Munich Composites - Das Gründerteam um Felix Fröhlich will die Produktion von Karbonteilen revolutionieren. FTD.de berichtet wöchentlich über die Sieger des Wettbewerbs enable2start.
| Felix' Woche |
|---|
| vom 16. bis 22. April 2012 |
| Arbeitsstunden: 53 |
| Stimmung (bester Wert 10): 6 |
Wir sind es ja schon gewohnt von den Karbonflechtern: Statt sich auf eine Aufgabe zu stürzen, versuchen sie in allen Bereichen gleichzeitig am Ball zu bleiben. Die selbstgesetzte Frist Ende April für die Investorensuche rückt zwar bedrohlich näher, doch Geschäftsführer Felix Fröhlich findet noch Zeit und Muße für eine zweitägige Schulung in Mitarbeiterführung. "Das war mir einfach wichtig", sagt der Ingenieur. Immerhin ist bis Ende 2013 eine Verdreifachung des Teams auf 14 Mitarbeiter geplant.
Schon in der Vorwoche hatte Munich Composites, eine Ausgründung der Technischen Universität München, sich mit Aufgabenteilung beschäftigt, weil zwei neue Praktikanten dazu gestoßen waren. "Die schaffen was weg, die muss man aber auch betreuen", sagt Fröhlich. Deshalb hängt seit einigen Tagen eine umfangreiche To-do-Liste im Büro der Gründer. "Jeder sieht, wer noch wie viel zu tun hat, und kann dem anderen auch mal was abnehmen."
Nur Fröhlichs Wortwahl scheint zu verraten, dass dem Gründer langsam der Kopf zu rauchen beginnt. "Doings" hier und "Doings" da, so nennt er all die Aufgaben, die anstehen und parallel laufen - von der Investorensuche bis zur Verlängerung des Exist-Forschungsstipendiums, das die Finanzierung des Startups vorläufig noch bis zum Herbst sichert. Normalerweise tagt die Exist-Jury, die über die Vergabe entscheidet, zweimal jährlich. Weil Munich Composites aber außerplanmäßig in die Förderung eingestiegen ist, müssen sie den Verlängerungsantrag nun per Post stellen. "Für uns wäre es besser, wir könnten im Gespräch zeigen, was wir machen", meint Fröhlich.
Und dann hat ihnen ihr Coach vom Gründer- und Innovationszentrum Unternehmertum auch noch nahe gelegt, den bereits mehrfach angepassten Businessplan für Projektträger und potenzielle Investoren erneut zu überarbeiten: "So geht das nicht. Es kommt nicht rüber, was ihr nun wirklich machen wollt", lautete die Kritik. Also werden sich die Ingenieure erneut hinsetzen und sehr viel ausführlicher erklären, wie Markt und Wettbewerber in der jungen Karbonteilbranche aussehen.
Trotz allem Stress besuchte Fröhlich das Seminar zur Mitarbeiterführung, das Siemens Mitarbeitern der TU München offeriert hatte, und fand die Zeit gut angelegt. Er habe sich vorgenommen, endlich Mitarbeitergespräche zu führen, auch über Zielvereinbarungen. Diese aber sollen die Teammitglieder in der großen Runde selbst festlegen, indem sich jeder fragt: Wo soll Munich Composites 2013 stehen, und was kann ich dazu beitragen? Damit die Ziele nicht von oben aufgedrückt werden, sagt Fröhlich.
Teil 2: Geschütztes Gründerleben - und eine Projektabsage