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  FTD-Serie: Gründer live dabei!

Ergobag - Das Kölner Startup will mit ergonomischen Rucksäcken den Schultaschenmarkt aufmischen. FTD.de berichtet wöchentlich über den Sieger des Gründerwettbewerbs enable2start.

Merken   Drucken   17.04.2012, 10:28 Schriftgröße: AAA

Ergobag - Die Zahlen des 1. Quartals: Eine Klasse für sich

Mit einem ergonomischen Rucksack für Schulkinder wollen die Gründer Sven Pink und Florian Michajlezko die Klassenzimmer erobern. Diese Vision wird zunehmend Realität, wie die Absatz- und Erlöszahlen eindrucksvoll zeigen.
von Thomas Clark
Florian Michajlezko (l.) und Sven-Oliver Pink von Ergobag   Florian Michajlezko (l.) und Sven-Oliver Pink von Ergobag

Das erste Quartal 2012 im Überblick*
Einnahmen: 1.681.381 Euro
Ausgaben: 1.415.007 Euro
Kapitalstand: 104.175 Euro
Schuldenstand: 760.000 Euro
* alle Zahlen zum 31. März 2012

Es gibt Momente im Leben eines Gründers, wo er das Gefühl hat, es endlich geschafft zu haben. Wo er erkennt, dass aus seiner Geschäftsidee ein richtiges Geschäft werden kann. Diesen Moment dürfte Sven Pink irgendwann im ersten Quartal 2012 erlebt haben. Es sei "ziemlich berauschend" gelaufen, resümiert er das Ergebnis der ersten drei Monate.

Nun muss man wissen: Pink ist alles andere als ein notorischer Schönfärber. Im Gegenteil, der Jungunternehmer neigt dazu, unverblümt und selbstkritisch die Herausforderungen seines Geschäfts anzusprechen. Schon bei der Präsentation von Ergobag im Finale von enable2start Anfang Februar hat der spätere Sieger des FTD-Gründerwettbewerbs gegenüber den gestandenen Jurymitgliedern ausdrücklich erwähnt, dass der Markt für Schultaschen in Deutschland schrumpft und zudem von wenigen Platzhirschen dominiert wird. Sprich: Ein schwieriger Markt ist.

Galerie Ergobag - Spielplatz der Rucksack-Rebellen

Nimmt man nun die Zahlen für Januar bis März ins Visier, muss jedoch auch ein kritischer Beobachter zugeben: Die Zeichen stehen gut, dass sich Ergobag im harten Wettbewerb durchsetzt und zu einer Klasse für sich wird. Über 33.000 Rucksäcke hat das Startup im ersten Quartal 2012 an seine Handelspartner verkauft - und damit einen Umsatz von fast 2,6 Mio. Euro gesichert. Auch auf das Geschäftskonto ist ordentlich Geld geflossen: 1,6 Mio. Euro. Der Löwenanteil dieser Einkünfte stammt noch aus Lieferungen aus dem vierten Quartal 2011, wo sich die positive Resonanz der Händler bereits abgezeichnet hat.

Fünf Prozent Marktanteil in Reichweite

Insgesamt 78.000 Rucksäcke will das Jungunternehmen in der bis zum Spätsommer laufenden Schultaschensaison verkaufen. Das wären mehr als fünf Mal so viel wie im Vorjahr, als die Zahl bei gerade mal 14.500 lag. Der enorme Anstieg beim Absatz liegt einerseits daran, dass das Kölner Startup sein Sortiment erweitert hat - auf Rucksäcke für Kindergartenkinder (Ergolino) und für Schüler ab der fünften Klasse (Satch). Doch auch beim Kernprodukt, dem Rucksack für Grundschüler (Ergobag), stiegen die Bestellungen gewaltig. Sie erhöhte sich um das Zweieinhalbfache.

Die meisten Familien mit einem Kind, das im Spätsommer eingeschult wird, haben bis Ostern bereits eine Schultasche gekauft - so hat Pink bereits 30.000 der 36.000 produzierten Ergobag-Rucksäcke für Grundschüler verkauft und die ersten Modelle sind im Fachhandel ausverkauft. Dieses Jahr werden laut Pink insgesamt 690.000 Kinder eingeschult. Seine Hoffnung ist, in diesem Segment auf einen Marktanteil von fünf Prozent zu kommen. Das wäre enorm. Bis zum Schuljahrswechsel konzentrieren sich die Verkaufsanstrengungen nun auf den Rucksack Satch für die weiterführende Schule. Im Juni erwartet das Startup eine Lieferung von weiteren 23.000 Satch für die laufende Saison, schon jetzt liegen dafür 9000 Händlerbestellungen vor. Deshalb sind die Gründer zuversichtlich, ihre Verkaufsziele zu erreichen.

Auch wenn viele Händler die Rechnungen für die ausgelieferten Rucksäcke noch nicht bezahlt haben, konnte Ergobag das Quartal nicht nur auf dem Papier, sondern auch auf dem Geschäftskonto mit einem satten Plus abschließen. Die Kontoeingänge überstiegen die Kontoausgänge um 266.374 Euro. Die beiden Gründer nutzten den Überschuss nicht nur, um ihre Kapitaldecke zu stärken. Sie tilgten auch ein Darlehen über 75.000 Euro. Es stammte von der Mutter eines Gesellschafters und war mit sechs Prozent verzinst. Durch die Tilgung sanken die verbliebenen Schulden um zehn Prozent auf 760.000 Euro. Einzige Gläubiger von Ergobag sind nun eine weitere Verwandte aus dem Gründerkreis und der ehemalige BASF-Chef und Mitgesellschafter Jürgen Hambrecht. Er soll sein Darlehen im Sommer 2012 zurückerhalten, ebenfalls mit sechs Prozent verzinst.

Teil 2: "Hier haben zuletzt Mitarbeiter geweint"

  • FTD.de, 17.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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