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Merken   Drucken   10.08.2012, 10:10 Schriftgröße: AAA

Fördergelder: Starthilfe für Firmengründer

Wer als Gründer auf staatliche Mittel hofft, sollte sich rechtzeitig darum kümmern. Es kann Monate dauern, bis Geld auf dem Konto eingeht.
von Olaf Wittrock

Es war ein mühsamer Start, doch Sebastian Alexander, Chef von Vivosensmedical in Leipzig, ist überzeugt: Der Aufwand hat sich gelohnt. Mehr als zwei Jahre sind vergangen, seit er mit zwei Kollegen von der Universität Leipzig darüber nachdachte, wie aus einem Forschungsprojekt eine Firma werden könnte.

Ausgangspunkt war ein Patent seines Schwiegervaters, des stellvertretenden Direktors der Universitätsfrauenklinik. Der hat den Ovulasens-Ring erfunden, ein Gerät, mit dem Frauen ihre Körpertemperatur überwachen und so ihre fruchtbaren Tage präzise vorhersagen können. Zehn Jahre lang schlummerte die Idee in der Schublade, dem Erfinder fehlten technisches Know-how und ein Geschäftskonzept. Beides brachte Sebastian Alexander mit, ihm fehlte nur noch das Geld. Der Staat sagte Hilfe zu: Mit dem Exist-Gründerstipendium, einem Zuschuss speziell für Firmengründungen aus der Universität, würde er das Forschertrio um Alexander ein Jahr lang finanzieren. Zeit genug, um einen Businessplan zu entwickeln, erste Investoren zu suchen und das Unternehmen Vivosensmedical zu gründen.

Monatelang prüfte die Aufbaubank Thüringen Konzept und Unterlagen ...   Monatelang prüfte die Aufbaubank Thüringen Konzept und Unterlagen von Jan Hinrichs, gewährte erst dann die Bürgschaft

So weit die Theorie. Denn als die Gelder tatsächlich flossen, war schon das erste Jahr ins Land gegangen. So lange hatten sich die Suche nach dem richtigen Fördertopf, das Abhaken diverser Absagen, das immer wieder neue Aufbereiten der Unterlagen und das Warten auf die Zusage hingezogen. "Wer Fördermittel will, braucht einen langen Atem", stellt Alexander fest. Für den Wissenschaftler, der schon vorher regelmäßig Forschungsanträge gestellt und begleitet hatte, war das zwar nicht wirklich eine Überraschung. Aber doch recht anstrengend.

So früh wie möglich

Zwölf Monate Wartezeit für ein Jahr finanzielle Sicherheit sind sicherlich ein Extremfall der Förderfinanzierung. Klar ist aber: Gründer, die auf öffentliche Hilfen bauen oder angewiesen sind, tun gut daran, sich so früh wie möglich ums Staatsgeld zu bemühen. Denn bevor zinsverbilligte Förderdarlehen oder Beteiligungskapital fließen, bis Bürgschaftsurkunden unterzeichnet und Zuschüsse genehmigt sind, können Wochen und Monate ins Land gehen.

Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Bei einem Teil der Programme sind bestimmte Antragsfristen einzuhalten - wer sich zu spät oder zum falschen Zeitpunkt kümmert, muss ein halbes oder gar ein ganzes Jahr warten. Manchmal sind die Gelder gegen Jahresende ausgeschöpft - dann kann sich die Entscheidung bis ins Frühjahr hinziehen. Und teilweise sind die Prüfer schlicht überlastet, weil gerade ungewöhnlich viele Anträge eingehen: So wurde die größte staatliche Förderbank KfW zuletzt im Sommer 2011 von einer Gründerwelle überrascht, die die Durchlaufzeit von drei auf zehn Wochen verlängerte.

Bearbeitungszeiten nur grobe Richtlinien

Warum genau sich die Kreditanträge manchmal extrem häufen, weiß auch bei der KfW keiner so genau, es komme eben immer wieder vor, berichten die Experten. Dann kann es passieren, dass sich die Rechnungen beim Gründer schon stapeln, auf dem Konto aber noch Ebbe herrscht.

"Viele unterschätzen den Zeitaufwand", warnt Michael Wandt, der Gründer mit seiner Firma Wabeco Subventionslotse in Sachen Fördermittel berät. "Außerdem rechnet kaum einer Verzögerungen ein." Den in Broschüren genannten Bearbeitungszeiten sollten Gründer besser nicht trauen, sagt er. Tatsächlich sind sie oft sehr viel länger als angegeben.

Aus Wandts Erfahrungen und nach den Einschätzungen weiterer routinierter Berater lässt sich überschlagen, womit Gründer bei den wichtigsten Fördertöpfen mindestens rechnen sollten, um nicht unversehens mittellos dazustehen.

Großer Förderanteil, großer Zeitaufwand

Wer die Finanzierung in Angriff nimmt, sollte zudem bedenken: "Je höher der Förderanteil, desto länger dauert es, die Finanzierung auf die Beine zu stellen", sagt Wandt. Dazu kommt, nicht jede Förderbank ist gleich schnell. Er empfiehlt: "Wer genau wissen will, wie lange das Förderinstitut seines Landes gerade braucht, sollte dort mal anrufen."

Nicht immer jedoch sind die Banken schuld - etliche Verzögerungen verbocken die Antragsteller. Der Weg zum Fördergeld ist teilweise derart kompliziert, dass kaum ein Gründer es im ersten Anlauf schafft, all die Formulare und Berechnungen vorzulegen, die zur Bewilligung nötig sind.

Das gibt selbst Dietmar Fabeck zu, der als Kundenberater für Gründer bei der KfW dafür zuständig ist, dass es klappt mit dem Papierkram: "Wir raten jedem Gründer, sich bei der Beantragung von Fördermitteln von einem Profi unterstützen zu lassen", sagt Fabeck.

Alle Unterlagen komplett?

Theoretisch kann ein Kreditantrag, der Fabecks Haus am Montag erreicht, nämlich am Freitag schon wieder auf dem Weg zur Hausbank sein, schließlich verlässt sich die KfW beim Krediturteil auf das durchleitende Institut.

Die praktische Erfahrung lehrt den KfW-Berater: Nichts zu vergessen beim Förderantrag, zu dem ein Businessplan, ein Finanzierungsplan über die ersten drei Jahre, Miet-, Pacht- und Lizenzverträge, Lebensläufe und Marktanalysen gehören, ist eine Herausforderung, die Laien häufig überfordert. Und dann kommt nach einer Woche nicht der gestempelte Antrag zurück, sondern nur der Auftrag zur Nachbesserung.

Außerdem müssen die Informationen so aufbereitet sein, wie es eine Förderbank erwartet. "Viele Gründer liefern etwa einen Liquiditätsplan, den wir nicht nachvollziehen können", sagt Fabeck. Dann müssen sie nacharbeiten. Und das braucht Zeit - pro Rückfrage mindestens eine, oft zwei zusätzliche Wochen.

Teil 2: Warum selbst in günstigen Fällen gilt: Geld frisst Zeit.

  • FTD.de, 10.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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