Munich Composites - Das Gründerteam um Felix Fröhlich will die Produktion von Karbonteilen revolutionieren. FTD.de berichtet wöchentlich über die Sieger des Wettbewerbs enable2start.
| Felix' Woche |
|---|
| vom 30. Juli bis 5. August 2012 |
| Arbeitsstunden: 53 |
| Stimmung (bester Wert 10): 9 |
Während die Gründer von Munich Composites Investoren suchten, den Unternehmensaufbau planten und kleinere Aufträge aus der Industrie erledigten, wurde im vergangenen halben Jahr über ihnen in der Maschinenhalle der TU München auf ganz andere Weise kreativ gearbeitet: Dort sitzt Design-Diplomand Jacob Haim und zupft mit seinem Mauszeiger an virtuellen Rennrad-Rahmenrohren herum, die einmal, mit dem Markenzeichen von Munich Composites versehen - einer eingeflochtenen roten Faser - , über die Straßen sausen sollen.
Doch das "Racebraid", wie die Ingenieure den Nachfolger ihres preisgekrönten ersten Fahrrads nennen, existiert nicht nur im Computer. Seit vergangener Woche wird es Karbonfaser für Karbonfaser real. Die formgebenden Kerne, über die Munich Composites die steifen Kohlefasern legt, wurden bereits von einem 3D-Drucker produziert, nun geht es ans Flechten. In zwei Wochen sollen an den so entstehenden Karbonrahmen alle Komponenten angebaut sein. Haim wird den Prototypen im Materialwert von circa 10.000 Euro das erste Mal in den Händen halten. Und vielleicht sogar eine sehr vorsichtige Runde damit fahren.
Haim studiert eigentlich in Graz und kam Anfang 2012 über Heino Müller, den Strategiecoach der Karbonflechter, an die Münchner TU. Der 26-Jährige suchte ein Thema für seine Diplomarbeit. Die Gründer Olaf Rüger und Felix Fröhlich suchten einen Gestalter für das "Racebraid" und stellte ihn als studentische Hilfskraft an. Die Idee: Neben dem "Braid"-Fahrrad ohne Gangschaltung, aber mit futuristischem offenen Hinterbau wollen die Gründer auch ein "echtes" Rennrad im Portfolio haben. Eines das auch nach Maßgabe des Weltradsportverbands UCI zu Rennen zugelassen ist.
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Die einzige Vorgabe der Gründer ist, dass Ober- und Unterrohr des Fahrradrahmens mit ihrer Technologie aus Karbonfasern geflochten sein sollen und in Serienproduktion hergestellt werden können. Für Haim absolutes Neuland, denn in Karbon hat er noch nie entworfen. Sein letztes Projekt in Österreich war ein Postfahrrad. "Karbon ist das Material der Zukunft. Anfangs hatte ich Befürchtungen, dass die Technologie mich in der Gestaltung sehr einschränkt, aber ich war überrascht, wie frei ich die Formen auslegen kann", sagt er nun.
Die Designphase abgeschlossen. Den endgültigen Entwurf darf er aber noch nicht zeigen. "Optisch ist es aggressiv-komfortabel, wie eine unruhige Kraft, die im Rahmen gebändigt wird. Es soll organisch aussehen und nicht zu steif. Die Rohre erinnern an Muskelstränge, das passt auch gut zu den Karbonfasern." Wichtig war Haim, dass der Rahmen sehr "clean" bleibt. Bremsen und Schaltung sind elegant versteckt. Es gibt Aussparungen, um das Rad auch mal bequem auf der Schulter tragen zu können. Trotz aller Gestaltungsfreiheit, hat er darauf geachtet, dass das Design wirtschaftlich bleibt, damit die Räder wie geplant von Munich Composites in Deutschland hergestellt werden können.
Teil 2: "Die größte Herausforderung war das Karbonmaterial"