Der neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) will das deutsche Hochschulsystem neu ordnen: In einem Gespräch mit der FTD setzt sich Horst Hippler für einen stärkeren Wettbewerb zwischen Universitäten und Fachhochschulen ein. Unis, die ihre Forschung vernachlässigen und keine Doktoranden ausbilden, sollen demnach zu Fachhochschulen herabgestuft werden. Zugleich sollen FHs, an denen Professoren exzellent forschen, den Universitätsstatus bekommen.
Der Vorstoß könnte in der Hochschullandschaft ein Beben auslösen. Manch kleine Uni in der Provinz müsste bei einer schlechten Bewertung um ihren Titel bangen. Zugleich steigt die Konkurrenz zwischen Einrichtungen, die am selben Ort um Studenten werben. Schon heute ist das Kräfteverhältnis deutlich: Im vergangenen Wintersemester gab es in Deutschland 108 Universitäten - gegenüber 210 Fachhochschulen.
Nach Hipplers Vorstellung soll der Wissenschaftsrat, das oberste wissenschaftspolitische Beratergremium, nun eine Art Rating entwickeln - ähnlich dem, das er auch bei der Akkreditierung von Privathochschulen anwendet. Konkret geht es um Kriterien wie: Wie breit und wie tief wird an einer Uni geforscht? Forschen nur einzelne Professoren oder alle Fächer exzellent? Wie viele Drittmittel wirbt die Uni ein? Wie viele Doktoranden betreut sie? "Das lässt sich gut evaluieren", so Hippler, sei aber auch eine "Mordsaufgabe".
Er selbst ist dabei in einer komfortablen Position: Hippler ist noch Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie, einer der neun Eliteuniversitäten. Ihnen wurden mit der Exzellenzinitiative bereits außerordentliche Forschungsleistungen attestiert. Unis ohne Elitestatus hingehen verwalten oft nur die große Masse an Studenten.
Der Vorstoß kommt somit zu einer Zeit, in der das Hochschulsystem stark in Bewegung ist. Neben der zersplitterten Unilandschaft existiert ein ebenso gespaltenes Fachhochschulsystem: Einige FHs leisten sehr gute, anwendungsorientierte Forschung. Andere verstehen sich mehr als Lehranstalt. Hippler hält diese Ausdifferenzierung für "richtig": "Die Hochschulen haben unterschiedliche Stärken und Profile." Es sei ja auch für die Wirtschaft wichtig zu wissen, mit wem sie am besten zusammenarbeiten könne.
Bei den Fachhochschulen stößt Hipplers Vorschlag jedoch auf Widerstand - trotz der Aussicht auf ein Upgrade in der akademischen Liga. Viele nennen sich schon heute nur Hochschule oder "University of Applied Sciences" und fordern für sich das Promotionsrecht ein.
Doch Micha Teuscher, Präsident der Hochschule Neubrandenburg und Sprecher der Fachhochschulen in der HRK, sagt, er kenne "keine einzige FH, die Uni werden will und dafür ihren Anwendungsbezug aufgeben würde". Er wehrt sich zudem "massiv dagegen, aus einer schlechten Uni eine Fachhochschule zu machen. Wir sind gleichwertig, aber andersartig." Hipplers Vorschlag zementiere das Zweiklassensystem in der deutschen Hochschullandschaft. Und: "Es ist der Versuch, das Promotionsrecht an den Unis zu halten", sagt Teuscher.
Schon heute wollen mache Bundesländer nach Hipplers Modell handeln: In Brandenburg etwa soll nach dem Willen des Wissenschaftsministeriums die Brandenburgische Technische Universität in Cottbus mit der Fachhochschule in Senftenberg fusionieren. Eine Kommission hat der Uni "keine befriedigenden Forschungsleistungen" attestiert, die FH hingegen wurde überschwänglich gelobt.