| Svens Woche |
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| vom 3. bis 9. September 2012 |
| Arbeitsstunden: 52 |
| Stimmung (bester Wert 10): 10 |
Um den Rucksack-Nachschub für die neue Saison zu sichern, mussten die beiden Ergobag-Gründer Sven-Oliver Pink und Florian Michajlezko die Zeitzone wechseln. Sie reisten nach Vietnam, wo sie ihre beiden koreanischen Hersteller trafen, die am Rand von Ho-Chi-Minh-Stadt, dem vormaligen Saigon, ihre Fabriken betreiben.
Montagabend landeten die Kölner Unternehmer an Bord von Emirates. Für Pink war es der dritte Besuch in der Stadt, für Michajlezko schon der zwölfte. Sie bezogen ihr Quartier im zentral gelegenen "Rex Hotel" und gingen danach noch auswärts essen. Bis hierhin deckte sich ihre Route mit der eines klassischen Vietnam-Touristen. Doch schon am nächsten Morgen schlugen die Ergobag-Macher einen Weg ein, der in keinem Reiseführer verzeichnet ist.
Sie fuhren in die Produktionsstätte der ASG International Corporation, die fast alle Ergobag-Produkte herstellt. Nur den Satch-Rucksack produziert die Firma Viva. "Von Stadt, Land und Leuten sahen wir nicht besonders viel", sagt Pink. Dafür durfte er einmal mehr erkunden, wie es in vietnamesischen Fabriken zugeht. "Sehr eindrucksvoll", fand der Gründer, was er dort sah: 1.000 Arbeiter fertigten an Nähmaschinen die Rucksäcke für die Weihnachtssaison. "Wir haben 20.000 Ergobag- und 5.000 Ergolino-Rucksäcke für Anfang November bestellt", sagt er. "Für die Hauptsaison ab Januar kommen dann nochmal 50.000 Ergobag-Sets dazu."
Doch die Gründer waren nicht gekommen, um Menschen an Nähmaschinen auf die Finger zu schauen. Sie wurden im so genannten "Sampler Room" erwartet, wo sie den neuen Modellen den letzten Schliff verliehen. An den Wänden des fensterlosen Raums hingen Muster anderer Kunden des Produzenten, teils schon fertig, teils noch in Arbeit - überwiegend Wanderrucksäcke, auf die sich die Fabrik spezialisiert hat.
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"Unsere Rucksäcke hängen da nicht, damit uns andere Hersteller nicht kopieren und womöglich auch mit Schultaschen anfangen", erzählt Pink. Der "Sampler Room" dürfte deshalb der einzige Ort sein, dessen Präsentationsflächen der Gründer nur zu gern der Konkurrenz überlässt. Ein Detail kam ihm dann aber doch sehr bekannt vor: eine Stiftebox. Die sah zwar exakt so aus wie die von Ergobag. Allerdings war sie von einem anderen deutschen Kunden in Auftrag gegeben worden. "Das war schon ziemlich interessant für uns, weil es gezeigt hat, dass die Wettbewerber langsam aufwachen", so Pink. Umso wichtiger ist für ihn die Möglichkeit, am eigenen Produkt hinter verschlossenen Türen tüfteln zu dürfen.
Dieses Privileg zeugt vom gewachsenen Vertrauen der Koreaner in das Startup, das sich auch in den ungleich komfortableren Zahlungsmodalitäten in der neuen Saison äußert. Bisher musste das Startup für seine Ware 30 Prozent Anzahlung leisten und die verbleibenden 70 Prozent bei Verschiffung überweisen. "Da das Schiff knapp einen Monat lang unterwegs ist, waren Ware und damit auch unser Kapital für vier Wochen gebunden", so Pink. Künftig zahlt Ergobag 50 Prozent der Gesamtsumme, sobald das Schiff ablegt und die andere Hälfte 70 Tage danach. Insgesamt werden in den nächsten Monaten 80 Container mit Ergobag-Produkten den Hafen verlassen. Um ihre Liquidität zu schonen, haben die Gründer allerdings beschlossen, nicht sämtliche Rucksäcke auf einmal zu verschiffen, sondern sie etappenweise zu ordern.
Teil 2: Verkaufserfolg in Singapur