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Sie haben ein Problem im Job oder mit Kollegen? Anne Weitzdörfer arbeitet seit vielen Jahren als Beraterin und Coach. Jede Woche beantwortet sie in der FTD Ihre Fragen. Schreiben Sie an fraganne@guj.de. Alle Anfragen werden natürlich vertraulich behandelt.

Merken   Drucken   07.12.2012, 15:00 Schriftgröße: AAA

Annes Antwort: Wie gehe ich mit dem Ende um?

Anne Weitzdörfer, Beraterin und Coach, kennt sich mit Problemen im Büro aus und beantwortet Leserfragen. Diesmal: "Unsere Redaktion wird aufgelöst. Wie gehen wir damit um?"
von Anne Weitzdörfer

Das Problem Ich habe in den vergangenen Jahren in einem tollen Team mit großartigen Kollegen gearbeitet, die mit Leidenschaft und Begeisterung ihren Job machen. Und obwohl es sich seit Monaten abzeichnet, dass sich unser Geschäft in einem schrumpfenden Markt befindet und wir nicht profitabel sind, haben wir alle daran geglaubt, dass es uns nicht treffen wird. Jetzt ist es so weit: Unsere Redaktion wird aufgelöst. Wie gehen wir damit um?

F.T. Draurig, Journalist

Anne Weitzdörfer   Anne Weitzdörfer

Annes Antwort Wie selbstverständlich trauern wir um die Beziehung zu einem geliebten Menschen oder einem Tier. Warum nicht genauso um einen Lebensabschnitt? Oder ein Unternehmen? Insbesondere wenn es im Kern aus der Leidenschaft der Mitarbeiter besteht?

Natürlich liegt es nahe, das Unausweichliche zunächst einfach weitestmöglich zu verdrängen. Eine ganz menschliche und nachvollziehbare Reaktion, die oft auch über Wochen oder gar Monate funktioniert. Allerdings kommt irgendwann der Moment, in dem man der Realität ins Auge sehen muss. Vielleicht zunächst mit Wut, später aber bahnt sich mit leisen Tönen die Trauer ihren Weg. Ich kenne Mitarbeiter eines verkauften Unternehmens, die haben ihre Marke offiziell mit einer Trauerfeier zu Grabe getragen. Und anschließend gemeinsam Abschied gefeiert. Kein Scherz.

Ich habe bei dem Verkauf "meiner" Unternehmensberatung vor einigen Jahren die Erfahrung gemacht, dass es erst eine Phase des blanken Entsetzens über diese Entscheidung gab. Gefolgt von Wut auf alle Beteiligten. Danach wurde ich lethargisch und wäre am liebsten überhaupt nicht mehr ins Büro gegangen. Weil es unerträglich war zu sehen, wie etwas so Besonderes kaputtging. Allerdings habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass es etwas sehr Schönes sein kann, mit lieben Kollegen die letzten Tage gemeinsam ganz bewusst zu erleben. Und am Ende gemeinsam zu gehen. Auch wenn es schwer fällt, rate ich, den Kopf bis zur letzten Sekunde hochzuhalten. Weil es da draußen Menschen gibt, die euch lieben.

Und die die letzte Ausgabe ihrer Zeitung genauso gern lesen wollen wie die davor. Ich wünsche euch, dass ihr die letzten Tage alles, was ihr jahrelang mit Herzblut und Leidenschaft, mit Stress und unter Zeitdruck viele hundertmal gemacht habt, in den letzten Tagen ganz aufmerksam und langsam macht. Weil man etwas Geliebtes viel leichter loslassen kann, wenn man sich ganz bewusst verabschiedet hat.

Den Geist dieser Zeitung und das, was euch als Team ausgemacht hat, nehmt ihr mit. Und auch, wenn ihr nie wieder in dieser Konstellation arbeiten werdet, werden sich eure Wege kreuzen. Immer in dem tiefen Wissen, dass ihr etwas geteilt habt, was nicht viele Menschen in ihrem Berufsleben erleben dürfen. Ich bin dankbar und stolz, ein kleiner Teil eures Teams gewesen zu sein und danke euch für diese wunderbare Zeit.


  • FTD.de, 07.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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