Der Bringdienstvermittler Lieferheld riskiert weiteres Kapital im Ausland. Delivery Hero, die Holdinggesellschaft des Berliner Startups, hat in nur 16 Wochen 25 Mio. Euro bei Investoren eingesammelt und direkt platziert: Die Deutschen übernehmen nach Informationen der FTD den schwedischen Vermittler Onlinepizza Norden. Wie die FTD erfuhr, liegt die investierte Summe bei etwa 40 Mio. Euro. Delivery Hero, das 2011 nach eigenen Angaben 10 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftete, wollte sich zum Kaufpreis nicht detailliert äußern.
Damit setzt sich die aggressive Expansion von Lieferheld fort. Das Unternehmen ist ein Pionier im Markt der Onlinemakler für Essenslieferanten, die ihr Geld damit verdienen, dass die angeschlossenen Bringdienste für jede vermittelte Bestellung eine Provision zahlen. Lieferheld ging in Deutschland im Oktober 2010 an den Start, als Wettbewerber wie Lieferando (seit 2009) und Pizza.de (seit 2007) schon längst aktiv waren. Den Rückstand durch den späten Start will Delivery Hero jetzt mit Zukäufen aufholen.
Delivery Hero übernimmt nun mit Onlinepizza Norden eine Gruppe, die bei 10 Mio. Euro Umsatz operative Gewinne in Millionenhöhe erwirtschaftet. Sie betreibt Bringdienstmakler in Schweden (Onlinepizza.se), Finnland (Pizza-online.fi), Polen (Pizzaportal.pl) und Österreich (Mjam.at, Willessen.at). Niklas Östberg, einer der beiden Chefs von Delivery Hero, kennt das übernommene Unternehmen bestens.
Der 32-jährige Schwede, der seit April 2011 das internationale Geschäft von Delivery Hero verantwortet, hat Onlinepizza Norden seit 2007 mit aufgebaut und leitete bis zu seinem Wechsel den Verwaltungsrat der Gruppe. Weil er an dieser auch beteiligt war, streicht er durch den Verkauf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag ein. Nach Östbergs Einstieg bei Delivery Hero eröffnete die Holding binnen sechs Monaten Portale in Australien, Mexiko, der Schweiz und Russland und kaufte Ende Februar die britische Plattform Hungryhouse.
Möglich machen das rasante Wachstum Risikokapitalgeber wie Team Europe, dessen Investmentarm Point Nine Capital, die Tengelmann Beteiligungsgesellschaft, Holtzbrinck Ventures und Hasso Plattner Ventures. Im November 2011 stießen die russischen Investoren Ru-Net und Kite Ventures dazu. Insgesamt investierten alle Geldgeber in 18 Monaten knapp 50 Mio. Euro in Delivery Hero, weitere Kapitalspritzen stehen nach Unternehmensangaben bald an.
Die Größe des Markts für Bringdienste ist umstritten. Prognosen ergeben allein für Deutschland eine Spanne von 680 Mio. Euro bis 4,4 Mrd. Euro. Die Studie "Typologie der Wünsche" des Instituts für Medien- und Konsumentenforschung kommt zum Ergebnis, dass jeder zweite Bundesbürger mindestens einmal jährlich bei Bringdiensten bestellt. Umsätze, geschweige denn Gewinne, legt in der verschwiegenen Branche niemand vor. Geht man nach der Zahl der angeschlossenen Lieferdienste, dürfte Pizza.de mit nach eigenen Angaben etwa 10.000 Restaurants weiterhin Marktführer in Deutschland sein vor Lieferheld und Lieferando, die beide über 5000 Restaurants auf ihre Plattformen integriert haben.
Die ehrgeizigen Ziele von Delivery Hero gehen jedoch längst über Deutschland hinaus: Mit dem aktuellen Zukauf ist der Onlinemakler nun in zehn Ländern vertreten. Mit vier Millionen Kunden wird für 2012 ein Bestellvolumen von 250 Mio. Euro angepeilt. Bis zu zehn Prozent Vermittlungsprovision pro Bestellung streiche Delivery Hero ein, so Fabian Siegel, der zweite Chef des Unternehmens, womit sich ein Umsatz von 20 bis 25 Mio. Euro ergibt. Bis Ende dieses Jahres wolle man damit an den jetzigen Branchenprimus Just-Eat.com aus Großbritannien heranrücken.
Wow, was für scharfe Worte. Ich bin ein Kollege der beiden Autoren und in dem Thema auch ganz gut drinnen. Zu ihrem ersten Punkt: In dem Artikel steht, dass Pizza.de "nach eigenen Angaben" über 10.000 Lieferdienste bündelt. Das steht nicht nur auf der Facebook-Site, sonder auch auf der eigenen Website von Web.de. Wenn Sie es so viel besser wissen, können Sie ja gegen Pizza.de vorgehen. Mir ist jedoch schleierhaft, wie jemand die einzelnen Lieferdienste zählen könnte, selbst wenn er stundenlang Zeit dafür aufbringen würde, denn die Lieferdienste werden nur nach einzelnen Postleitzahlen aufgelistet. Was Hungry House betrifft: In Großbritannien sind im dortigen Handelsregister ("Company House") die Gesellschafter und ihre Anteile nicht öffentlich zugänglich (anders als in Deutschland), so gesehen ist man stets von den Angaben Dritter bzw. der Betroffen abhängig. Unter einer Übernahme meint man aber gemeinhim einen so genannten "Change of Controll" (sprich: Übergang der Kontrolle bei Management und Aufsicht) - und so ist es auch bei dieser Nachricht über die OnlinePizza-Norden-Gruppe zu verstehen. Beste Grüße (trotz Ihrer agressiven Tonalität), Thomas Clark