Wo lernt die Elite? Die besten Schulen mit MBA-Programmen, dazu Rankings, Trends und Entwicklungen.
Alles, was Matthieu Péché und Gauthier Klauss je über Projektmanagement und Teamwork gelernt haben, wurde vor ein paar Tagen auf die Probe gestellt. Die beiden studieren Innovation und Unternehmertum und haben bei den Olympischen Spielen im Zweierkanuslalom um Gold für Frankreich gekämpft.
Ihr Teamwork beschränkte sich dabei nicht nur auf die beiden Athleten im Boot. Auch Professoren von der kleinen, aber ehrgeizigen Managementschule ESC Pau haben ihren Teil beigetragen. Sie halfen den beiden Sportlern bei der Vorbereitung, verlegten Kurszeiten, verschoben Abgabefristen und boten Coaching an, damit die beiden Kanuten ihr Training in den Vordergrund stellen konnten.
Péché und Klauss, die bei der Weltmeisterschaft 2011 den zweiten Platz belegten, hatten sich dieses Jahr extra für Olympia eine Auszeit genommen. Nicht nur, dass sie jeden Tag stundenlang auf dem Wasser und im Fitnessstudio schwitzten, sie studierten auch wochenlang vor Ort den Parcours. "Wir fahren nicht zu den Olympischen Spielen, nur um teilzunehmen", sagte Péché vor dem Olympiastart. "Wir wollen Gold holen."
Und die beiden 24-Jährigen rechneten sich gute Chancen aus. Sie sind in Epinal-Golbey aufgewachsen, einem renommierten Kanuzentrum in den französischen Vogesen, und fingen schon im Alter von sieben Jahren mit dem Kanusport an. Seit sie 15 sind, gehen sie gemeinsam an den Start, und sie haben sich sogar für denselben Master-Studiengang eingeschrieben, nur um möglichst gut trainieren zu können.
"In den vergangenen zwölf Monaten stand unsere sportliche Karriere an erster Stelle", sagt Péché. "Aber unsere Eltern sagen immer, das Studium sei wichtiger, und sie haben recht. Kanufahren ist ein Amateursport. Selbst wenn wir Olympiasieger werden, können wir damit nicht unseren Lebensunterhalt bestreiten."
Deshalb legen die beiden an der ESC Pau den Grundstein für eine andere Karriere, und dass die Managementschmiede so flexibel ist, half ihnen gerade jetzt enorm. Die Nähe der Schule zu einer Wildwasseranlage mit hervorragenden Trainingsmöglichkeiten spielte durchaus eine Rolle bei der Auswahl. Péché und Klauss informierten die Schule auch von Anfang an über ihre sportlichen Ambitionen.
Péché sagt, die Ausbildung und das Training griffen hervorragend ineinander. "Wir sind zwei Männer in einem Boot", so Péché. "Da lernt man Teamwork, und Teamwork ist auch in Unternehmen unerlässlich. Bei einem Olympia-Projekt geht es darum, Ziele zu setzen und dafür zu sorgen, dass man sie erreicht. Das gilt auch für die Geschäftswelt."
Solche Synergien erkennen mittlerweile viele. Sowohl internationale Sportler als auch Unternehmen wollen nur eins: besser werden. Und Business Schools spielen eine immer wichtigere Rolle, weil sie Konzepte aus beiden Feldern zusammenbringen. John Neal, der die Sport Business Initiative der Ashridge Business School verantwortet, sagt: "Der Sport kann von der Wirtschaft eine Menge lernen."
Ashridge kooperiert mit UK Sport, dem britischen Dachverband für olympische Sportarten, leitet ein Mentoringprogramm für Trainer der britischen Olympia-Mannschaften und arbeitet auch mit einzelnen Athleten.
Neal, einer der führenden britischen Sportpsychologen, bastelt seit mehr als zehn Jahren an der Beziehung der Managementschule zum Sport. Dass Großbritannien bei Olympia heute wieder besser ist, liegt laut Neal zu einem entscheidenden Teil daran, dass Peter Keen, der zuständige Manager bei UK Sports, unternehmerische Prinzipien eingeführt hat.
Was Olympia von anderen Wettbewerben unterscheide, sei der besonders große Siegeswille, sagt Neal. Ashridge hat einen Acht-Punkte-Plan aufgestellt, der sich von der Vision über Strategie, kulturelle Philosophie bis hin zum Leistungsmanagement zieht und den Athleten beim Siegen helfen soll.
Auf menschlicher Ebene könne die Geschäftswelt vom Sport lernen. Gemeinsam mit Kollegen versuchte er, Analysen der Energie und der Leidenschaft von Profisportlern auf die Vertriebsteams großer Unternehmen zu übertragen. Das Ergebnis: deutliche Umsatzsteigerungen oder eine Zunahme der Verkaufsaktivitäten.
Auch andere Business Schools schauen, wie sich Führungskonzepte übertragen lassen. Die Duke University im US-Bundesstaat North Carolina hat eine renommierte Basketball-Mannschaft, deren Trainer, Mike Krzyzewski, auch Amerikas Olympia-Mannschaft trainiert. Coach K, wie er gern genannt wird, unterrichtet am Coach K Center for Leadership and Ethics der Fuqua School of Business. Das Managen aufgeblähter Egos ist für Führungskräfte immer schwierig, ganz gleich ob sie ein Basketball-Spiel gewinnen, Aktien handeln oder einen IT-Konzern führen wollen.
Sim Sitkin, der Chef des Coach K Center for Leadership and Ethics, verweist aber auch auf die Globalisierung des Sports, die enormen Ertragsströme aus unterschiedlichen Quellen und die wichtige nicht kommerzielle, gesellschaftliche Funktion.
"Sport ist mittlerweile eine enorm große Industrie", sagt er. "Wie groß, bedeutend und komplex die Sportbranche heute ist, finden die Business Schools gerade erst heraus. Einige Schulen haben mit speziellen Kursen für Sportmanagement darauf reagiert. Aber auch Gaming, Medienrechte, Technologie und viele andere Themen seien einen genaueren Blick wert, sagt Sitkin. "Ich denke, dass wir uns stärker in diese Richtung entwickeln werden, denn wir sind optimal aufgestellt, um hier Hilfestellung zu bieten."
Andere gehen in dieselbe Richtung. Moïse Louisy-Louis, Sportler und ehemaliger Finanzanalyst, leitet zwei Masterprogramme in Sportmanagement an der Internationalen Universität von Monaco, einer Business School. Dieses Jahr nahm er Studenten auf eine Studienreise nach London mit, um das Thema Ethik und die wirtschaftliche Seite von Olympia zu untersuchen.
Peter Grant, der an der Cass Business School der City University London Management im ehrenamtlichen Sektor unterrichtet, sagt, in vielen Sportarten bestehe ganz offensichtlich Bedarf an professionellem Management. Wie Louisy-Louis ist auch er der Meinung, dass Business Schools die Sportindustrie genauer studieren und entsprechende Kurse anbieten sollten.
Die beiden Wissenschaftler Ian Mackenzie und Andrew Davies fasziniert die Herausforderung, die das Ausrichten der Olympischen Spiele aus Projektmanagementperspektive darstellt. Die beiden arbeiten an der Imperial College Business School in London und haben eine Studie veröffentlicht, in der sie die Lektionen darlegen, die die Bauprojekte der Olympischen Spiele 2012 bereithalten.
Diese Studie ist Teil eines langfristigen Forschungsprojekts, das dazu beitragen soll, die Imperial College Business School zu einem globalen Expertenzentrum für das Management von Megaprojekten zu machen.
Das Imperial-Team arbeitet auch mit Managern zusammen, die für Crossrail verantwortlich sind, die 14,5 Mrd. Pfund teure Bahnverbindung, die den Londoner Osten mit dem Westen der Stadt verbindet und 2017 fertiggestellt werden soll. Dabei wollen sie sowohl dafür sorgen, dass die Lektionen, die aus Olympia gezogen werden, auch beherzigt werden, als auch Managementinnovationen festhalten, die bei dem Bauprojekt entstehen.
Nach den Olympischen Spielen suchen viele einen neuen Job oder eine neue berufliche Laufbahn. Einige der Bauarbeiter, die für Olympia gearbeitet haben, sind zu Crossrail gegangen. Péché und Klauss gehen wieder an die ESC Pau zurück. Bei älteren Sportlern hat sich diese Taktik bereits bewährt: Nach der sportlichen Karriere an die Business School und den Grundstein für eine neue Laufbahn legen.
Jonno Devlin ist ein gutes Beispiel. Er hat einen Informatikabschluss und war acht Jahre lang Profisportler. Als Ruderer trat er bei den Olympischen Spielen in Athen für Großbritannien an, und in Peking ging er für Irland ins Rennen.
Doch nach den Olympischen Spielen in Peking 2008 war er 33 und musste ein neues Leben anfangen. Dieser Übergang sei für viele Profisportler eine traumatische Erfahrung, sagt er. Von heute auf morgen fehle das klare Ziel, das man immer vor Augen hatte, die Struktur, das soziale Leben und das Gefühl, etwas sehr gut zu können. Nach einer kurzen Phase als Finanzberater schrieb sich Devlin für ein Vollzeit-MBA-Programm an der Cass Business School ein. Heute arbeitet er als Strategieprojektmanager bei Aggregate Industries, einem Baustoffhersteller.
"Cass hat mir sehr geholfen und mich dabei unterstützt, die nötigen Mittel aufzutreiben, ohne die das Ganze nicht möglich gewesen wäre", sagt Devlin. Ein MBA verleihe einem einen frischen Blick auf die Geschäftswelt, die nötigen Fähigkeiten und ein wenig Zeit, um sich neu zu orientieren.
Die Symbiose von Business-Schulen mit der Welt des Sports kann verschiedene Formen annehmen. Die wichtigste Funktion der Business Schools besteht aber vielleicht darin, Profisportlern nach den Olympischen Spielen in London dabei zu helfen, sich ein neues Leben aufzubauen und neue Ziele zu setzen.
Aus: The Financial Times, London. www.ft.com