Der deutsch-amerikanische Unternehmer Dirk Kanngiesser ist guter Dinge, wenn es um den Ruf deutscher Startups geht: "Sie sind im Silicon Valley weitaus besser angesehen, als man sich das jemals vorstellen könnte", sagte der CEO der Initiative German Silicon Valley Accelerator (GSVA) am Mittwochabend in Berlin. 200 Gäste waren nach Berlin-Mitte gekommen, um den offiziellen deutschen Start des Austauschprogramms zu feiern. Bereits im Februar hatte es eine vergleichbare Auftaktveranstaltung in San Francisco gegeben.
Besonders auf dem Feld der Technologie und des Ingenieurswesen seien die Deutschen hoch angesehen, sagte Kanngiesser, der im Silicon Valley lebt und Managing Partner des Riskokapitalgebers Polytechnos ist. Es mangele jedoch vielen deutschen Gründern an Selbstbewusstsein. "Oft glauben sie nicht daran, dass sie globaler Marktführer werden können." Ganz anderes sei die Stimmung im Silicon Valley: Hier herrsche die Devise "Think Big". Es gebe eine beachtliche Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Technologien. Und Ideen würden sehr schnell vorangetrieben, sagte Kanngiesser.
Von dieser Mentalität sollen jetzt auch deutsche Gründer profitieren. Pro Quartal schickt GSVA jeweils bis zu vier Startups in die Vereinigten Staaten. Das Programm richtet sich dabei ausschließlich an junge Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationsbranche. Diese müssen in Deutschland gegründet worden sein und Marktchancen auf dem internationalen Markt erahnen lassen - am besten mit Fokus auf die USA. Weitere Kriterien der Jury, die aus erfahrenen Investoren besteht, sind ein plausibles Geschäftsmodell, realistische Wachtsumspläne und ein überzeugendes Team.
40 Startups hatten sich für das dritte und vierte Quartal 2012 beworben. Folgende sechs Unternehmen würden am Mittwoch zu Siegern gekürt:
Für zwei Vertreter pro Firma heißt es nun bald: Kofferpacken. Im Silicon Valley bekommen sie Büroräume gestellt, werden von Mentoren betreut und bei ihrer Suche nach Kunden, Partnern und Investoren unterstützt. Darüber hinaus erhalten sie Coaching-Leistungen im Wert von bis zu 20.000 Euro. Der Aufenthalt dauert drei Monate - bei entsprechenden Marktchancen besteht die Möglichkeit, den USA-Aufenthalt zu verlängern.
Für das erste und zweite Quartal 2012 waren bereits im Vorfeld folgende Austausch-Startups gekürt worden:
Der deutsche Sitz der Initiative ist bei der German Entrepreneurship GmbH in München angesiedelt. Gefördert wird das GSVA-Programm vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). "Es ist für uns alle eine Win-Win-Situation", sagte Referatsleiter Johannes Velling bei der Veranstaltung am Mittwoch. Die Teilnehmer könnten im Silicon Valley als Botschafter für Deutschland fungieren und gleichzeitig Expertise sammeln.
Schon bald soll die nächste Bewerbungsrunde laufen, diesmal für die ersten beiden Quartale 2013. Bewerbungsschluss wird der 31. August sein. Die Formalien sollen bald auf germanaccelerator.com bekannt gegeben werden.