| Discovering Hands im Überblick |
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| Idee und Pilotphase: 2004 bis 2011 |
| Gründung der gUG: Dezember 2011 |
| Geschäftsstart: geplant für Juli 2012 |
| Produkt: von Blinden ausgeführte Tastuntersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs |
Etwas seltsam ist der Gedanke schon. Seltsam und zugleich beruhigend. In wenigen Minuten wird eine Frau meine Brust abtasten. Diese Dame ist blind. Marie-Louise Voll ist eine der ersten ausgebildeten Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU), die Frauenärzte seit kurzem in der Brustkrebsvor- und -nachsorge einsetzen. Früher hat sie als Krankenschwester in der Unfallchirurgie und in der Altenpflege gearbeitet. Ende 40 erkrankte sie am grünen Star und verlor nach und nach ihr Augenlicht. Anfang 50 erblindete sie komplett.
Dieser Schicksalsschlag öffnete ihr jedoch die Tür für die Ausbildung zu ihrem neuen Beruf. MTUs sind blind oder stark sehbehindert. Denn blinde Menschen haben einen nachweislich überlegenen Tastsinn. Marie-Louise Voll setzt diese Begabung für den Kampf gegen den Brustkrebs ein. "Für mich ist es eine große Befriedigung mit Patientinnen zu arbeiten und natürlich eine gute Chance, selbstständig zu bleiben", sagt die selbstbewusste 59-Jährige.
Jedes Jahr erkranken in Deutschland nach Statistiken des Robert-Koch-Instituts fast 72.000 Frauen neu an Brustkrebs, etwa 17.000 sterben. Für Frauen zwischen 40 und 44 ist Brustkrebs sogar die häufigste Todesursache. Die Heilungschance ist jedoch umso höher, je früher der Krebs entdeckt wird. Die Tastuntersuchung der Brust spielt dabei eine wichtige Rolle. Für Frauen unter 50 ist sie sogar die einzige Vorsorge, die die Krankenkassen zahlen.
Die Idee, blinde Frauen zur Früherkennung von Brustkrebs einzusetzen, stammt von Frank Hoffmann, dem Inhaber der Duisburger Praxis, in der Marie-Louise Voll arbeitet. Discovering Hands heißt die Initiative, die der Arzt 2004 gestartet hat. "Ein Gynäkologe hat bei der Krebsvorsorge maximal drei Minuten Zeit für eine Tastuntersuchung. Und jeder Kollege hat seine eigene Methode", weiß er.
Als Mediziner störte ihn das. Er wollte seinen Patientinnen bessere Qualität und effektivere Vorsorge anbieten. Daher kam ihm der Gedanke, diese Untersuchung auszugliedern und zu professionalisieren. "Seitdem führe ich das Leben eines Sozialunternehmers", sagt der 52-jährige zweifache Familienvater. Sein Return on Invest seien verbesserte Rahmenbedingungen für die Gesundheit und für die Arbeit behinderter Menschen.
Für Hoffmann ist sein Geschäftsmodell eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Stark sehbehinderte Frauen bewerben sich um die neunmonatige Ausbildung zur MTU. Als fertige Tastexpertin können sie sich bei Frauenärzten oder -kliniken bewerben. Die Gynäkologen können die spezielle Tastuntersuchung als Leistung für ihre Patientinnen anbieten. Die Kosten übernehmen die Krankenversicherungen und teilweise die Kassen. Die Kostenträger wiederum haben Interesse daran, die Krankheitskosten zu reduzieren.
Teil 2: Ein neuer Beruf entsteht