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Merken   Drucken   31.05.2012, 11:30 Schriftgröße: AAA

DZ-4: Vom eigenen Dach in die Steckdose

Tobias Schütt und Florian Berghausen wollen Privathaushalte gleichzeitig zu Stromerzeugern und -verbrauchern machen - ohne Umwege durch fremde Netze. Ihre Geschäftsidee: Mit DZ-4 der erste dezentrale Energieversorger Deutschlands zu werden.
von Christine Lübbers
Florian Berghausen (l.) und Tobias Schütt, Gründer von DZ-4, auf ...   Florian Berghausen (l.) und Tobias Schütt, Gründer von DZ-4, auf den Dächern von Hamburg

DZ-4 im Überblick
Gründung der GmbH: Februar 2012
Start des Geschäftsbetriebs: voraussichtlich Oktober 2012
Produkt: Auswahl, Installation und Betrieb von Solarstromanlagen

Es war nur eine Frage der Zeit, wann Tobias Schütt seine eigene Firma gründet. Sein Vater ist Unternehmer, sein Schwiegervater ebenfalls. Im September 2011 sollte es für den gebürtigen Hamburger soweit sein: Schütt kündigte seinen Job als Projektmanager bei der Deutschen Bank und startete in die Konzeptphase seines Startups DZ-4.

DZ-4 So wird ein Privathaushalt zum Kraftwerk

DZ steht dabei für dezentral, die Ziffer 4 ist angelehnt an den Dokumentarfilm "Die 4. Revolution" von Carl-A. Fechner aus dem Jahr 2010. Der deutsche Journalist und Produzent verfolgt darin die Idee, dass sich die Menschheit vollständig aus erneuerbaren Energiequellen versorgen kann.

Ganz so radikal denkt Schütt nicht, der es mit seinem Startup in das Finale des FTD-Gründerwettbewerbs enable2start schaffte. Der 34-Jährige will mit DZ-4 zunächst in einer Pilotphase Privathäuser zu Selbstversorgern machen. Technisch ist das erst seit rund zwei Jahren durch Energiespeicher machbar, die zwischen die Solaranlage und das Stromnetz geschaltet werden. Der Strom, der durch die Fotovoltaikanlage auf dem Dach produziert wird, kann mit der neuen Technik zwischengespeichert und somit direkt an der Verbrauchsstelle bleiben, ohne in großen Mengen in das Netz eingespeist zu werden. So wird der Erzeuger selbst zum Verbraucher seiner Energie.

Solaranlage als Serviceprodukt

Schütt will seinen Kunden mit DZ-4 aber nicht nur die Technik zur Verfügung stellen, sondern ein Rundum-sorglos-Ökostrom-Paket schnüren. Von der Finanzierung und Installation der Anlage über die Interaktion mit dem Netzbetreiber bis hin zur kaufmännischen Betriebsführung bietet er alles an, was mit der Anlage zu tun hat. Der Kunde muss dafür rund 30 Quadratmeter seines nach Süden gerichteten Hausdachs zur Verfügung stellen, dazu einen Keller, Hauswirtschaftsraum oder nicht ausgebauten Dachboden besitzen, wo der Speicher untergebracht werden kann, und - na klar - die Stromrechnung zahlen.

Sollte die Sonne nicht scheinen und auch der Speicher nicht ausreichend Strom liefern, kauft DZ-4 den benötigten Strom im Namen des Hausbesitzers zu, natürlich nur von Ökostromanbietern. Diesen Anteil am jährlichen Gesamtbedarf berechnet Schütt mit 30 Prozent, der Rest kommt direkt vom eigenen Dach in die Steckdose. Schütt verfolgt dabei den Ansatz, dass DZ-4 die Größe der Solaranlage an den Bedarf des Haushalts anpasst.

Woher der Hamburger das Know-how hat? Schütt ist Fotovoltaikexperte, er selbst bezeichnet sich gar als "Kind der Solarbranche". Bereits in seinem dualen Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Nordakademie Elmshorn beschäftigte er sich mit erneuerbaren Energien. Es folgten berufliche Stationen bei BP Solar und Conergy. Er ging für die Conergy-Tochter Epuron 2008 für zehn Monate nach Kalifornien und verantwortete in Sacramento ein Solargroßprojekt. Dort entstanden die weltweit ersten dezentralen Energieversorgermodelle, bei denen von Privathäusern produzierter Solarstrom direkt an den Verbraucher verkauft wurden. Schütt gefiel der zunehmend wieder moderne Gedanke, durch Eigenversorgung der Bürger fossile Großkraftwerke abschalten zu können. "Dadurch ist mein unternehmerisches Denken sehr geprägt worden", sagt er heute.

Teil 2: Wie in alten Zeiten - Teamarbeit mit Studienkollegen

  • FTD.de, 31.05.2012
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