Nicht jeder Gründer benötigt Geld von Dritten. Dass es ein Beweis für unternehmerisches Geschick sei, das eigene Geschäftsmodell ohne Investoren zu verwirklichen, sei allerdings falsch, sagt Olaf Jacobi. "Natürlich ist es für einen Unternehmer am besten, wenn er sein Unternehmen ohne zusätzliche Shareholder aufbauen kann. Gerade bei kapitalintensiven Technologiefirmen ist das aber kaum möglich". Im dritten Chat der Serie "Richtig gründen" ging der Experte auf Fragen zum Thema "Geldgeber - Was spricht für, was gegen Investoren?" ein.
Seine Ratschläge für die Kapitalsuche fallen je nach Geschäftsmodell sehr unterschiedlich aus. "Es gibt sicherlich Cases, die man klein und fein starten kann. "Viele Startups müssen aber von Anfang an groß denken und agieren, um nicht vom Wettbewerb überholt zu werden", sagt Jacobi. Weder der Geschäftssinn, noch die Qualität einer Idee sprechen also in den meisten Fällen für oder gegen Geldgeber. Entscheidend sind Branche und Kosten der Umsetzung. Wer einen Investor benötigt, um sich am Markt zu behaupten, der steht zunächst vor der Frage, wo er suchen soll, um den passenden Kandidaten zu finden. Jacobi empfiehlt die Website des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (www.bvkap.de), auf der in Deutschland aktive Venture Capitalists gelistet sind.
Sich potenziellen Investoren zu offenbaren, fällt nicht immer leicht. Immerhin könnte es ja sein, dass das Gegenüber nur die Idee abgreifen will, um sie schließlich selbst mit ungleich größeren Kapitalreserven zu realisieren. Doch diese Sorge hält Jacobi für unbegründet. Man könne sicher sein, dass der Geldgeber mit dem Case vertraulich umgehe. "Unser Geschäftsmodell basiert auf Integrität."
Doch damit ist wenig gewonnen, sollte der Investor den Gründer hinterher zu riskanten Geschäftsmanövern drängen. Solche Überraschungen lassen sich vermeiden. "Es ist extrem wichtig, dass sich Unternehmer und Investor vor dem Investment über Ziele und Strategie abstimmen. Beide sollten eine ähnliche - wenn nicht gleiche - Vorstellung von der Zukunft des Unternehmens haben." In jedem Fall sollten Gründer bei den Vertragsverhandlungen "professionelle Anwälte auf ihrer Seite haben, die Finanzierungsverträge verstehen und verhandeln können". Etwa 30.000 Euro müsste man dafür veranschlagen. "Darunter bekommt man nichts Gutes."
Die durchaus begründete Sorge vor ungewollten Eingriffen in die eigenen Geschäftsabläufe seitens der Geldgeber verzerrt allerdings ein wenig die Realität: Tatsächlich sind es nicht die Investoren, die sich auf breiter Front der Gründerszene aufdrängen. Eher verhält es sich umgekehrt: Wie ungemein wählerisch Geldgeber bei Startups sind, veranschaulicht Jacobi am Beispiel seines eigenen Unternehmens: Target Partners sichte jährlich 1500 Fälle - und investiere letztlich in zwei bis fünf neue Unternehmen. "Das ist ganz normal."
Kleiner Trost: Eine Ablehnung bedeutet nicht, dass der Bewerber seine Chance vertan hat. "Teams und Cases entwickeln sich. Deshalb schauen wir sie uns oft über Jahre hinweg an." Auch sei es nicht zwingend erforderlich, den Geldgeber persönlich zu kennen, bevor man ihm den Businessplan schickt. "Wir schauen uns jeden Case an. Jeder erhält eine Chance", beteuert Jacobi. Angesichts der nicht eben berauschenden Aussichten, auf Anhieb einen Geldgeber zu begeistern, spielen einige Gründer mit dem Gedanken, die Ansprache der Investoren professionellen Vermittlern zu überlassen, sogenannten Placement Agents. Vor allem in der Anfangsphase hält das Jacobi allerdings für übertrieben.
Doch wie sieht denn die Zusammenarbeit mit dem Investor konkret aus, wie äußert sich der externe Einfluss in der Praxis, etwa bei der Verwendung des Investments? "Als Venture Capitalist schauen wir sehr genau hin, wofür das Geld genutzt wird. Je nach Startup kann das allerdings sehr unterschiedlich sein." Letztlich hängt es von Branche und Zuschnitt der Unternehmen ab, ob das Kapital besser für Personal oder für Technologie und Automatisierung ausgegeben werden soll. Pauschale Regeln gibt es jedenfalls nicht - allerdings mit einer halb ernst gemeinten Einschränkung: "Wir mögen es natürlich nicht, wenn das Investment in den Fuhrpark des Gründers fließt."