Fragen Sie mal ein Startup mit drei bis vier Mitarbeitern und Wachstumsorientierung, wie viel Quadratmeter Bürofläche es in fünf Jahren benötigt? Die naheliegende Antwort: Keine Ahnung! Nicht einmal der sorgfältigste (Business-)Planer kann ernsthaft prophezeien, wie sich ein junges, unerprobtes Geschäft über einen so langen Zeitraum entwickeln wird. Entsprechend logisch ist, dass Gründer beim Aufbau eines Unternehmens eine Sache besonders benötigen: große Flexibilität.
Mein Eindruck aus vielen Gesprächen in der deutschen Gründerszene ist jedoch, dass in vielen deutschen Städten genau dieser Wunsch partout nicht erfüllt wird. Ich selbst musste bei der Suche für mein Startup - eine Redaktions- und Kommunikationsagentur - jedenfalls erstaunt feststellen, dass allein die Frage nach einer flexiblen Mietdauer schon eine Fülle von Türen schließt. Konkret war das in Hamburg, vor einem Jahr. Ob Angermann, BNP Paribas, Großmann & Berger oder sonst eine der großen Maklerfirmen an Alster und Elbe, stets bekam ich zu hören, dass eine feste Vertragsbindung unter fünf Jahren schwierig bis unmöglich sei.
Miete nur auf Fünf-Jahres-Plan-Basis? Haben sich die Wirtschaftsprinzipien des Kommunismus in deutschen Gewerbeimmobilien verfangen?
Dass Makler, Immobilienverwalter oder Eigentümer versuchen, möglichst große Flächen für möglichst lange Zeit zu vermieten, ist durchaus legitim. Wenn es der Markt hergibt, wird jeder versuchen, auf besonders bequeme Weise sein Geld zu verdienen - und Gründer ignorieren. Mein Eindruck ist jedoch, dass es der Markt in den letzten Jahren eigentlich nicht hergegeben hat. In Hamburg sind über eine Million Quadratmeter Gewerbefläche unvermietet. Und allein in der Innenstadt prangen nahezu in jeder Straße zahlreiche Schilder an den Fassaden, die (angeblich) attraktive Büroflächen anpreisen.
Nichts dabei für Gründer? Jedenfalls nicht unter fünf Jahren Bindung. Als ich befreundete Startups auf dieses Phänomen ansprach, hieß es fast unisono: Das Problem kennen wir! Doch lässt es sich auch verstehen? Nein. Zumindest nicht, wenn man an gesunde Marktmechanismen glaubt. Denn an vielen Orten, bei denen ich schon vor einem Jahr oder noch länger zurück nach flexibler Mietdauer gefragt habe, prangt noch immer ein Werbeschild. Sprich: Die Büros stehen bis heute leer.
Kein Geld statt Gründergeld? Wieso? Völlig klar ist mir die Sache bis heute nicht. Ein Branchenexperte, den ich dazu befragt habe, meinte, einige Immobilienfonds hätten in ihren Prospekten ausdrücklich langfristige Mieten erwähnt und seien folglich "qua Prospekthaftung" daran gebunden. Eine Freundin, die Liegenschaften professionell bewertet, sagte wiederum, dass sich kurzfristige Verträge negativ auf den Wert einer Büroimmobilie niederschlagen können, weil dadurch das Ertragspotenzial abgeschrieben werden muss, während das bei Leerstand nicht sofort der Fall sei. Weitere Erklärungsversuche reichen von: Die Höhe der Maklergebühren, die derzeit oft vom Vermieter getragen werden, rechne sich bei geringer Mietzeit nicht, bis hin zu schlichter Faulheit der Branchenakteure. Keines dieser Argumente hält den Regeln eines funktionierenden Marktes stand.
Teil 2: Was die Immobilienbranche verbessern muss
Ich bin etwas verwundert über diesen Artikel, denn es gibt doch Anbieter die dieses Problem lösen, und das schon seit Jahren. Business Center oder jetzt Coworking Angebote haben kurze Vertragslaufzeiten, so dass expandieren und auch schrumpfen möglich ist. Heute werden immer noch qm gesucht oder angeboten, dabei benötigt ein Unternehmen Arbeitsplätze.