Als hätte sie absichtlich ab und an die Notbremse gezogen - damit die hübsche Landschaft nicht so schnell vorbeirauscht. Fast klingt es so, wenn die 44-jährige Chalwa Heigl ihre bisherige Karriere resümiert. Die Münchenerin mit dem mädchenhaften Pony sagt über sich selbst: "PR ist mir in die Wiege gelegt." Trotzdem hat sie von ganz groß auf ganz klein umgesattelt und die Position im Konzern gegen den kleinsten Guglhupf der Welt getauscht.
2002 hatte Heigl ihre PR- und Event-Agentur an den Branchenriesen TBWA verkauft. Erst ist sie mit gewechselt, sie sollte als Managerin neue Standorte aufbauen. Aber die Politik in der Holding widerstrebte ihr, und sie hatte das Gefühl, im Papierkram zu ersticken. 2005 zog sie die Konsequenz und kündigte. Kurz entschlossen packte sie für Übersee, parkte ihren Hausrat bei den Eltern und lebte ein Jahr lang in verschiedenen Ländern auf Probe: Südafrika, Indien, Portugal, Spanien.
Heute sitzt Heigl an einem groben Küchentisch in einem Hinterhof im Münchener Glockenbachviertel in ihrem puppenrosa Loft mit dem weiß lasierten Parkett und der gläsernen Backstube - und wirkt angekommen. Die Tische sind locker verteilt, an einigen sitzen junge Frauen mit Macbooks. "Weil ich früher am liebsten im Café gearbeitet habe", sagt sie, "hat keiner einen festen Platz".
Das rosaweiße Dekor an der Wand entspricht dem Dekor auf den feinen Schächtelchen, in denen sich ihr Schatz versteckt: Der Gugl. Ohne Hupf. Ihr Baby. Die Geschichte, die sie zu ihm führte, klingt manchmal nach Erleuchtung, manchmal nach guter Werbung, die meiste Zeit nach einer reflektierten Pippi Langstrumpf: Heigl macht, was ihr gefällt.
In Mumbai wäre sie damals fast geblieben, aber Kastensystem und Hitze trieben sie weiter um die Welt und schließlich zurück nach München. Eine Taxifahrt beim Heimatbesuch war der Schlüsselmoment. "Deutschland geht den Bach herunter", schimpfte der Fahrer, aber Heigl konnte nur Porsches und BMWs sehen. "Da habe ich gemerkt, es kommt darauf an, wie ich die Dinge sehe und was ich daraus mache."
Und tatsächlich, sie war kaum zwei Wochen in München, da kam die erste Anfrage für eine Werbekampagne, das Geschäft wuchs und wuchs erneut. Bald stand Heigl wieder vor der Entscheidung: Soll ich jetzt nochmal eine Agentur gründen? Die Finanzkrise nahm ihr die Wahl. Bei ihrem zweiten Anlauf als PR-Frau hatte sie die Kunden bewusst nur noch betreut, wenn sie eine interne Assistentin gestellt bekam, um nicht wieder in der Firma zu versinken. "Ich habe mich selbst wegrationalisiert, die Assistentin hat meinen Job bekommen."