Munich Composites - Das Gründerteam um Felix Fröhlich will die Produktion von Karbonteilen revolutionieren. FTD.de berichtet wöchentlich über die Sieger des Wettbewerbs enable2start.
| Felix' Woche |
|---|
| vom 30. April bis 6. Mai 2012 |
| Arbeitsstunden: 45 |
| Stimmung (bester Wert 10): 8 |
"Am unattraktivsten macht es Dich, wenn Du massiv auf der Suche bist." Diesen Rat hat Felix Fröhlich, Geschäftsführer von Munich Composites, so oder ähnlich, oft gehört in den vergangenen Monaten. Dementsprechend könnten den Karbonflechtern die Investoren nur so ins Haus flattern. Denn seit einigen Tagen haben die Gründer nicht mehr das Gefühl, bei Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern mit dem Rücken zur Wand zu stehen: Ein privater Investor möchte 500.000 Euro einsetzen, und der halbstaatliche Fonds Bayern Kapital signalisierte diese Woche Bereitschaft, diesen Betrag um die gleiche Summe aufzustocken.
Damit kommen die Ingenieure noch nicht auf die veranschlagten 1,8 Mio. Euro, die sie für den Aufbau einer eigenen Produktionsanlage benötigen. Sie sind aber guter Dinge, dass das in sie gesetzte Vertrauen weitere Kapitalgeber anlockt. Das könnte ein zweiter Privatfinanzier sein, dessen Investment sich ebenfalls hebeln ließe. Beispielsweise mit Mitteln der staatlichen Förderbank KfW. Die Taktik der Ingenieure ist, alle Türen weit geöffnet zu lassen.
"Wir wollen ein Konsortium aufstellen, das nach der ersten Finanzierungsphase und unserem erbrachten Beweis der Serientauglichkeit noch eine zweite Runde drauflegt", beschreibt Gründer Fröhlich die Grundidee der Finanzierungsstrategie. Das ist ihm wichtig, damit der Geldgeber in der zweiten Runde schon tiefe Einblicke in die junge Firma hat und so zusammen mit Munich Composites wächst.
Aber auch auf anderer Ebene scheinen sie der Realisierung ihrer eigenen Produktionshalle einen Schritt näher zu kommen: Denn die Reise nach Paris zur JEC trägt Früchte. Auf der größten Fachmesse für Faserverbundstoffe hatten sich die Gründer im März präsentiert und ein buntes Potpourri an Eindrücken und Kontakten mitgenommen, deren Nutzen zunächst offen blieb.
Doch jetzt sind zwei Unternehmen mit Anfragen für konkrete Großaufträgen an die Karbonflechter herangetreten: Einer der Interessenten möchte ein kompliziertes Rohrbauteil flechten lassen, dass bisher in Wickeltechnik hergestellt wird. Da es sich aber um eine größere Stückzahl handelt, scheint Munich Composites mit seiner vollautomatisierten Flechttechnologie scharfe Konkurrenz zu den Wicklern zu sein.
"Das ist die Herausforderung für uns", sagt Fröhlich: "Wir brauchen Teile, die komplex genug sind, dass die Flechttechnik für Kunden interessant wird." Zusätzlich hat er in der vergangenen Woche ein Angebot als Zulieferer für ein Unternehmen der Automobilbranche geschrieben. Auch hier handelt es sich um eine hohe Stückzahl. "Beides wären tolle Startaufträge für unsere eigene Halle", sagt Fröhlich.
Teil 2: "Unternehmergeist schon in der Schule vermitteln"