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Merken   Drucken   13.04.2012, 10:31 Schriftgröße: AAA

Gründerkolumne: Das Schweigen der Groupons

Kaum an der Börse musste der Schnäppchendienst Umsatz und Verlust revidieren. Ist das ein Indiz dafür, dass der Shootingstar der Gründerszene abstürzt? Sicher ist, Groupon lässt Investoren und Beobachter dumm sterben. Und das ist eine Zumutung.
von Thomas Clark

Gründen wie Groupon , das ist geil. Wer die Gründerszene in den letzten zwei Jahren auch nur vage verfolgt hat, kam an diesem Startup nicht vorbei. Ich habe erstmals im Februar 2009 von Groupon gehört, bei einem Kurzbesuch in San Francisco. Seitdem habe ich regelmäßig darüber gelesen, mal aufmerksam, mal weniger, aber quer durch alle Medien. Es ging um Geldspritzen, Fusionen, gigantisches Wachstum und den größten Börsengang seit Google . Und über all dem schwebte der ewige Streit: Geniale Geschäftsidee oder groteske Geldverbrennung?

Groupon-Gründer Mason (7. v. l.) jubelte 2011 beim Börsengang. ...   Groupon-Gründer Mason (7. v. l.) jubelte 2011 beim Börsengang. Seither hat sich der Aktienkurs mehr als halbiert.

Groupons Konzept, über seine Website und E-Mails täglich neue Rabattbons für Waren und Dienstleistungen Dritter anzubieten, - die allerdings erst dann ausgegeben werden, wenn eine vorher festgesetzte Mindestzahl an Käufern zustande kommt -, ist in der Tat sehr fragwürdig umgesetzt worden. In nur zwei Jahren katapultierten die Gründer den Umsatz auf Milliardenhöhe. Die Zahl der Menschen, die einen "Groupon" schon einmal gekauft haben, lag Ende 2011 bei über 33 Millionen, heute vielleicht schon bei 40 Millionen. Enorm! Enorm sind aber auch die Kosten, die das rasante Wachstum verursacht hat. Ertragsseitig hat das Startup aus Chicago bislang nichts weiter produziert als massive Verluste, zuletzt zwei Jahre hintereinander in dreistelliger Millionenhöhe.

Genial oder grotesk?

Bei einer solchen Entwicklung liegt es nahe, dass einige in Groupon das Amazon  der Social-Media-Ära sehen. Denn auch Amazon verbrannte unglaublich viel Geld, bevor es zum größten E-Commerce-Unternehmen der Welt aufsteigen konnte. Andere wittern die Dämonen von Pets.com oder Webvan, den größten Milliardengräbern der Dotcom-Blase. Ich selbst fand mich in dieser Kontroverse bislang eher meinungsfrei, im Abseits sozusagen. Doch als ich kürzlich las, dass Groupon seine ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen korrigieren musste und dafür mit einem Kurseinbruch seiner Aktie bestraft wurde, wollte ich mehr wissen.

Bewusst beschränkte ich mich dabei auf jene Quellen, die öffentlich zugänglich sind, also jedermann finden und nachlesen kann. Aus den Nachrichten schnappte ich auf, dass eine höhere Retourquote bei den verkauften Rabattgutscheinen der Grund für Groupons Zahlenkorrektur war. Der unerwartete Quotenanstieg kam allerdings dadurch zustande, dass auch der durchschnittliche Nominalwert der Gutscheine in die Höhe kletterte. Bedeutet dies nun, dass die Ursache der revidierten Zahlen langfristig sogar positiv sein könnte? Bei der Recherche zu dieser Frage ging es mir vor allem um eines: Wie klar informiert Groupon?

Das Ergebnis war frustrierend. Bereits an die Ad-hoc-Meldung ranzukommen, kostete reichlich Mühe, denn auf der englischen und auch auf der deutschen Website von Groupon gab es kein weiteres Navigieren, ohne vorher Ort, E-Mail und Name anzugeben. Erst über eine Google-Suche gelangte ich zur relevanten Unterseite und fand die Pressemitteilung zum Thema. Bei deren Lektüre wurde ich gleich im ersten Absatz überrascht. Denn dort stand, dass der Umsatz um 14,3 Mio. Dollar, der Verlust jedoch um 22,6 Mio. Dollar korrigiert werden müsse. Wie bitte? Wie kann das sein?

Teil 2: Das größte Risiko des Geldverbrennens

  • FTD.de, 13.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 16.04.2012 03:05:52 Uhr   TDi: @Thomas Clark

    Vielen Dank für den Artikel-Link, ich bin aber bei solchen akademischen Resultaten aus Fragebogenaktionen ziemlich skeptisch. "Garbage in, garbage out" ist das Schlagwort, das auf akademische Autoren mit Statistikprogrammen leider viel zu oft zutrifft, und bei nur 150 ausgewerteten Datensätzen muss man die Konfidenzintervalle wahrscheinlich vornehm verschweigen.

    Ich finde die Aussagen David Heinemeier Hanssons, mit dessen Web-Framework Rails Groupon übrigens programmiert wurde, deutlich stichhaltiger: http://shortlogic.com/post/6142108636/groupon-ipo-pass-on-this-deal

    Aufschlussreich zur Groupon in Deutschland sind auch der Blog-Post http://www.gruenderszene.de/news/groupon-gomorrha-leak und besonders die Kommentare der Leser zu diesem Post.

    Die technischen Hürden für einen Groupon-Konkurrenten sind minimal, den Code für eine Daily Deals-Seite kann man für 250 USD im Internet erweben (z.B. bei http://gradlees.com/). Was fehlt, ist der Außendienst zum Anwerben der "Partner". Um einen Unternehmer zum freiwilligen Verzicht auf 75% des Umsatzes zu bewegen, braucht es nämlich gehörige Überzeugungskunst. Rechtlich gesehen mag das alles legal sein, selbst die kleinen Tricksereien bei den Unternehmenskennzahlen, aber moralisch sehe ich keinen großen Unterschied zwischen dem Geschäftsmodell von Groupon und beispielsweise dem eines Direktvertriebs für Finanzprodukte oder eines Veranstalters von Kaffeefahrten. Das im Vordergrund stehende Provisionsinteresse des Mittlers schließt ein lohnendes Geschäft für den Auftraggeber in der Regel von Anfang an aus.

    Noch lebt Groupon von der Blauäugigkeit und mangelnden Internet-Kompetenz der (vorwiegend) Kleinunternehmer, aber wenn ich als Unternehmer dem Endkunden tatsächlich 50% Rabatt einräumen will, warum nicht ohne Groupon? Weil ich dann die Allgemeinheit mit meinem Angebot nicht erreiche? Falsch. Die besten Angebote finden sich im Internet nämlich nicht bei Groupon, sondern auf Community-Seiten wie mydealz.de. Diese Seiten, auf denen das Einstellen von Angeboten überhaupt nichts kostet, haben mittlerweile eine Reichweite, die der von Groupon nicht nachstehen dürfte, denn ihre Leser sind Multiplikatoren in sozialen Netzen. Natürlich muss das Angebot gut sein, um von der Community positiv bewertet zu werden und auf der Rangliste nach oben zu rutschen. Aber wenn ich als Unternehmer 50% Rabatt auf meine Produkte oder Dienstleistungen gebe und trotzdem von der Öffentlichkeit nur ein müdes Lächeln ernte, hilft auch eine Groupon-Aktion nicht mehr. Dann muss ich mich der Realität stellen, die viele Groupon-"Partner" nicht wahrhaben wollen: Der Markt braucht mich nicht.

  • 15.04.2012 17:47:20 Uhr   Thomas Clark: @Katinka
  • 15.04.2012 17:37:16 Uhr   Thomas Clark: @TDi
  • 14.04.2012 22:39:21 Uhr   TDi: Orakel
  • 13.04.2012 20:32:07 Uhr   Olaf: Das wird nichts
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