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  FTD-Serie: Gründer live dabei!

Munich Composites - Das Gründerteam um Felix Fröhlich will die Produktion von Karbonteilen revolutionieren. FTD.de berichtet wöchentlich über die Sieger des Wettbewerbs enable2start.

Merken   Drucken   02.11.2012, 16:35 Schriftgröße: AAA

Munich Composites - die Zahlen des 3. Quartals: Fröhlich mit Schuldenberg

Felix Fröhlich und sein Startup haben plötzlich eine Viertelmillion Euro Schulden. Das ist nur der Anfang einer absehbaren Kostenexplosion: Die Einrichtung der eigenen Werkshalle wird teuer. Doch es wartet ein Serienauftrag. Bald werden Karbon-Fahrräder produziert.
von Thomas Clark
Munich-Composites-Gründer Olaf Rüger (l.) und Felix Fröhlich vor ...   Munich-Composites-Gründer Olaf Rüger (l.) und Felix Fröhlich vor dem Radialflechter

Das 3. Quartal 2012 im Überblick*
Einnahmen: 27.828 Euro
Ausgaben: 110.953 Euro
Kapitalstand: 229.937 Euro
Schuldenstand: 250.000 Euro
* alle Zahlen zum 30. September 2012

Seit Monaten berichtet die FTD im Rahmen ihrer Gründerinitiative enable2start über die Fortschritte und Rückschläge des Startups Munich Composites. Wer die Wochenberichte verfolgt hat, wird wenig Zweifel am Geschick und Engagement der jungen Karbonflechter hegen. Doch manchmal mag der Eindruck einer "Gründung im Glashaus" geblieben sein: Gehälter und Bürokosten des Teams deckte ein Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums (Exist). Für Flechtprojekte konnten die Gründer und Ingenieure Felix Fröhlich und Olaf Rüger die große Werkshalle der TU München nutzen. Und selbst das Büro ihres Startups war bei ihrer ehemaligen Fakultät in Garching bei München. "Zwischen Uni und Unternehmertum" betitelten wir deshalb den ersten Quartalsbericht.

Galerie Munich Composites - Sternentor für Kohlefans

Seitdem sind sechs Monate vergangen und nun besteht kein Zweifel mehr, dass Munich Composites aus der Retorte gestiegen ist. Die Gründer haben den Campus der Uni verlassen und bauen in Ottobrunn im Süden Münchens eine eigene Werkshalle auf, wo schon bald hochpreisige Karbonfahrräder produziert werden sollen. Die finanziellen Auswirkungen dieser Maßnahmen werden sich zwar größtenteils erst später zeigen. Doch ein erstes Indiz für den Umbruch liefern bereits die Zahlen des Sommerquartals: Die Einnahmen haben sich verdoppelt, die Ausgaben stiegen sogar um 120 Prozent. Pendelten die monatlichen Auslagen bislang um die 10.000 Euro, explodierten sie im September auf 85.000 Euro. Unterm Strich entstand dadurch ein Quartalsverlust von 83.000 Euro. Ein stolzer Betrag für ein Startup ohne Investor.

Erste Geldspritze von einem "Fan"

Um diesen Geldabfluss bewältigen zu können, blieb nur ein Weg: Schulden machen. Stand in der jungen Historie des Startups bei "Verbindlichkeiten" bislang stets die Null, prangt jetzt die Zahl 250.000 Euro bei diesem Posten. Es handle sich um eine Brückenfinanzierung, erläutert Felix Fröhlich. Überbrückt werden soll die Zeit, bis ein größerer Geldgeber gefunden ist. Ob in Anbetracht eines Schuldenbergs von einer Viertelmillion Euro der Nervositätspegel im Team gestiegen ist? "Nein", sagt Felix gelassen, "Wir sind entspannt."

Entspannt? Warum bloß? "Weil wir sehr sicher sind, dass schon bald ein Investor an Bord ist", antwortet er. Offenbar sind die Verhandlungen in der Endphase. Eine Anwaltskanzlei verdiente jedenfalls schon ganz gut: Im September erhielt sie von den Gründern rund 7.000 Euro für Rechtsberatung und Vorbereitung von Verträgen.

Trotz der Zuversicht bleibt jedoch ein Restrisiko - beladen mit der Bürde eines stattlichen Schuldenbergs. Wie passt das zu dem Schwaben Felix Fröhlich? Musste der junge Familienvater für den Kredit auch sein Privatvermögen aufs Spiel setzen? Nein. Denn das Überbrückungsdarlehen über 250.000 Euro stammt nicht von einer Bank, sondern von Privatleuten. Und die räumten sehr großzügige Konditionen ein. So muss der Darlehensbetrag erst in vier Jahren zurückgezahlt werden, kann aber jederzeit vorab getilgt werden. Die Zinsen sind niedrig, Durchgriffshaftung aufs Privatvermögen ist nicht vorgesehen.

Wer, bitteschön, verleiht Geld zu solchen Rahmenbedingungen? "Im Grunde genommen ist der Geldgeber ein Fan von uns", witzelt Felix. Und auf die Frage, warum sich dieser "Fan" keine Anteile an Munich Composites sichern wollte, meint er trocken: "Weil wir ihm keine Anteile abgeben wollten."

weiter auf Seite 2

Teil 2: Einkaufstour der besonderen Art: Flechtmaschine, Roboter & Co

  • FTD.de, 02.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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