Seite um jeden Preis gut behandeln. Stattdessen sollten sie auch selbst mal Referenzen von den Investoren fordern", sagt Nathusius. Eine gute Verhandlungsbasis haben Unternehmer, die mit mehreren Interessenten im Gespräch seien. Und das auf jeden Fall immer mit Anwalt.

So mancher möchte sich anstrengende Verhandlungen ersparen. Wem ein Betrag bis zur juristisch festgesetzten Obergrenze von 100.000 Euro reicht, dem kann ein Schwarm von Kleininvestoren helfen. Das sogenannte Crowdfunding ist in Deutschland neu. Die Plattform Seedmatch hat es seit August 2011 populär gemacht. Gründer stellen ihre Idee online vor. Wer sie gut findet, kann per Klick zwischen 250 und 10.000 Euro investieren. Dafür werden die Kleininvestoren zu stillen Teilhabern. Sie erwerben kein Stimmrecht, aber einen Anteil an den Unternehmensgewinnen. So kommt schnell Geld zusammen, und das Risiko verteilt sich.

Rund 1400 Menschen haben nach Unternehmensangaben schon bei Seedmatch investiert und damit 20 Unternehmen finanziert. Im Schnitt beteiligen sich 167 Geldgeber an einem Startup, mit einem Durchschnittsbetrag von 578 Euro. "Wir legen unseren Fokus auf Geschäftsideen, die das Potenzial haben, eine Vielzahl von Menschen zu begeistern", sagt Seedmatch-Unternehmenssprecher Peter Schmiedgen.

Wie schnell auf die Weise Geld zusammenkommt, hat Easycard erlebt. Das Unternehmen bietet unkomplizierte Versicherungen an: Die Interessenten müssen keine persönlichen Daten angeben, sondern nur ihre Easy-Card-Nummer und die Seriennummer des Gegenstands, den sie versichern wollen. Mit dieser Idee knackte das Unternehmen den Rekord auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch: Innerhalb von 87 Minuten waren die benötigten 100.000 Euro gesammelt.

"Das war sehr ermutigend", sagt Easy-Card-Geschäftsführer Frank Riemann. Auf der Plattform geht es aber auch um Schwarmintelligenz - die Idee, dass die Masse klüger ist als der Einzelne. Schon während der Investorensuche können Interessenten Fragen stellen und bringen die Gründer oft auf gute Ideen. Wer dann investiert, bekommt regelmäßig Berichte vom Startup und kann Rückmeldungen geben.

"Die Nutzer haben uns zum Beispiel auf die Idee gebracht, die Laufzeit bei einer Versicherung auf fünf Jahre zu verlängern", sagt Riemann. Und noch etwas kann die Masse besser als ein einzelner Investor: Werbung machen. "Man zeigt zum Beispiel seiner Freundin oder der Familie, welches Produkt man unterstützt hat", erklärt Schmiedgen.

Allerdings: Eine persönliche Beratung wie ein Business-Angel kann der Schwarm nicht leisten. "Außerdem muss man mit dem Businessplan viele Informationen preisgeben, obwohl man die Empfänger nicht persönlich kennt", sagt Riemann. Trotzdem: "Die Finanzierung hat uns einen guten Schritt weitergebracht. Inzwischen kommen sogar größere Investoren auf uns zu."

  • Aus der FTD vom 18.09.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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