Ergobag - Das Kölner Startup will mit ergonomischen Rucksäcken den Schultaschenmarkt aufmischen. FTD.de berichtet wöchentlich über den Sieger des Gründerwettbewerbs enable2start.
| Das 3. Quartal 2012 im Überblick* |
|---|
| Einnahmen: 1.611.293 Euro |
| Ausgaben: 2.695.927 Euro |
| Kapitalstand: 1.412.494 Euro |
| Schuldenstand: 2.020.000 Euro |
| * alle Zahlen zum 30. September 2012 |
Für die Mitarbeiter des Kölner Startups Ergobag fand Weihnachten dieses Jahr schon im Hochsommer statt, jedenfalls am Arbeitsplatz. Die "Bescherung" kam mit den Juli-Gehaltsabrechnungen. Denn dort wurde nicht nur der regelmäßige Monatslohn ausgewiesen, sondern auch eine außerordentliche Bonuszahlung. "Wir haben die Boni ungefragt ausgezahlt, wollten unser Team damit überraschen", erläutert Sven Pink die Maßnahme.
Zwar ist der Gründer der Meinung, dass die meisten seiner Mitarbeiter beim regulären Salär mittlerweile marktüblich bezahlt werden. Durch diverse Gehaltsanpassungen in den letzten Monaten sei der "Startup-Malus" bei den meisten ausgeglichen worden. Trotzdem wollten er und sein Gründungspartner Florian Michajlezko rechtzeitig vor dem Ablauf des Geschäftsjahres am 31. Juli noch ein besonderes Zeichen des Dankeschöns setzen. "Das Engagement und die Leidenschaft im Team waren enorm", begründet Sven.
Natürlich weiß der Geschäftsführer und Gründer längst, dass in Bezug auf die Arbeitsbefriedigung bei einem Startup Geld selten die wichtigste Komponente ist. Allerdings: "Wenn jemand bei uns 1300 Euro netto verdient und dann plötzlich einen 1000-Euro-Bonus bekommt, womit er am Monatsende nach Steuern 500 oder 600 Euro mehr in der Geldbörse hat, dann ist das sicher schön." Schön, aber teuer - jedenfalls für Ergobag. Der höchste individuelle Bonus lag bei 8.000 Euro, insgesamt kostete die Aktion rund 50.000 Euro.
Mehr zu: Enable2start, Ergobag, Gründer, Startup, Sven-Oliver Pink
Darf Ergobag sich so eine freiwillige Sonderzahlung leisten? Wer die Berichte über das erste und zweite Quartal gelesen hat, wird das entschieden bejahen. Über 800.000 Euro Gewinn hat Ergobag auf Basis einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung von Januar bis Juni 2012 erwirtschaftet. Das ist enorm. Doch FTD-Online berichtet im Rahmen der Gründerinitiative enable2start erst seit Jahresbeginn über das Startup - und deshalb ist dieses Bild nicht komplett. Denn in der Zeit von Juli bis Dezember 2011 hat Ergobag vor allem eines gemacht: Geld verbrannt. "Das war damals unsere Investitionsphase, da haben wir Hunderttausende Euros für Wareneinkauf ausgegeben und fast keinen Umsatz gemacht", erklärt Pink.
Die völlig unterschiedliche Geschäftssituation im ersten und zweiten Teil des abgelaufenen Geschäftsjahrs hängt damit zusammen, dass der Verkauf von Schultaschen für Grundschüler ein Saisongeschäft ist. Im Spätsommer und Herbst werden die Ranzen für die neue Saison hergestellt beziehungsweise gekauft, im Frühjahr verkauft. Doch was hat Ergobag in der Zeit vom 1. August 2011 bis zum 31. Juli 2012 unterm Strich verdient? "Ich weiß es noch nicht genau", antwortet Sven Pink, "die Jahresbilanz wird erst erstellt." So viel stünde aber bereits fest: Es werde etwas weniger sein als noch im Frühjahr gedacht. Damals kalkulierten die Gründer mit einem Jahresgewinn über 100.000 Euro. Nun könne es gut sein, dass es nur 50.000 Euro sind, "vielleicht sogar auch so gut wie gar nichts", so Sven. Grund dafür seien diverse Ausgaben, die die Gründer unterschätzt hätten, allein 100.000 Euro an Zusatzkosten in der IT, etwa für eine bessere Schnittstellenanbindung zur Logistik. Zudem ist es möglich, dass der Sonder-Bonus an die Mitarbeiter den noch verbleibenden Gewinn ganz auffrisst.
Teil 2: Das größte Wachstum der enable2start-Geschichte