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Merken   Drucken   11.05.2012, 09:34 Schriftgröße: AAA

Coffee-Bike: Kaffeefahrt auf drei Rädern

Mit Coffee-Bikes verwirklichen Tobias Zimmer und Jan Sander den Traum vom eigenen Kaffeehaus - ohne hohe Mieten und teures Interieur. Potenzielle Franchisenehmer stehen Schlange, aber nicht jeder kann ein Coffee-Biker werden.
von Christine Lübbers
Rollendes Stehcafé: Die Gründer Tobias Zimmer (l.) und Jan Sander ...   Rollendes Stehcafé: Die Gründer Tobias Zimmer (l.) und Jan Sander mit ihrem "Baby", dem Coffee-Bike

Coffee-Bike im Überblick
Gründung der GmbH: Dezember 2010
Geschäftsstart: Januar 2011
Produkt: Bau, Betrieb und Franchise von Kaffeefahrrädern

Das Coffee-Bike von Waldemar Botte steht vor dem riesigen Einkaufshaus Lengermann + Trieschmann in der Großen Straße. Es wirkt einsam und verlassen. Um die null Grad sind es an diesem Nachmittag in der Osnabrücker Innenstadt. Passanten, bekleidet mit Schal, Handschuhen und Mütze, schauen zwar zu ihm und seiner heißen Fracht herüber. Stehen bleibt in dieser halben Stunde aber nur ein Kunde. "Heute ist kein guter Tag, es ist einfach zu kalt", sagt Botte, der sein Fahrrad als Franchisenehmer betreibt.

Coffee-Bike Zu Gast beim fliegenden Kaffeeverkäufer

Es ist erst der 51-ste Becher, den der 26-Jährige an diesem Donnerstag mit Kaffee, Espresso, Capuccino, Latte Macchiato oder Tee füllt - seit vier Stunden. Ein schlechter Schnitt, wenn man bedenkt, dass er an einem sonnigen Samstag bis zu 350 Getränke verkauft. Die Preise liegen bei Botte zwischen 1,50 und 2,60 Euro. Seine Tagesumsätze variieren zwischen 60 und 700 Euro. Um seine laufenden Kosten zu decken, muss er etwa tausend Getränke im Monat verkaufen.

Der Kaffee duftet intensiv, geschmacklich kann er mit den Angeboten größerer Anbieter wie Starbucks oder Tchibo mithalten. "Ich habe den Ruf, den besten Kaffee in der Stadt zu machen", sagt er stolz. Vor allem italienische Kunden wüssten die Zubereitung durch die Profi-Handhebel-Siebträgermaschine, die auf dem Coffee-Bike installiert ist, zu schätzen.

Urlaub macht erfinderisch

Dort, wo Botte an diesem Nachmittag steht, verkauften vor wenigen Monaten noch Tobias Zimmer und Jan Sander selbst den Kaffee. Jetzt sitzen die beiden Gründer der Coffee-Bike GmbH und Finalisten des FTD-Gründerwettbewerbs enable2start in ihrem Büro im Gewerbepark Bissendorf, rund zehn Kilometer vom Osnabrücker Stadtkern entfernt. Ihre Geschäftsidee - Kaffee zum Mitnehmen von einem Fahrrad aus zu verkaufen - entstand während eines gemeinsamen Urlaubs 2009 in Kopenhagen. "Dort haben wir erstmals ein Coffee-Bike entdeckt und uns gefragt, warum es so etwas noch nicht in Deutschland gibt", erinnert sich Zimmer.

Es folgten Recherchen und Marktanalysen, ehe die beiden Schulfreunde die Idee kopierten und im Januar 2011 mit ihrer eigenen Firma und einem Stammkapital von 40.000 Euro starteten. Die Summe setzte sich aus Erspartem, Bankdarlehen und Unterstützung der Eltern zusammen. Darüber hinaus bekam Sander noch den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit. Er hatte für die eigene Firma seinen Job als Regionalverkaufsleiter bei Aldi Süd mit guten Aufstiegschancen aufgegeben. Zimmer startete direkt aus dem Studium in die Selbstständigkeit.

Die ersten drei Fahrräder bauten die Betriebswirte selbst, in der Garage ihrer Eltern. Weil die 26-Jährigen bis dahin aber nichts mit Schrauben, Sägen und Installieren zu tun hatten, packten ihre Väter - ein Ingenieur und ein Handwerksmeister - mit an. Innerhalb von fünf Wochen entstand der erste Prototyp: ein nostalgisches Fahrrad mit einem Mahagonikasten, in dem Wasser- und Gastank untergebracht sind. Auf dem Behälter stehen Kaffeemaschine und -mühle, Orangensaftpresse sowie ein Regal für Schokolade und Croissants.

Teil 2: Zwischen Apfel-Günther und Eier-Klaus

  • FTD.de, 11.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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