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Merken   Drucken   14.06.2012, 13:39 Schriftgröße: AAA

Innogames: Die Spielemacher

Virtuelle Schlachten um reale Profite: Mit Browserspielen wie "Die Stämme" und "Forge of Empires" ist Innogames zur Nummer drei in Deutschland aufgestiegen. Das Hamburger Startup will weiter angreifen - mit Spielen für mobile Geräte.
von Malte Brenneisen
Virtuelle Helden: Charaktere aus dem Strategiespiel "Forge of ...   Virtuelle Helden: Charaktere aus dem Strategiespiel "Forge of Empires" von Innogames

Innogames im Überblick
Start des Browserspiels "Die Stämme" als Hobbyprojekt: Juni 2003
Start der Vorgänger-GbR: Januar 2006
Gründung der heutigen GmbH: Januar 2007
Produkt: Entwicklung und Betrieb von Browserspielen

"Deine Einwohner sind verärgert. Sie weigern sich, für Dich zu arbeiten oder zu kämpfen. Baue mehr kulturelle Gebäude, um die Bevölkerung zufrieden zu stellen." Die Befriedung der aufmüpfigen Gefolgschaft kostet 100 "Forge of Empires"-Diamanten. Um die zu verdienen, muss man ein paar Stunden daddeln. Für die erste eigene Armee in dem Innogames-Strategiespiel braucht man Tage. Oder man zahlt per Kreditkarte 4,99 Euro und kauft sich dafür 300 Diamanten - dann geht alles schneller. Mit virtuellen Gütern, Premiumaccounts und Werbung für weltweit über 75 Millionen registrierte Nutzer erwirtschaftete das Startup Innogames 2011 einen Umsatz von knapp 50 Mio. Euro.

Innogames Zu Gast bei den Spielstrategen

Mitgründer Hendrik Klindworth führt beim FTD-Besuch durch seine Spielfabrik. Antike, Weltraum, wilder Westen - die Innogames-Browserspiele, die man überwiegend aus der Vogelperspektive steuert, sind nicht die Neuerfindung des Rades. Im Gegenteil - für den 28-Jährigen sind die Parallelen zu auf Computern installierten Spielen wie "Age of Empires" oder "Anno 1503" kein Geheimnis, sondern Inspiration. Neu war Anfang 2000 allerdings der Online-Ansatz, unendlich lange gegen reale Gegner rund um den Erdball zocken zu können. Erste Spiele, von denen auch die späteren Innogames-Gründer beeinflusst wurden, waren "Inselkampf" und "Galaxywars".

Browserspiele müssen nicht auf dem PC oder Laptop installiert werden. Sie laufen auf Internetservern. "Man kann also den Rechner einfach ausschalten", sagt Klindworth. Das Spiel laufe im Netz weiter und könne bei Belieben fortgesetzt werden, erklärt er. Und ergänzt im selben Atemzug, es sei ein besonderer Reiz, unendliche Spiele zu erschaffen. Das motivierte ihn, selbst solche Spiele zu entwickeln. 2003 beschloss er mit seinem jüngeren Bruder Eike und dem Schulfreund Michael Zillmer ein eigenes Browserspiel für 100 Freunde und Bekannte zu programmieren. "Da steckte das Internet noch in Kinderschuhen", erinnert sich Klindworth.

Abbruch des Studiums - 1:0 für das Spiel

Mit 20 Euro ging alles los. Das war der Beitrag der Gründer für zwei Monatsraten Servermiete, erzählt er. Mit dem Geld entstand ihr erstes Hobbyprojekt, das Strategiespiel "Die Stämme". Der Nutzer muss ein mittelalterliches Dorf errichten und eine Armee ausbilden, um später eine der 99 anderen Siedlungen anzugreifen. Doch als sie den Passwortschutz für das Spiel nach einem Jahr entfernten, stürmten 40.000 Gamer die Server.

Plötzlich entstanden Aufgaben wie Administration, Support und Weiterentwicklung, die schnell eine Entscheidung für oder wider Klindworths laufendes Informatikstudium forderten. 1:0 für das Spiel. Anfang 2006 gründete das Trio die "Klindworth Internetprojekte GbR". Eike Klindworth verantwortete fortan das Gamedesign, Zillmer sorgte für Personal und Geschäftskontakte.

Hendrik Klindworth ist als Produktmanager kein Frontmann. Der Gründer, eine jugendliche Erscheinung, spricht leise und sortiert, erhebt beim FTD-Besuch nie die Stimme und fällt dem Reporter nie ins Wort. Er trägt Karohemd mit Jeanshose und schlägt beim Plausch über 100 Prozent Wachstum gelassen die Beine übereinander. Sein Büro ist funktional eingerichtet, Kakteen zieren die Fensterbank, die Jalousien sind trotz schönen Wetters zu zwei Drittel herunter gelassen.

Anders sieht es auf den Fluren seiner 170 Mitarbeiter aus. Nach zwei Umzügen nutzt Innogames 3500 Quadratmeter Bürofläche im Channel Hamburg am Harburger Binnenhafen. Auf den Gängen stehen lebensgroße Action-Pappfiguren. Die Glaswände der Büros sind mit bunten Bilderfolien aus den Spielwelten beklebt, um die Arbeitsbereiche zu trennen. Obst und Kaffee gibt es ebenso kostenlos wie die Entspannung in Ruhe- und Kreativräumen. Im Videozimmer spielen gerade 16 Mitarbeiter die Fußball-Europameisterschaft nach.

Teil 2: Das Geschäft mit den Spielvorteilen

  • FTD.de, 14.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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