Denis Zartmann hatte Glück. Der Stuttgarter Druckplattenhersteller Flint Group stellte ihn nicht nur ein, sondern finanzierte ihm auch ein berufsbegleitendes MBA-Studium an der Steinbeis-Hochschule in Berlin. "Das Studium war Teil eines Führungskräfte-Entwicklungsprogramms", sagt Zartmann.
Heute arbeitet der 33-Jährige als Controller bei der EOS KSI Inkasso Deutschland in Bad Rappenau. "Ohne den MBA hätte ich meinen jetzigen Job bei EOS sicherlich nicht bekommen", sagt Zartmann. So wie Zartmann und Flint setzen immer mehr Studenten und Personalchefs auf deutsche Business-Schulen und MBA-Anbieter. Vor zehn Jahren war das noch anders.
Wer damals einen MBA machte, ging aus Mangel an Alternativen ins Ausland. Heute bieten hierzulande 133 Institutionen 276 MBA-Programme. "Das Besondere am deutschen MBA ist die regionale Ausrichtung", sagt Detlev Kran, Bildungsberater und Buchautor. "Zwei Drittel aller Programme werden von Fachhochschulen angeboten." Dieser Bezug zur lokalen Wirtschaft ist für viele Personalchefs ausschlaggebend.
Es gibt noch einen zweiten Trend auf dem MBA-Markt: Die Arbeitgeber schauen sich bei der Auswahl neuer Mitarbeiter genau an, wo der Kandidat seinen Abschluss gemacht hat und mit welchen Schwerpunkten. Beispiel Shell: Der Energiekonzern stellt fast ausschließlich Topabsolventen renommierter Business-Schulen ein.
"Wir suchen schließlich unsere Vorstandsmitglieder von morgen", sagt Tanja Winter, die bei Shell europaweit für das MBA-Recruiting zuständig ist. Zu den Kaderschmieden, auf deren Campus Shell regelmäßig mit aufwendigen Präsentationen wirbt, gehören IMD in Lausanne, Insead bei Paris und LBS in London.
"Das sind einfach die besten Schulen, die auf Leadership ausgerichtet ist", erläutert Winter. Pro Jahr nimmt sie 12 bis 15 neue MBA-Spitzenkräfte auf die Shell-Payroll. Die Auserwählten bekommen sofort Jobs im mittleren Management mit Personalverantwortung und internationaler Ausrichtung
"MBA-Studierende teilen sich grob in zwei Gruppen", sagt Kran. "Eine Hälfte besteht aus Universitätsabsolventen um die 28 Jahre, die ihre Karriere beschleunigen wollen. Diese zieht es eher ins Ausland an die renommierten Schulen. Die andere Hälfte bilden Angestellte um die 35, die regional geprägtes Know-how suchen, um ihre Aufstiegschancen berufsbegleitend zu verbessern."
Deutschlands MBA-Markt ist, ähnlich wie der internationale, unübersichtlich. Berufsakademien, Fachhochschulen, Universitäten oder Business-Schools buhlen um die Studierenden. Die Programme werden als Vollzeit-, Teilzeit- oder als Fernstudium angeboten. Die Kosten schwanken zwischen 1000 Euro und 62.000 Euro.
Und nicht jeder MBA hat die gleichen Lehrinhalte: 70 Prozent der Programme haben einen Schwerpunkt, wie zum Beispiel Marketing, Finanzierung oder Personalwesen. Die Fachhochschule Kaiserslautern bietet zum Beispiel einen Marketing-Master an. Als Fernstudium für 8000 Euro. An der Steinbeis-Hochschule in Berlin gibt es auch einen Marketing-Master, jedoch für 30.000
Den Master of Finance könnte man Vollzeit an der European Business School in Oestrich-Winkel studieren, für 6500 Euro. Oder aber in drei Semestern an der Frankfurt School of Finance, berufsbegleitend für 24.000 Euro. So dauert ein deutscher Vollzeit-MBA rund elf, ein Fernstudium 48 Monate. "Vorsicht vor Programmen, die es noch nicht geschafft haben, eine der sechs Akkreditierungen zu bekommen", warnt Bildungsberater Kran.