Der Gugl - Chalwa Heigl will mit ihren Miniguglhupfs süße Gelüste im Kleinformat befriedigen. FTD.de berichtet wöchentlich über die Siegerin des Gründerwettbewerbs enable2start.
| Das 2. Quartal 2012 im Überblick* |
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| Einnahmen: 183.838 Euro |
| Ausgaben: 175.034 Euro |
| Kapitalstand: 43.601 Euro |
| Schuldenstand: 0 Euro |
| * alle Zahlen zum 30. Juni 2012 |
Samstagmittag, 34 Grad, "Like ice in the sunshine", tönt es aus den Lautsprechern. Models in Bikinis staksen über den Laufsteg. Sommerfest in der Grünwalder Schlosspassage bei München. Chalwa Heigl steht vor ihrem rosa Kleinlaster, dem Piaggio Ape im Gugl-Dekor, und zögert. Der Fahrer hat das Dreirad falsch herum abgestellt: Liebevoll drapierte Minigugelhupfe und Geschenksets kann nur entdecken, wer um das Gugl-Mobil herumläuft. Die sonst so handfeste Gründerin wagt es nicht, jetzt noch umzubauen. Sie will die Zielgruppe abchecken in Grünwald, einer der reichsten deutschen Gemeinden.
1-a-Lage. Das ist ihr Credo. Wie das Münchner Modehaus Lodenfrey, vor dem eines der drei speziell angefertigten Gugl-Mobile freitags und samstags steht. "60 bis 80 Schachteln muss ich verkaufen, damit es sich lohnt", sagt Heigl. Gugl satt also, für 600 bis 800 Euro. Miete muss sie weder dort noch in Grünwald zahlen. Heigl ruft "die große Expansion der kleinen Laster" aus, auch wenn der Straßenverkauf nur zehn Prozent zu den Erlösen beiträgt. 20 Prozent bringt der Onlineshop, der Rest stammt weiterhin aus dem Geschäft mit Firmenkunden sowie Feinkostläden und Hotels.
Doch am rosa Laster hängt Heigls Herz, schließlich hat sie über die winzige Ladentheke unter dem Minilüster im bitterkalten Münchner Winter vor drei Jahren ihre ersten Gugl verkauft. "Ein Topmarketingtool", findet sie. Denn auch größere Aufträge stößt die niedliche rollende Patisserie an.
1,20 Meter mal 1,40 Meter - eine Arbeitsfläche wie eine Telefonzelle und damit eigentlich ein perfektes Franchisethema, wie Heigl oft von Interessenten hört. "Das Anfangsinvest beträgt gerade mal 15.000 Euro für den Laster", sagt die Gründerin. Der erste kostete sie noch 25.000 Euro. Dazu kommt die Ware, Minihupfen Berberitze-Wildrose zum Beispiel. "Süß und fein säuerlich zugleich", erklärt Heigl einem älteren Paar. Die Frau guckt interessiert, der Mann schaut begierig auf die Brownie-Variante. Heigl sagt: "Frauen sind experimentierfreudiger."
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Leider auch im Franchising. Die erste Interessentin für ein Gugl-Mobil hat gerade abgesagt: Der Austausch mit Gründerin Heigl habe sie so inspiriert, sagt die Hamburgerin, dass sie nun etwas Eigenes machen wolle. Umsatzbeteiligung, Handbuch, Lizenzen - Heigl fühlt sich etwas hilflos: "Ich merke gerade, wie ich an meine Grenzen stoße. Wie betreue ich das Ganze, und wie sollen die Verträge aussehen?" Ein bisschen Angst macht ihr die Vorstellung, jemanden zu "bequatschen". Und dann läuft es für den Franchisenehmer vielleicht nicht. Was dann?
Deshalb hat es Chalwa Heigl nicht übermäßig eilig, ihre Ape-Laster über Land zu schicken. Lieber folgt sie dem Lebensmotto, des natürlichen Laufs der Dinge zu harren und zuzuschlagen, wenn das oder der Richtige auf der Bildfläche erscheint. So fing damals auch alles an. Heigl suchte eine neue Herausforderung, nachdem sie ihre PR-Agentur verkauft hatte, dachte an eine Yoga-Oase als Erwerbsquelle und kam auf eine komplett andere Idee, als sie sich zum Kaffee einen Muffin gekauft hatte und enttäuscht feststellte, wie staubig der schmeckte. Sie dachte darüber nach, warum es trotz der Konditorentradition hierzulande kein feines deutsches Kaffeegebäck gibt - und kam auf den Minigugelhupf. Daraus hat sie eine kleine Manufaktur gemacht, die im zweiten Quartal 2012 mehr als 94.000 Gugl verkaufte und 184.000 Euro einnahm.
Teil 2: Kein Kindermärchen, sondern Sales-Management